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Mobil im Leben – Übung macht den Meister

Morgens 08:30 Uhr am Hauptbahnhof Hannover: Wie ein großer Schwarm schwirren Menschen aus der Stadtbahn und wieder hinein. Das alles geht in der morgendlichen Trance ganz von allein. Was für die meisten von uns Alltag ist, stellt für Menschen mit körperlichen Behinderungen jedoch eine Herausforderung dar. Vier Mal im Jahr bietet die üstra deshalb Übungstage für Fahrgäste mit Rollstuhl und Rollator an. Bei der letzten Veranstaltung „Mobil im Leben“ durfte ich dabei sein und hatte so manches Aha-Erlebnis.

Als ich am Treffpunkt Messe/Nord ankomme haben sich schon viele um den Übungsbus versammelt. Sie tauschen Erfahrungen und Tipps aus. Eine von ihnen ist Frau Moritz. Sie hat seit einem Monat einen Rollator und das Manövrieren fällt ihr noch nicht leicht. Zunächst muss sie einen geeigneten Sitzplatz finden, denn sich auf den eigenen Rollator zu setzen ist lebensgefährlich. Auf den Reifen ist wenig Auflagefläche und somit wenig Haftung zum Boden. Bei einer Vollbremsung kann es zu schwerwiegenden Stürzen kommen.

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Erfahrungsaustausch: Frau Moritz erhält Tipps zum Ein- und Aussteigen.

Vor allem beim Aussteigen hat Frau Moritz schon einige Pannen erlebt. Erstmal muss man sich im Bus drehen, das kostet schon mal etwas Zeit. Wenn man Pech hat und die Kurve nicht so gut bekommen hat, bleibt man dann auch noch in der Tür stecken. Weil sie den Betrieb nicht aufhalten will, fährt sie zur verkehrsarmen Zeit am Mittag. Da habe sie nicht das Gefühl ein Ärgernis für ihre Mitfahrer zu sein.

Und auch hinter dem Steuer eines Busses will man schlechte Stimmung vermeiden. Will sich der Busfahrer keine Verspätung einfahren, muss alles reibungslos funktionieren. Doch wenn behindertengerechte Haltestellen wegen Müll oder anderen Hindernissen nicht zugänglich sind, kann die Abfahrtszeit nicht eingehalten werden. Notfalls muss der Fahrer das Lenkrad verlassen und beim Einsteigen helfen. Die Fahrgäste werden dabei spürbar ungeduldiger. Immer ist der Fahrer schuld, aber nie die Gäste mit ihren Kopfhörern oder Handys, die nicht auf ihre Umgebung achten.

Alle sind sich einig: Selbst ist der Mann (oder die Frau)! Also wird die Busrampe ausgefahren und geübt, geübt, geübt. Vor allem für die Rollstuhlfahrer ist so eine Rampe gewöhnungsbedürftig. Sobald es hoch geht, fühlt es sich so an, als würde der Rollstuhl kippen. Um sicherer mit der Situation umzugehen, gibt ein Trainer Nachhilfe im „Kippeln“.

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Das „Kippeln“ will geübt sein. Hier an einer Tür ohne Mittelstange – erkennbar am orangenen Streifen über der Tür.

Die nächsten Anlaufstationen sind die Stadtbahnen. Zwar haben der neue TW 3000 und der Silberpfeil (TW 2000) ein schon fast luxuriöses Platzangebot, trotzdem muss auch hier zwischen den Haltestangen navigiert werden. Der grüne TW 6000 ist da eher etwas für Fortgeschrittene. An einem orangenen Streifen am Fahrerstand und über der entsprechenden Tür, kann man sehen, dass hier die Mittelstange entfernt wurde. Dadurch kann man mit einem Rollstuhl oder Kinderwagen leichter zusteigen. Für Türen mit Mittelstange, erfahre ich zwei wertvolle Tipps: 1. Die rechte Seite der Tür benutzen, denn diese ist breiter. 2. Vorwärts hereinfahren und rückwärts wieder herausfahren vermeidet umständliches Rangieren.

