Alles Gute zum Zwanzigsten: Silberpfeile feiern Geburtstag
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Alles Gute zum Zwanzigsten: Silberpfeile feiern Geburtstag

Es gibt Jubiläen, da merkt man erst, wie schnell die Zeit vergehen kann. Vor 20 Jahren kam das erste Harry Potter Buch auf den Markt, genauso wie der Film „Knockin‘ on Heaven’s Door“ und das Klon-Schaf Dolly wurde der Öffentlichkeit vorgestellt. Auch für uns Hannoveraner gibt es so ein Ereignis: Am 14. April 1997 wurde der erste TW 2000 enthüllt. Wir wollen hier einmal zurückblicken.

Es war der Beginn einer neuen Stadtbahn-Ära: Unter bewölktem Himmel wurde die große graue Plane abgezogen und der TW 2000 zeigte sich zum ersten Mal für alle sichtbar. Der damalige Ministerpräsident Gerhard Schröder hielt eine Rede und die gebannte Menge bestaunte das futuristische Fahrzeug. Nachdem die ersten grünen TW 6000 nun schon 22 Jahre durch die Stadt fuhren, war die geschwungene Silberne ein echter Hingucker. Planmäßig hätten die Grünen zwar erst 2005 Unterstützung bekommen, doch für die Expo 2000 wurde die Neuanschaffung vorgezogen. Die vielen Millionen Besucher sollten ja auch alle zur Messe kommen. Bis zum Jahr 2000 wurden alle 144 Silberpfeile geliefert und die üstra hatte einen Bestand von sage und schreibe 404 Stadtbahnwagen.

Die feierliche Enthüllung des TW 2000 fand am 14. April 1997 bei der HANNOVER MESSE statt.

Die ersten Reaktionen

Es gab zahlreiche Preise für das außergewöhnliche Design von Herbert Lindinger und Jasper Morrison und manche Tageszeitungen bezeichneten die Silberpfeile (ungewollt) als Formel 1 Flitzer (Bilder vertauscht)  Für die Begeisterung gab es viele Gründe. Neben den technischen Fortschritten (wie z.B. einer verbesserten Rückspeisung der Bremsenergie) war die augenscheinlichste Neuerung natürlich die Farbe. An 3D-Computermodellen wurden umfangreiche Farbstudien gemacht. Da der TW 2000 höher und breiter ist als der TW 6000, stellte sich heraus, dass eine üstra grüne Komplett-Lackierung zu viel des Guten gewesen wäre. Stattdessen beschränkte man sich auf zwei grüne Streifen oben und unten.

Die Verbreiterung der Stadtbahn ist auch Grund für ein weiteres äußerliches Merkmal: Der Hüftschwung oder auch die Bäckchen der Silberpfeile. Der Innenraum wurde 25 Zentimeter breiter gestaltet als im TW 6000 (Breite: 2,40 Meter), wodurch mehr Platz für alle Mitfahrer entstand. Die Breite des Wagenkastens konnte allerdings nicht vergrößert werden, denn an den Tunnel- und Hochbahnsteigen passen nur Bahnen mit einer unteren Breite von 2,40 Metern. So kommt es also, dass der untere schmale Teil mit einem Schwung zum breiten oberen Bereich verbunden wird.

Mittels 3D-Computermodellen entschied man sich für das typische Silber. Der „Hüftschwung“, der den Innenraum vergrößert, gibt den Bahnen eine dynamische Optik.

Wie bei jeder Neueinführung gab es aber auch kritische Stimmen. Ihr Augenmerk lag auf den Längssitzen. Während der TW 6000 nur Quersitze hat, waren die neuen Längssitze doch sehr ungewohnt für die Hannoveraner, schließlich fühlt sich das Anfahren und Bremsen doch erheblich anders an. Inzwischen haben sich doch wohl die meisten an die „neue“ Sitzsituation gewohnt und auch ihre Vorteile erkannt: In Türnähe gibt es weniger Gedränge und das Ein- und Aussteigen fällt leichter. Außerdem sind so Mehrzweckabteile möglich, die die Barrierefreiheit verbessern, denn es gibt Platz für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen und Fahrräder.

Was bringt die Zukunft?

