Von Rolltreppen, die nicht rollen
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Von Rolltreppen, die nicht rollen

Gestern stand ich am Hauptbahnhof und wartete auf meine 3, als ich die Plakate das erste Mal richtig wahrnahm: Body-Optimierung, schnell und effizient abnehmen – es ist das Jahresauftaktthema. Alle Jahre wieder. Wir quälen uns auf Heimtrainern, rennen durch die Eilenriede, zählen jede einzelne Kalorie. Aber die „erzwungene“ Bewegung, wenn die Rolltreppe einmal ausgefallen ist, gefällt uns meist nicht. Dann ärgern und fragen wir uns, warum das Ding – das im Fachjargon eigentlich Fahrtreppe heißt – nun schon wieder kaputt ist. Aber „stehen“ können Fahrtreppen aus verschiedensten Gründen:

1 – Sicherheit

Um sicher zu gehen, dass dem Benutzer der Fahrtreppe nichts passiert, besitzen diese eine Sicherheitsvorkehrung: Sobald ein Fremdkörper – wie ein Mantel oder auch nur Laub – zwischen die Stufen gerät, bleibt die Treppe stehen. Das ist wichtig, da die Fahrtreppe nur den Fremdkörper erkennt, aber nicht zwischen Mantel (Mensch in Gefahr!) oder Laub (nicht so tragisch) unterscheiden kann. Kommt es zu einem solchen Vorfall rücken die Kollegen der Betriebstechnik aus, um die Treppe wieder in Gang zu setzen. Haben sie die Treppenstufen dann wieder ausgerichtet oder Heruntergefallenes wieder entfernt, kann der Betrieb weitergehen. Alarmiert werden sie durch ihren Kollegen in der Schaltwarte. Dieser hat einen Überblick über alle 114 Fahrtreppen an den 17 Haltestellen im Netz und bekommt automatisch einen Hinweis. Einige der Bauteile können aber nicht technisch überwacht werden und daher sind wir über die Meldungen von Fahrgästen sehr froh.

Instandhaltungen sind notwendig, damit die Fahrtreppen eine möglichst lange Lebensdauer haben. (Foto: Martin Bargiel)

2 – Inspektion

Natürlich gibt es noch andere Gründe, warum eine Fahrtreppe abgesperrt ist. Zum Beispiel die regelmäßige Wartung! Allein eine der Fahrtreppen am Kröpcke muss am Tag an die 600.000 Kilo transportieren. Diese Belastungen macht sie 25 Jahre lang mit – dann sollte sie rundum erneuert werden.

Bis es aber soweit ist, werden die Fahrtreppen regelmäßig überprüft – die Außentreppen jeden Monat, die innenliegenden alle zwei Monate. Eine solche Wartung kann bis zu vier Stunden dauern, denn es werden sämtliche Sicherheitsschalter und Sicherheitsabstände überprüft und ggf. neu eingestellt. Außerdem werden die Arbeitsgruben am Treppenein- bzw. -austritt unterhalb der Stufen gereinigt, weil sich dort der meiste Dreck vom Stufenband sammelt. Einmal im Jahr kommt dann die ganz große Überprüfung dran. Der TÜV Nord checkt die Betriebssicherheit und bescheinigt diese. Wenn eine Rolltreppe also mal nicht rollt, ist sie nicht automatisch kaputt. Vielleicht sorgen die Kollegen durch ihre gute Pflege nur dafür, dass sie weiterhin einsatzbereit ist.

(Foto: Martin Bargiel)

Bei den regelmäßigen Überprüfungen wird aber auch deutlich, dass manche Treppe – etwa die am Kröpcke – schneller „in die Jahre kommen“. Dann stehen größere Reparaturen, wie Kettenerneuerungen, Stufenrollenerneuerungen, Handlauferneuerungen, Grundreinigungen und Stufenerneuerungen auch schon früher auf dem Plan. Wird ein solcher Handlungsbedarf festgestellt, bestellen die Kollegen das Material und planen dann die Instandsetzung.

3 – Spontanausfall

Dennoch gehen unsere Fahrtreppen auch mal ohne Vorwarnung kaputt. Ein Grund ist quasi hausgemacht: Der Kohleabrieb vom Stromabnehmer der Stadtbahnen dringt über die Luft in die Elektronik der Fahrtreppe ein – und wenn sich zu viel ansammelt, geht nichts mehr. Aber ohne Stromabnehmer kann die Bahn nicht fahren. Egal welches technische Problem vorliegt, die Kollegen geben ihr Möglichstes, die Treppe so schnell wie möglich wieder fahren zu lassen. Leider liegen die Ersatzteile für Fahrtreppen, wie die für Aufzüge, nicht zuhauf auf Lager und werden teilweise nur noch auftragsbezogen gefertigt. Dadurch ergeben sich bei Sonderteilen oft auch sehr lange Lieferzeiten. Das alles führt dazu, dass eine Fahrtreppe eine längere (und ungewollte) Pause einlegt.

4 – Vandalismus

Und dann gibt es noch einen sehr unschönen Grund, warum eine Fahrtreppe ausfällt: Vandalismus. Durch Graffiti, Aufkleber, Handlaufbeschädigungen, eingetretene Ballustraden und Leuchtenabdeckungen kommt es zu zusätzlichen notwendigen Stillstandszeiten, die eigentlich nicht sein müssten. Hierzu zählt auch die sehr oft missbräuchliche Nutzung des Notausschalters, die auch zu Unfällen auf den Fahrtreppen führen kann. Daher ist die Nutzung der Rolltreppen mit Kinderwagen auch nicht gestattet.