Während die einen noch fleißig am üben sind, liefern sich zwei Jungs ein Rollstuhlrennen auf dem leeren Bahnsteig. So verspielt und voller Elan, zeigen sie mir, wie selbstverständlich die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel auch für mobilitätseingeschränkte Menschen sein kann.

Auch bei den nächsten Übungstagen kann wieder ausprobiert und trainiert werden. Alle Termine gibt es auf uestra.de

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How to SEV? Wie man einen Schienenersatzverkehr plant

An diesem Wochenende findet eine große Baumaßnahme um den Bereich der Clausewitzstraße statt. Die meisten von uns merken das nur an den Bussen des Schienenersatzverkehrs (SEV), in die wir umsteigen müssen. Für unsere Kollegen vom Fahrplanbüro hingegen endet damit eine siebenmonatige Planung.

Im Auftrag der infra Infrastrukturgesellschaft Region Hannover GmbH werden am diesem Wochenende Weichen erneuert. Am Freitag und Samstag (13. und 14. Mai 2016) waren die beiden östlichen Weichen dran und heute und Montag (15. und 16. Mai 2016) folgen die zwei westlichen Weichen.

Doch warum gerade an Pfingsten? Diese Maßnahme ist sehr umfangreich und gleich vier Linien sind von ihr betroffen. Während des normalen Berufsverkehrs wären die Einschränkungen für die Fahrgäste viel zu groß. Aus diesem Grund fallen solche Baustellen in der Regel auf lange Wochenenden. Dann sind weniger Menschen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Außerdem fahren die Bahnen an Feiertagen wie an einem Sonntag, also sind auch weniger Fahrzeuge im Einsatz, was die Planung und die Arbeiten vereinfacht.

Die besondere Lage der Baustelle stellt das Fahrplanbüro diesmal aber vor einige Schwierigkeiten. Die Strecken der Linien 4, 5, 6 und 11 werden getrennt. Alle Bahnen, die von der Baustelle zu den Endpunkten Roderbruch, Anderten und Messe Ost fahren, sind spätestens am Sonntag vom Rest des Netzes getrennt. Sie haben keine Werkstatt und keinen Betriebshof in der Nähe. Das erste, was bei der Planung also bedacht werden muss: Wie viele Bahnen werden gebraucht und müssen daher „auf die andere Seite“? Und welche Fahrzeugtypen können in diesem Teil Hannovers fahren?

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Erst wenn diese wichtigen Punkte geklärt sind, wird überlegt, wie die Bahnen im Detail fahren können. Die Linie 6 kann bis Sonntag ganz normal fahren, denn die Weichen, die sie benötigt, werden erst dann erneuert. Die Linien 4 und 5 aus Garbsen und Stöcken, können an der Freundallee umkehren. Aus Anderten und Roderbruch fahren die Bahnen zum Hannover Congress Center, denn dort ist genügend Platz damit beide Linien umkehren können. Für die Linie 11 bedeutet das aber das vorzeitige Aus in der Schlägerstraße. Sie kann sich nicht durch die umkehrenden Bahnen bis zum Zoo schlängeln und muss deshalb frühestmöglich umdrehen.

Im zweiten Bauabschnitt (am Sonntag und Montag) sieht die Betriebsabwicklung wieder ganz anders aus. Die Bahnen der Linien 4 und 5 aus der Innenstadt kommend enden in der Station Schlägerstraße. Damit ist hier die Kehranlage ausgelastet und die Linien 6 und 11 benötigen eine andere Möglichkeit zu wenden. Da die nächste erst in der Peiner Straße ist, fahren die beiden Linien ausnahmsweise vom Aegi nach Döhren.

Auf der anderen Seite der Baustelle (in Richtung Roderbruch und Anderten) müssen möglichst wenig Bahnen den Betrieb von drei Linien aufrechterhalten. Ein sogenannter Linienwechsel ist in diesem Fall eine optimale Lösung. Eine Linie fährt bis zu einer bestimmten Haltestelle, wechselt dort auf eine andere Strecke und fährt als andere Linie weiter. Am Sonntag und Montag gibt es so einen Linienwechsel an der Haltestelle Freundallee. Die Linie 4 fährt von Roderbruch bis Freundallee und von dort aus weiter als Linie 6 nach Messe/Ost und umgekehrt. Als besonderes Goodie kann man so mit zwei Linien fahren, ohne Umsteigen zu müssen. 😉