Obwohl der TW 2000 nun seit zwei Jahrzehnten in Hannover fährt, sind ihm manche Linien noch unbekannt. Auch hier kommt wieder die Verbreiterung der Silberpfeile ins Spiel. Die Bahnen brauchen einen Sicherheitsabstand, wenn sie aneinander vorbei fahren. So manche Gleise im Netz sind aber noch nicht auf diesen Abstand angepasst. Bis das komplette Netz soweit ist, können mal locker 30 Jahre vorbei gehen. In Hannover gibt es 245,45 Kilometer Gleise mit Linienbetrieb. Damit die Stadt nicht in zusätzlichen Baustellen stecken bleibt, werden die Gleisabstände erst angefasst, wenn sowieso Erneuerungsmaßnahmen notwendig sind. Die Linien 5 und 10 werden im Laufe dieses Jahres befahrbar sein, sobald die Bauarbeiten in Kirchrode beziehungsweise in der Innenstadt abgeschlossen sind. Die Linie 9 hingegen braucht noch etwas länger. Nach derzeitiger Planung sollen die Gleise in circa fünf Jahren für den TW 2000 tauglich sein.

Nicht nur an der Streckennutzung wird sich etwas ändern, sondern auch im Wageninneren. Es gibt neue Sitzflächen! Nach 20 Jahren sind die Sitze einfach nicht mehr so schön wie damals. Jetzt werden die Sitzflächen etwas dunkler und stehen in einem schönen und barrierefreieren Kontrast zum hellen Wageninneren. Mittlerweile haben schon zehn Bahnen den neuen Look, die nächsten Sitze werden bei den anstehenden Hauptuntersuchungen der Bahnen ausgetauscht. So können die TW 2000 auch noch die nächsten Jahre stilvoll durch die Stadt fahren. Wir freuen uns drauf und drehen heute eine Extra-Runde in den Silbernen.

Nach 20 Jahren werden die alten hellen Sitzflächen gegen neue kontrastreichere ausgetauscht.

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr sehr schade, dass die „silbernen“ nach 20jährigem Einsatz in Hannover immer noch nicht das gesamte Streckennetz erkunden konnten. So wie es derzeit aussieht werden die „silbernen“ wohl noch sehr lange darauf warten müssen, bis sie endlich einmal nach Empelde und zum Fasanenkrug fahren dürfen. Ob sie es überhaupt jemals schaffen werden ??? Wo liegt eigentlich das Problem? In Bothfeld wurden die Gleise doch schon vor einigen Jahren erneuert. Hat die Infrastruktur vielleicht den Anschluss verpasst?

    • Das Problem liegt darin, dass die silbernen Fahrzeuge nicht mal 50% des Fuhrparks ausmachen – wieso sollte es nötig sein, 100% des Netzes zu befahren?

      • Julia Müller

        Hallo Fred,
        der TW 2000 und TW 2500 machen tatsächlich „nur“ 46 % unseres Stadtbahn-Fuhrparks aus, doch auch der neue TW 3000 ist auf den breiteren Gleisabstand angewiesen. Werden die grünen TW 6000 in einigen Jahren von Hannovers Schienen verschwunden sein, muss das gesamte Netz umgestellt sein, damit wir weiterhin fahren können.

        Viele Grüße
        Julia Müller

    • Hallo Olaf,
      nach Fertigstellung der neuen Innenstadt-Hochbahnsteige werden wohl auf der Linie 10 nur noch die Silberpfeile zum Einsatz kommen.
      Denn der neue Hochbahnsteig Steintor in der Münzstraße, der diesen Sommer gebaut wird, hat ein Länge von 45 Metern.
      Siehe hier: http://www.infra-hannover.de/wp-content/uploads/2016/02/Steintor-LP2_gezpdf.tif
      Ein 45 m langer Bahnsteig ist jedoch zu kurz für die auf der Linie 10 üblichen Zweiwagenzüge, die sich derzeit aus zwei rund 27 m langen TW 6000 Wagen zusammensetzen. Die „Silberpfeile“ sind etwas kürzer und haben die Türen mehr zur Mitte hin.
      Ich begrüße sehr den geplanten Einsatz der „neuen“ Silberpfeile auf der Linie 10, denn die haben vier Stufen von jeweils ca. 20 cm Höhe. Da kann man deutlich besser einsteigen als in die alten grünen TW 6000 mit nur drei Stufen von jeweils ca. 30 cm Höhe! Und leider wird es bis zum Bau der Hochbahnsteige zum Beispiel auf der Limmerstraße noch einige Jahre dauern. Die neuen TW 3000 können auf der Linie 10 voraussichtlich auf Jahre hinaus noch nicht eingesetzt werden wegen der fehlenden Hochbahnsteige, zum Beispiel in der Limmerstraße.
      Ob ab Herbst dann auch auf der Linie 17 ein Silberpfeil fährt? Da verkehren ja nur Solowagen. Für den TW6000 als Solowagen sind die neuen Innenstadt-Hochbahnsteige allemal lang genug.
      Und irgendwo müssen die grünen TW6000 ja auch noch eingesetzt werden. Es gibt sie ja noch. Möglicherweise ist das auch mit ein Grund, dass der Linie 9 Ausbau nicht mit so großer Intensität vorangetrieben wird.
      Viele Grüße, Henry

  2. Hallo Olaf,

    nun, vllt. bzw. mit Sicherheit ist die Anpassung der Infrastruktur mit hohen Kosten und einem ziemlichen Bauaufwand verbunden und kann nicht mal so nebenbei geschehen. So erkläre ich mir das. Aber irgendwann wird ja, wie in dem Bericht erwähnt, das ganze Stadtbahn-Netz für die Silberpfeile befahrbar sein.