Die Fahrtreppen am Kröpcke, Hauptbahnhof und Aegi haben am meisten zu tun. (Foto: Martin Bargiel)

Im vergangenen Jahr hatten unsere Fahrtreppen eine Verfügbarkeit von knapp 97 Prozent. Das finde ich äußerst bemerkenswert, wenn man mal dagegen hält, wie lang ein „normaler“ Arbeitstag für eine Fahrtreppe ist. Am Hauptbahnhof oder am Aegi sind die Treppen teilweise über 20 Stunden im Dienst.

Was tut die üstra noch?

Um alle 114 Treppen am Laufen zu halten, haben wir ein umfangreiches Erneuerungsprogramm aufgesetzt. Wenn jährlich acht Fahrtreppen erneuert werden, dauert es aber dennoch ca. 15 Jahre bis das Programm beendet ist. Mehr baubegleitende Erneuerungen können bei laufendem Betrieb kaum bewältigt werden und von der Kostenseite rechnet man mit ca. 250.000 € für eine neue Fahrtreppe.

Uns ist bewusst, dass die Ausfallzeiten für alle Beteiligten blöd sind. Da unsere Stadtbahnen aber fast rund um die Uhr fahren, sind auch immer Fahrgäste von der Sperrung betroffen. Daher kommunizieren wir die geplanten Ausfälle mit dem Hinweis auf Alternativen auf unserer Internetseite, um vor allem den Menschen zu helfen, die auf die barrierefreien Zugänge angewiesen sind. Für alle anderen ist es vielleicht die Möglichkeit zur Body-Optimierung? Wenn man den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, ist Treppensteigen ja nicht das Schlechteste.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Es wäre gerade für Behinderte sehr wichtig rechtzeitig zu erfahren, welche Rolltreppe nicht fährt! Es müsste doch möglich sein, dass der Fahrer eine Ansage macht oder die Info über den Monitor läuft. Entweder haben wir ‚viel Glück‘ denn bei fast jeder zweiten Inanspruchnahme einer Rolltreppe, ist diese gerade kaputt. Sehr häufig an der M halle, Steintor Richtung Lange Laube oder Ausgang Georgstr/Windmühlenstraße! Quote liegt bei 50%.

    MfG
    Ch Fey

    • Christine Wendel

      Hallo Frau Fey, wie ich in meinem Text schrieb, kommunizieren wir geplante Ausfälle (Wartungen, etc.) auf unserer Internetseite (https://www.uestra.de/auskunft-und-fahrplaene/verkehrsmeldungen/). Spontane Ausfälle (bzw. durch technische Defekte) können leider nicht über das Fahrpersonal mitgeteilt werden, auch die technische Anzeige im Fahrgastfernsehen ist derzeit nicht möglich. Wir arbeiten aber gerade an einer Lösung, um Ausfälle auf uestra.de annähernd in Echtzeit einbinden zu können. Die Fahrtreppe an der Markthalle haben die Kollegen auf dem Schirm – diese steht in diesem Jahr auf unserer Liste. Freundliche Grüße, Christine Wendel

  2. Vielleicht solte an dieser Stelle mal darauf hingewiesen, dass die Fahrtreppen (umganssprachlich Rolltreppen) nicht zu dem Zweck in die U-Bahn-Stationen eingebaut wurden, dass es bequemer ist für den Fahrgast, die unterirdische Haltestelle zu erreichen oder zu verlassen. Vielmehr ging es darum, eine möglichst geringe Räumzeit zu ermöglichen. Aus diesem Grund sind weniger stark frequentierte unterirdische Haltestellen ja auch heute noch nicht mit Rolltreppen ausgerüstet.
    Der Aufzug wiederrum dient der Barrierefreiheit, ein schnelles Räumen der Haltestelle von vielen Menschen ist mit dem Aufzug nicht möglich. Er sollte deshalb auch möglichst nur dann benutzt werden wenn es wirklich notwendig ist.
    Ginge es bei Fahrtreppe oder Aufzug um den Komfort für den Fahrgast, dann hätte ich es besser gefunden, wenn erst gar keine unterirdischen Haltestellen gebaut worden wären. Schließlich wäre im Straßenraum genug Platz für ausreichend Busse und Bahnen, wenn man den privaten Autoverkehr aus der Stadt heraushalten würde. Der Arbeitstätten- und Einkaufsstätten-Zubringerverkehr muss in der Stadt nicht mit dem Auto erfolgen. Es war eine städteplanerische Fehlplanung der 50er und 60er Jahre, den Autoverkehr für den Arbeitsstätten- und Einkaufsstättenzubringerverkehr zuzulassen. Leider leiden die Benutzer des ÖPNV bis heute darunter, nicht zuletzt dann besonders, wenn mal wieder ein Aufzug ausgefallen ist auf den jemand angewiesen ist.

  3. Ich hätte nie gedacht, dass ihr in einem Jahr gerade mal 8 Rolltreppen wartet. Ist das nicht eine eher schlechte Quote? Meine Oma ist an den Rollstuhl gebunden und oft sehr traurig, dass ganze Ausflüge gestrichen werden müssen, weil ein Fahrstuhl oder eine Rolltreppe nicht funktioniert. Bitte nehmt euch dieses Problem noch gewissenhafter vor! LG Magnus

    • Christine Wendel

      Dass wir „nur 8 Rolltreppen im Jahr warten“ ist ja auch nicht richtig. Ich habe geschrieben, dass wir 8 pro Jahr erneuern – also komplett austauschen. Und da geht wirklich nicht mehr als diese Acht, wenn man die Wirtschaftlichkeit und die Arbeitszeit nicht komplett außer Acht lässt.

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