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Damit hier und während der gesamten Maßnahme niemand aus Versehen in die falsche Bahn einsteigt, müssen alle Zugzielanzeiger und Sonderdurchsagen aktualisiert werden. Sämtliche Routen, Endpunkte, Wagenlängen und Ausstiegsseiten werden dabei kontrolliert und ggf. geändert. Dabei hat jede Sonderdurchsage einen Zahlencode. Wird hier ein Zahlendreher gemacht, fällt das draußen sofort auf. Statt „Linie 4 Langzug Roderbruch“ heißt es dann zum Beispiel an der Haltestelle „Türen öffnen links“.

Im letzten Planungsschritt kommen die Busse des Schienenersatzverkehrs ins Visier. Die Anzahl, Fahrwege, Umstiegs- und Wendemöglichkeiten müssen dabei so optimiert sein, dass Fußwege und Wartezeiten so gering wie möglich ausfallen. An diesem Wochenende bedeutet das einen Pendelverkehr in die Innenstadt. Alle 3 bis 4 Minuten kommt man so in die City, also ohne Zeitverlust im Vergleich zum Regelbetrieb.

Eine so komplizierte Baustelle gibt es zum Glück nur alle paar Jahre einmal. Und auch wenn die Planung sehr anstrengend ist, betrachten die Kollegen des Fahrplanbüros sie als schöne Herausforderung. Wir wünschen ihnen, dass alles so läuft, beziehungsweise fährt, wie geplant. Das ist schließlich immer die größte Belohnung.

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Heimatliebe

2016 ist ein Jubiläumsjahr: zum 300. Mal jährt sich der Todestag des hannoverschen Universalgenies Leibniz, das Historische Museum bejubelt 50 Jahre Bestehen, vor 60 Jahren rollte der erste Bulli in Stöcken vom Band und dann ist da noch der 775. Stadtgeburtstag. Es darf gefeiert werden! Mit „Party für alle“ kennen wir uns ja bestens aus. Schließlich war 2000 die Welt zu Gast in Hannover. Wir feiern das weltgrößte Schützenfest und das größte europäische Weltbeat-Festival. Mit Superlativen lässt sich wirklich nicht geizen, und ein Jubiläum ist eine gute Gelegenheit, sich damit zu schmücken: Hannover hat nicht nur die bedeutendsten Barockgärten Deutschlands, den größten Stadtwald Europas, es ist auch Epizentrum der Messewelt und Heimat internationaler Größen. Es gibt so viele Gründe mehr für ein Loblied auf die Leinemetropole.

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Allerdings sind es weniger die Superlative, vielmehr die kleinen Dinge, die diese Stadt für mich persönlich so lebens- und liebenswert machen: Konzerte unbekannter Bands im familiären Feinkost Lampe-Keller, laute Rockmusik zu köstlicher Thaiküche im Bösen Wolf, ein Espresso im Plüschsessel im Café 24grad und die große Vielfalt kleiner Läden rund um den Lindener Markt, die meine Freundinnen und mich Samstags oft die Zeit vergessen lassen. Hannover ist zwar noch immer die Stadt ohne Slogan und ohne Wahrzeichen im Tatort – letzteres liegt allerdings mehr an der Einfältigkeit der Macher als an fehlenden Postkartenmotiven. Denn wir haben alles: Seen und Schlösser, Strandbars und ein modernes Stadtbild. Kein Wunder, dass nach einer aktuellen Umfrage der Stadtverwaltung 90 Prozent der Einwohner ihre Liebe zu Hannover mit mir teilen. So viel Zufriedenheit gab es nie.

Hannover, das war Liebe auf den zweiten Blick

In diesem Jahr wird Hannover 775 Jahre alt. Aber mit dem Alter ist das so eine Sache, denn mit der Expo hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Seit der Jahrtausendwende hat die Stadt einen einzigartigen Wandel erlebt, vom öden Arbeiterkaff zur hippen Hightech-Metropole. Nur allzu gut kann ich mich noch an die Jahre vor der Weltausstellung erinnern. „Paradies der Mittelmäßigkeit“, so nannte Lessing die Landeshauptstadt und die Medien erfüllten ihre Rolle als Miesmacher in dem sie den Lyriker zitierten, wo sie nur konnten. Als Autobahnabfahrt zwischen Göttingen und Walsrode setzte sich die Stadt schließlich auch in unseren jugendlichen Köpfen fest.

