Nass, kalt, gefroren: Warum Busse im Winter nichts zu lachen haben
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Nass, kalt, gefroren: Warum Busse im Winter nichts zu lachen haben

Jetzt haben sie es hoffentlich bald geschafft: Die Temperaturen steigen langsam wieder und unsere Busse haben einen weiteren Winter hinter sich gebracht. Denn die kalte Jahreszeit stellt auch sie vor ganz besondere Herausforderungen.
Für unsere Busse beginnt der Winter bereits im September. Dann werden sie nämlich alle nacheinander zum Wintercheck in die Werkstatt bzw. zum Hersteller geschickt. Da die Reifen für schwere Nutzfahrzeuge zu jeder Jahreszeit den Spezifikationen von Winterreifen entsprechen, ist ein obligatorischer Reifenwechsel nicht notwendig. Bevor jedoch Kälte, Nässe und Eis über uns hereinbrechen, werden die Fahrzeuge noch einmal grundlegend überprüft, sodass im Winter keine bösen Überraschungen folgen.

Temperaturen um den Gefrierpunkt

Wenn dann das nasskalte Wetter des Novembers kommt, wird es für unsere Busse knifflig. Nasses Laub macht die Straßen rutschig. Wenn dann das erste Mal Eisglätte und Schnee dazu kommen, steigt die Unfallgefahr noch einmal deutlich an. Damit die Passanten dann nicht stürzen, wird Rollsplit gestreut – und damit wird es problematisch.
Der Rollsplit landet nämlich nicht nur auf der Straße, sondern wird beim Einsteigen oder über die Reifen ans und ins Fahrzeug geschleudert. Damit landen die kleinen Körnchen in der Rampenkassette und die elektrische Rampe, die Rollstuhlfahrer zum Einsteigen brauchen, funktioniert nicht mehr. Es gibt zwar in einigen unserer Busse eine manuelle Ausweichrampe, aber diese ist eben nicht in jedem vorhanden. Daher ist es aufgrund des engen Taktes oft einfacher, auf den in 10 Minuten folgenden Bus zu verweisen. Da das manuelle Ausklappen deutlich länger dauert, würde sich eine enorme Verspätung aufbauen und im Endeffekt zwei Busse der gleichen Linie fast direkt aufeinander folgen. Diese Option besteht natürlich nur im Innenstadtbereich, in denen die Busse tatsächlich einen 10-Minuten-Takt fahren. Kommt der nächste Bus erst in einer halben Stunde, sind die Fahrkollegen natürlich angehalten, einen barrierefreien Zugang zu gewährleisten. Sollte dies einmal nicht der Fall sein, freuen wir uns über einen Hinweis an unseren Kundenservice (Telefon, Twitter, Facebook). Nur so können wir an diesen Stellen besser werden.

(Foto: üstra/ intern)

Ist die elektrische Rampe kaputt, hilft leider nur ein Besuch in der Werkstatt: Denn dieser Defekt kann nicht „auf die Schnelle“ behoben werden. Um die Rampe wieder zum Laufen zu bringen, muss die gesamte Kassette in der Werkstatt ausgebaut, gereinigt und wieder eingebaut werden. Die Werkstattkollegen sind schnell, aber mehr als zwei Rampen am Tag können auf diese Weise nicht wieder „flott“ gemacht werden. Zumal für den Ausbau ein hohes Maß an Wissen und Erfahrung benötigt wird.

Tiefgefrorene Bus-Rampe

Eis und Schnee haben auf die Rampen aber auch noch eine andere Auswirkung. Während der Fahrt sammeln sich an der Außenkante und Rampenklappe auch Spritzwasser und Schnee. Dies führt dazu, dass sich hier ein regelrechter Eispanzer bildet. Ist dies geschehen, bewegt sich an der elektrischen Rampe leider auch nichts mehr.

(Foto: üstra/ intern)

Aber auch die Reinigung unserer Busse wird in den Wintermonaten nicht leichter. Wenn das Thermometer Null- oder Minusgrade anzeigt, würde das Wasser auf der Karosserie direkt gefrieren. Während man den PKW im Winter noch tagsüber – bei höheren Temperaturen – in die Waschanlage fahren kann, müssen die Busse spät abends oder nachts gewaschen werden. Tagsüber werden sie schließlich auf den Linien gebraucht. Auch die Innenreinigung ist dann ein Problem, weil das nasse Durchwischen direkt einen spiegelglatten Fußboden hinterlassen würde. Deshalb beschränken wir uns auf eine Trockenreinigung und stellen den Sicherheitsaspekt in den Vordergrund: Wenn der Bus mit gefrorenem Boden auslaufen würde, könnten Fahrgäste ausrutschen und fallen.

Wir alle sind also froh, wenn die Temperaturen langsam wieder in den zweistelligen Bereich klettern und die Herausforderungen des Winters ausgestanden sind. Denn Eis und Schnee bringen ja nicht nur die Technik an ihre Grenzen, auch das Unfallrisiko steigt in der dunklen Jahreszeit. Aber wie gut unsere Fahrer auf das sichere Fahren geschult werden, ist ein anderes Thema, von dem wir bald hier berichten.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke!
    Es wurden genau die Probleme erklärt, mit denen wir uns den Winter rumschlagen und erklärt warum leider die elektrischen Rampen nicht die verlässlichsten sind! Klasse Beitrag!

    Liebe Grüße aus der Buswerkstatt Vahrenwald

  2. Warum werden die Bushaltestellen nicht mit höheren Borden ausgestattet? Dann bräuchte es keine Rampe, um barrierefrei in den Bus zu gehen oder mit dem Rollstuhl hineinzufahren.
    Vielleicht liegt es ja daran, dass bislang noch keine Omnibus-Modelle zur Verfügung stehen, die sich tiefer absenken lassen?
    Klar würden die dann auch wieder mehr kosten, aber langfristig betrachtet würden viele Reparaturen an automatischen Rampen eingespart werden können.
    Immerhin wird nach meiner Beobachtung beim Bau neuer Haltestellen eine 16-18cm hohe Haltestellenkante angelegt. Leider sind noch nicht alle Haltestellen zu so genannten Kaps ausgebaut, an die der Fahrer leichter sehr dicht an die Haltestellenkante heranfahren kann als bei Haltestellenbuchten.
    Hoffentlich ist es irgendwann so weit, dass alle Haltestellenkanten diese Höhe haben und zu Kaps umgebaut sind und dass es dann Busse gibt, die sich entsprechend tief absenken lassen.
    Dann würde vermutlich eine weniger störanfällige manuelle Klapprampe ausreichen, um in den wenigen Fällen, bei denen es dann noch notwendig werden könnte (z. B. Umleitung mit Halt an einer Ersatzhaltestelle) diese Rampe zu benutzen.

    • Christine Wendel

      Hallo Henry, die Bushaltestellen sollen laut Nahverkehrsplan mit neuen Borden ausgestattet werden. Leider wird das aufgrund der hohen Anzahl der Haltestellen noch etwas dauern. Ab einer gewissen Höhe ist dann aber auch Schluss, da unsere Busse schon sehr tief sind. LG, Christine Wendel

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