    Gruß von Michael

  3. Wer kann sich noch an die rechteckigen Plastikgriffe erinnern, die an biegsamen runden Metallbändern von der Decke baumelten, und als Haltegriffe dienen sollten?
    Sehr bald wurden die durch die heutigen Lederschlaufen mit Steg ausgetauscht, die ein bisschen wie Steigbügel aussehen und die deutlich griffiger und stabiler sind. Wenn ich mich richtig erinnere, rissen die ursprünglichen Originalhaltegriffe der TW 2000/2500 Wagen hin und wieder sogar mal ab.

    Inzwischen hat man sich an die ledernen gewöhnt, aber optisch ist das schon eine gewaltige Neuerung im Design gewesen.

    Ob ich mich an die dunklen Sitzschalen, die neuerdings im TW 2000/2500 eingebaut werden, auch eines Tages gewöhnen werde? Ich finde den Hell-Dunkel-Kontrast zu stark im Vergleich zu den hellen Sitzschalen.

  4. Vielleicht überleben die TW 6000 ja noch die TW 2000? Schön wärs, ich kann den silbernen, ungefederten Schepperkisten mal so gar nichts abgewinnen. Da hatten die 100er und 200er-Triebwagen schon den gleichen „Komfort“, über die 300er, 400er und 500er ging der Fahrgastkomfort bis zu den 6000er bergauf, seit den 2000er geht es da leider wieder steil bergab. 🙁

    • Hallo Andreas,
      bei der Tramparade am Christi Himmelfahrt Tag wurde ein Crédee-Straßenbahnwagen vorgeführt. Der erste aus der Serie, so erzählte der Moderator der Tramparade, wurde 1938 gebaut und hatte gepolsterte Drehsitze!
      Drehsitze deshalb, weil das den Fahrgästen ermöglichte stets in Fahrtrichtung zu sitzen. (Vor dem zweiten Weltkrieg fuhr nämlich die Straßenbahn in Hannover im Zwei-Richtungs-Betrieb.)
      Da frage ich mich schon, ob in den dreißiger Jahren so etwas wie ein Höhepunkt bei der Ausstattung der Straßenbahnen erreicht wurde, der später zunächst kriegsbedingt nicht mehr erreicht wurde? Und nachdem die schlimmsten Kriegsschäden beseitigt waren, stand dann nur noch das Auto im Mittelpunkt des Interesses. Damit erhielt der ÖPNV, so meine Einschätzung, den Stempel des „Arme-Leute-Transportmittels“, der bis heute am ÖPNV festklebt.
      Immerhin haben die Silberpfeile ein schickes auch heute noch zeitgemäßes Äußeres, einen bequemeren und breiteren Einstieg als die Vorgänger (vier flache statt drei sehr hohe Stufen) und viel Platz für Rollifahrer, Kinderwägen und Fahrräder!

  5. vielleicht sollte man neue Fahrtrichtungsanzeiger in orange anbringen, wie beim TW 6000 und bei den neuen Bussen und Bahnen, damit auch Sehbehinderte besser erkennen wo die Fahrt hingeht. Ich bin selbst betroffen. Da wäre das Geld besser angelegt, als für ein Farbwechsel der Sitze.

    • Christine Wendel

      Die Anzeigen des TW 2000 wurden in Zusammenarbeit mit den Behindertenverbänden getestet und wir achten auch jetzt immer darauf, dass die Anzeigen barrierearm sind. Ich kann das aber gern nochmal zur Prüfung weitergeben.

      • Die neuen Solaris Batterie-Elektrobusse, die auf der Linie 100/200 eingesetzt werden, haben nach meiner Beobachtung die am Besten lesbaren Fahrtrichtungsanzeiger und übertreffen an Lese-Qualität alles, was es bisher gab. Die Schrift ist weiß. Aber das allein ist es nicht. Ich habe den Eindruck es sind flächigere Leuchtelemente darin verbaut, während bei den Fahrtrichtungsanzeigern mit oranger Schrift eher punktförmig leuchtende Leuchtkörper verbaut sind.

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