Es war eine Liebe auf den zweiten Blick, damals Anfang der neunziger Jahre, als mir die triste Universitätsstadt schöne Augen machte. Ich flirtete durchaus mit Berlin, hatte ein Techtelmechtel mit Leipzig und einen Seitensprung mit Hamburg. Ich entschloss mich für eine Beziehung mit Hannover. Vielleicht war es das Unkomplizierte, das die Zeitungen langweilig nannten, vielleicht war es das Bodenständige, was oft als harmlos betitelt wurde. Ich kann es heute kaum mehr sagen, denn seinem mittelmäßigen Image wurde meine Wahlheimat damals bis auf Weiteres durchaus gerecht.

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Ich pendelte ein Semester lang aus dem kleinstädtischen Schaumburg täglich im seelenlosen Hauptbahnhof ein, ein brutaler Betonbau, durch den ich mit hochgezogenen Schultern huschte, um mich schnell durch die dunkle Passarelle zum Kröpcke zu quälen, und schließlich mit der U-Bahn in Richtung Universität zu fahren. Drei Haltestellen weiter konnte ich wieder entspannt atmen. In der Peripherie war es hell und grün. Natur, wohin das Auge schaute. Und mittendrin die stolze Fassade des Welfenschlosses, in dem ich studierte. Rundherum spielte sich das Leben ab. Wir aßen Kuchen unter Bäumen oder lustwandelten durch den angrenzenden Georgengarten zur Wiese am Wilhelm Busch Museum. Dort schlossen wir einfach die Augen und ignorierten die hässliche Silhouette des Ihmezentrums. Unser Motto: Eine Stadt ist immer, was man daraus macht. Und dann kam die Expo!

Mit der Expo kam neuer Wind nach Hannover, der viel Staub aufwirbelte

Plötzlich wehte ein Wind durch die City, der viel Staub aufwirbelte. Wir spürten damals sofort, dass Großes kommen wird. Die Stadt nutzte ihre Chance, sich eine neue Identität zu geben: Aus der grauen Maus wurde ein hippes Hannover. Die üstra nutzte die Chance, sich komplett zu modernisieren. Neuerungen wie der Silberpfeil mit Monitoren für das Fahrgastfernsehen, Designerhaltestellen und ein hypermoderner Hauptbahnhof mit viel Licht im Inneren brachten diverse Punkte auf der Attraktivitätsskala. Was früher bespottelt wurde: „Aus der Stadt zwischen Autobahnen und Kanälen kommt man schnell wieder weg“,  entpuppte sich zur Expo als Standortvorteil für internationale Besucher. Der Flughafen wurde heraus geputzt und die Messe bekam einen futuristischen Skywalk. Wir Studierenden nutzten die Chance zu feiern. Was war das für ein Fest unter dem größten Holzdach der Welt! Und Menschen aus aller Welt feierten mit.

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All das ist nun 16 Jahre her. Seitdem ist hier höchstens noch das Wetter mittelmäßig. Während es vom Norden bis in den Süden sintflutartig regnet, herrscht zwischen Harz und Heide meistens nur norddeutscher Niesel. Mittelmäßig muss ja auch nicht immer doof sein.
Geblieben sind ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr, attraktive Bauten wie der Gehrytower und der Tiedthof am Steintor sowie eine weltoffene Grundhaltung.
Geblieben ist auch das Selbstbewusstsein. Wir Landeshauptstädter laden Freunde aus Berlin, Barcelona oder Zürich mit gesundem Selbstvertrauen ein. Und sie kommen, gerne sogar. Sei es, um nur mal wieder ein selbstgemachtes Bio-Eis auf der Stephanusstraße zu essen, lässig im Strandleben in der Sonne zu dösen, den „hannover way of life“ auf der Limmerstraße oder Lister Meile zu genießen oder in der Eilenriede abzutauchen. Sie sagen, es sei diese Mischung aus Remmidemmi, Multikulti und geselligem Großstadtflair, die Hannover so charmant macht.

Mediterraner Lokalkolorit an der Leine – das ist Lebensqualität

Abends sitzen wir – mit Besuch ebenso gerne wie unter uns – an einem der vielen Plätze, an denen die Stadt so unverwechselbar leuchtet: Auf der Dornröschenbrücke zum Beispiel. Dort beobachten wir gelassen, wie der Sonnenball langsam in die Ihme taucht. Oder auf dem Ballhofplatz in der Altstadt, vis-à-vis mit dem Kugelbrunnen und einem großartigen gastronomischen Angebot. Mein Lieblingsort ist der Küchengartenplatz. Er ist weniger Garten, dafür eingerahmt in die sanft beleuchtete Industriekulisse des Lindener Heizkraftwerkes. Gäste aus dem 11A, einem der angesagtesten Restaurants der Stadt, teilen sich den Platz mit der Obdachlosenszene aus Linden und uns Ur-Hannoveranern aus sämtlichen Stadtteilen. Die Stimmung ist herrlich unaufgeregt, die Kids skaten bis zur  Sommerabenddämmerung und hin und wieder überraschen junge Bands mit spontanen Auftritten unter freiem Himmel. Mediterraner Lokalkolorit an der Leine.

HMTG/Isabell Adolf

HMTG/Isabell Adolf

Genau diese Abende, in denen die drei warmen Brüder mein Herz erwärmen und ein echtes „Herry“ mich von innen kühlt, das sind die Momente, in denen Hannover mich zärtlich streichelt und ich diese innige Verbundenheit spüre. Eine Stadt ist eben immer das, was man daraus macht. Lasst uns das feiern!

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Wenn ich einmal groß bin… Zukunftstag bei der üstra

Drei Gruppen, ca. 90 Kinder, ein Betriebshof: Vergangenen Donnerstag fand der alljährliche „Zukunftstag für Mädchen und Jungen“ statt. An diesem Tag haben Schüler der Klassen 5 bis 10 die Möglichkeit Unternehmen näher kennenzulernen und einen Einblick in den möglichen Traumberuf zu bekommen. Auch die üstra öffnete ihre (Werkstatt-) Türen und ließ die Kinder und Jugendlichen einmal in unsere Ausbildungs- und Berufswelt schnuppern.

Die Kantine auf dem Betriebshof Glocksee war um 8 Uhr gut gefüllt als unsere derzeitigen Azubis ihre Schützlinge begrüßten und direkt in drei Gruppen – rot, gelb, grün – aufteilten. Einmal alle Namen vorlesen und abhaken, dann ging es auch schon los. Denn das Programm hatte es in sich: Handwerken in der Ausbildungswerkstatt, eine Fahrt mit einem Oldtimer zum Betriebshof Döhren mit Besichtigung der historischen Bahnen (und Fahrkartenautomaten), die ersten Versuche am Steuer einer Stadtbahn bzw. im Bus-Simulator und zum Abschluss noch einmal der Gang durch die Hauptwerkstatt.

klingeldrahtZuerst warteten die Azubis des ersten Lehrjahrs in der Ausbildungswerkstatt auf uns. Hier konnten die Kinder zeigen, was sie handwerklich drauf haben. Während ein Teil der Gruppe einen Metallwürfel bearbeitete und später (unter Aufsicht natürlich) Würfelaugen hineinfräste, hämmerten und nagelten die anderen an einem Klingeldrahtspiel. Die Utensilien, inkl. Batterie und Schaltplan, lagen bereit. Jetzt mussten die Jungen und Mädchen nur noch verstehen, wie man so einen Plan liest. Das war, dank der fachmännischen Hilfe durch die Auszubildenden, gar nicht so schwer und bald hatte jeder sein eigenes „Der heiße Draht“-Spiel (, was übrigens auch mich sehr begeisterte und die Physikerin in mir *wieder* weckte).

Anschließend wartete auch schon der Triebwagen 239 aus dem Jahr 1950 auf die Jugendlichen. Dass das Schätzchen nur 24 Sitzplätze hat, störte niemanden, denn es war viel spannender dem Fahrer direkt über die Schulter zu gucken. So ein Oldtimer ist eben doch etwas ganz Besonderes.

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Davon gab es dann auf Döhren noch viel mehr. In der Oldtimer-Halle führte der Vorsitzende des Fördervereins Straßenbahn Hannover e.V.  einmal durch das letzte Jahrhundert: Die Kinder bestaunten den Pferdewagen, nahmen im Holztriebwagen 129 Platz und erlebten auf den grünen Plastiksitzen des TW 522 „den Charme einer Einbauküche aus den 70ern“. Die Kinder waren übrigens sehr erstaunt, als sie lernten, dass der Fahrkartenautomat damals noch mit Blut gefüllt war. In den Bahnen verkauft nämlich noch ein Mensch die Tickets, dafür gab es noch einen richtigen Verkaufsplatz neben der Tür.

Nach der Mittagspause kam das langersehnte Highlight. Auf dem Betriebshof wartete ein üstra Fahrlehrer mit einer grünen Stadtbahn auf die Gruppe. Nach einander durfte jeder einmal auf dem Fahrersitz Platz nehmen und ein paar Meter selbst über den Betriebshof fahren. Was für ein Spaß! Im Azubibus konnten sich die Teilnehmer dann mit straßengebundenen Fahrzeugen vertraut machen. Zwar durften sie sich hier „nur“ am Fahrsimulator ausprobieren, aber auch das wurde mit Freude angenommen. Einige trainierten eher das Querfeldeinfahren, was uns Erwachsenen im Hinblick auf einen nicht mehr allzu weit entfernten Führerschein der Kinder, ein flaues Gefühl im Magen gab.

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Zum Abschluss ging es in die Hauptwerkstatt. üstra Ausbildungschef Rainer Behrens zeigte den Kindern die tonnenschweren Fahrgestelle und erklärte recht anschaulich, warum es eine lebensgefährliche Idee ist, über eine Kupplung zu steigen. Am Ende führte er sie zu einer Stadtbahn, die gerade ihre Hauptuntersuchung (HU) bekommt. Ohne Trittstufen, Türöffnungsmechanik und Sitze wurde allen das Ausmaß und die Gründlichkeit einer HU bewusst.

Die sieben Stunden vergingen wie im Flug und das umfangreiche Programm wurde nur von einer Pause bei Pizza oder Spaghetti Bolognese unterbrochen. Denn an diesem Tag standen viele Fragen und spannende Abenteuer bei der üstra im Vordergrund.

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Nieschlagstraße

Haltestellennamen – Teil 2

Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle erzählt, wie unsere Haltestellen und Stationen zu ihren Namen kommen und wie kompliziert das ganze Thema der Namensgebung ist. Da wir dazu viele Nachfragen bekommen haben und es durchaus einige spannende Haltestellennamen gibt, stelle ich heute noch weitere Haltestellen und ihre Namensherkunft vor:

Die „Nieschlagstraße“ ist nach einer in Linden alteingesessenen Familie Nieschlag benannt (in der Regel waren solche Familien örtliche Bauern mit mehr oder weniger großen Höfen). Dass man sich dort (und überall sonst) nie schlagen sollte, stimmt natürlich trotzdem. An der Haltestelle auf der Stadtbahnlinie 9 steht heutzutage ein sogenannter BUSSTOP. Designed von Professor Wolfgang Laubersheimer stehen hier vier riesige Lauschkalotten. Sie sind exakt so aufgestellt, dass das gesprochene Wort reflektiert wird und mühelos über eine Distanz von bis zu 50 Metern verstanden werden kann. Wenn gerade keine Bahn fährt kann man es einfach mal ausprobieren, es funktioniert wirklich!

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So sehen die Lauschschalen an der Haltestelle Nieschlagstraße in Linden aus.

Die „Dragonerstraße“ (Linie 1, 2 und 133) erinnert an die berittene Infanterie des kurhannoverschen Militärs (Dragoner-Regiment) welches es bis 1803 mit Pferdeställen in dieser Straße gab. Heute sind dort unter anderem ein Restaurant und eine Disco untergebracht. Man sieht den Gebäuden ihre ursprüngliche Verwendung aber noch an. Schaut doch mal vorbei!

Die Haltestelle „Am Küchengarten“ der Stadtbahnlinie 10 auf der Limmerstraße wurde nach dem gleichnamigen Platz benannt. Dieser erinnert an den 1652 von Herzog Christian Ludwig angelegten fürstlichen Küchen- und Kräutergarten.

Rund um die Haltestelle „Safariweg“ wird es afrikanisch. Denn die Straße „Safariweg“ liegt im sogenannten Afrika-Viertel in Badenstedt. Zum Glück müssen sich unsere Fahrgäste hier aber nicht vor brüllenden Löwen fürchten, denn der Begriff „Safari“ erinnert hier wohl an Streifzüge durch die ostafrikanische Steppe und ehemalige deutsche Kolonien in Afrika.

Am „Schwarzen Bär“ war schon um 1700 eine platzartige Straßenerweiterung. 1954 wurde der Platz amtlich nach einer Gaststätte, die volksmündlich „ Schwarzer Bär“ bezeichnet wurde, benannt. Heute ziert gegenüber der Haltestelle ein „schwarzer Bär“ als Kunstobjekt den Platz. Streicheln erlaubt!

Schwarzer-Bär

Auch wenn dieses Bild schon etwas älter ist (entstanden ca. 1910): Hier erkennt man den Platz “ Schwarzer Bär“ in Linden.

Vier Grenzen“ ist ein Knotenpunkt in der List. Hier fahren nicht nur die Stadtbahnlinien 3, 7 und 9 sondern auch die Buslinien 122 und 133. Der Name erinnert an das Aufeinandertreffen von vier ehemaligen Grenzen: Die der Stadt Hannover und der früher angrenzenden Gemeinden List, Groß-Buchholz, und Klein-Buchholz.

Die Haltestelle „Zuschlagstraße“ (Linie 6 und 370) hieß früher „Bischhofshol/Lange-Feld-Straße“, allerdings wird dieser Haltestellenname schon im Busbereich an anderer Stelle verwendet. Trotz des Namens ist es an dieser Haltestelle nicht gefährlicher als anderswo. Der Zuschlag ist nämlich ein zu Kirchrode gehörendes Gehölze an der Eilenriede.

Glocksee“ war früher ein Vorort von Hannover (in den 1300er Jahren noch „Klocse“), der 1870 eingemeindet wurde. Vorher war die „Glockseestraße“ in der Calenberger Neustadt ein Fahrweg außerhalb der Stadtbefestigung. Heute befindet sich hier nicht nur eine Haltestelle auf der Stadtbahnlinie 10 und der Buslinie 100/200. Denn auch unser größter Stadtbahn-Betriebshof hat hier sein Zuhause gefunden. Neben einem Stellplatz für Bahnen befindet sich hier auch unsere Hauptwerkstatt sowie die Betriebsleitstelle. Außerdem hat die üstra Ausbildungswerkstatt hier ihren Sitz.

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Die Haltestelle Glocksee liegt neben gleichnamigen üstra Betriebshof.

Die unterirdische Station „Werderstraße“ (Linie 1, 2, 8) hat, wohl zur Freude aller 96-Fans, nichts mit dem Bremer Fußballverein zu tun. Die gleichnamige Straße ist nach dem preußischen General August Graf von Werder (1808-1887) benannt. Wie alle üstra Stationen ist auch diese besonders gestaltet: Zum einen hat die ansässige Continental AG ein Gummiformen bereitgestellt, die zur Herstellung von Autoreifen benötigt werden. Diese sind nun an den Wänden der Station angebracht.

Die „Leinaustraße“ – eine gleichnamige Haltestelle findet sich auf der Linie 10 – erinnert an die ehemalige Tapetenfabrik „Leinau“ die in den 1800ern in Linden beheimatet war. Heute fällt diese Haltestelle vor allem durch den BUSSTOP „Leinaustraße“ auf. Denn auf dem Dach der Haltestelle grünt es so schön.

Sicherlich gibt es noch viele weitere spannende Geschichten zu unseren Haltestellennamen. Haben Sie auch welche? Dann freuen wir uns über Ihre Anekdoten!