Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen: Notruf- und Informationssäule & Co.
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Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen: Notruf- und Informationssäule & Co.

Es ist Freitagnachmittag und ich bin mit der Stadtbahn Richtung Empelde unterwegs. Auf einmal sehe ich einen Mann mit geschlossenen Augen, FFP2-Maske und halb liegend auf einer Haltestellensitzbank. Ich überlege hin und her, ob das ein Notfall ist. An einer der nächsten Haltestellen steige ich aus und setze an der Notruf- und Informationssäule einen Notruf ab. Auf meinem späteren Rückweg erkenne ich schon von weitem einen Krankenwagen. Was bezwecken die über 400 Notruf- und Informationssäulen im Streckennetz und wie verhält man sich in besonderen Situationen in der Stadtbahn?

Erstmal Ruhe bewahren!

Wenn eine besondere Situation in einer Stadtbahn auftritt, gilt es ruhig zu bleiben. Zusätzlich sollten Fahrgäste immer auf Anweisungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter achten. Wenn eine Stadtbahn auf freier Strecke anhält, sollte man nie alleine aussteigen. Mit einer Ausnahme: Sofern das Fahrpersonal die Fahrgäste dazu auffordert auszusteigen, tut man das vorsichtig. Übrigens: Sollte das Licht im Wagen ausgehen, weist das nicht auf eine Gefahr hin. Auch gut zu wissen: Wenn jemand während der Fahrt im Tunnel die Notbremse zieht, hält die Stadtbahn in der nächsten Station. Mehr zur Notbremse gibt es in diesem Blogartikel zu lesen. Außerdem ist an den Türen vieler Stadtbahnen eine Sprechstelle installiert, über die man die Fahrerin oder den Fahrer kontaktieren kann.

(Foto: Florian Arp)

Drei Typen von Notruf- und Informationssäulen

In Stationen, Aufzügen und an Haltestellen gibt es sie insgesamt 472-mal: Die Notruf- und Informationssäule, kurz NIS. Davon gibt es wiederum drei unterschiedliche Typen: In Aufzügen kann mithilfe eines Hebels oder auch Knopfes ein Notruf ausgelöst werden. An Haltestellen steht ein Säulentyp, der sowohl einen Notrufknopf als auch einen Infoknopf besitzt. Wenn jemand den Infoknopf drückt, beantwortet der Fahrgastinformationsmanager (FIM) der ÜSTRA beispielsweise Fragen zu Fahrplänen, Verspätungen, Tarifen oder Mitnahmeregelungen. Generell gilt: Wenn das Telefon in der Betriebsleitstelle klingelt, kann der FIM sehen, von welcher Haltestelle oder Station der Anruf kam.

In Aufzügen und an Haltestellen werden Notruf- und Informationssäulen dauerhaft durch ein System überwacht und bei Störungsmeldung schnellstmöglich repariert. Der Säulentyp in den Stationen kann neben einem Notruf- und Infoknopf noch mehr vorweisen: So gibt es einen Nothalt. Weiterhin ist im unteren Bereich ein Feuerlöscher untergebracht. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können zudem auf ein Telefon und einen Verbandskasten zugreifen. Zu guter Letzt gibt es ein Mikrofon für Durchsagen auf den Bahnsteigen. Die einzelnen Funktionen werden regelmäßig auf Herz und Nieren geprüft.

Bestandteil der Notruf- und Informationssäule auf dem Bahnsteig: der Nothalt (Foto: Martin Bargiel)

Zusatzfunktion Nothalt

Wie bereits erwähnt, gibt es in Stationen Notruf- und Informationssäulen mit einem Nothalt. Wenn jemand auf dem Bahnsteig den Nothalt zieht, wird das Fahrpersonal darüber informiert und das Fahrzeug kommt vor der Station zum Stehen (auf beiden Bahnsteigseiten stehen die Nothaltsignale „in Halt“). Sofern der Abschnitt nicht durch eine andere Bahn gesperrt ist, fährt die Fahrerin oder der Fahrer nach Freigabe der Leitstelle auf Sicht in die Station ein. Anschließend ergreift die Fahrerin oder der Fahrer alle notwendigen Maßnahmen und schließt den Nothalt hoch, damit er wieder einsatzbereit ist und die Bahn die Fahrt fortsetzen kann.

Missbrauch ist strafbar

Der Missbrauch einer Notruf- und Informationssäule ist strafbar (§ 145 Mißbrauch von Notrufen und Beeinträchtigung von Unfallverhütungs- und Nothilfemitteln). Bestraft wird es, wenn jemand absichtlich oder bewusst Ressourcen der Hilfeleistung verschwendet. Denn dadurch können Hilfeleistungen, die an anderer Stelle gebraucht werden, behindert oder verzögert werden. Im Umkehrschluss heißt das für die Praxis: Wenn man sich bedroht fühlt oder Gefahr für andere sieht (z.B. wenn jemand ins Gleisbett gefallen ist), ist es ein Notfall.

Wenn ich zukünftig im Streckennetz wieder einen Notfall beobachten sollte, werde ich ein weiteres Mal die Notruf- und Informationssäule benutzen. Denn Maßnahmen wie diese sorgen für die Sicherheit aller Fahrgäste.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank an Caroline Mehle für diesen informativen und spannenden Artikel!
    Es macht Mut und nimmt viel Besorgnis!
    Vielen Dank an die ÜSTRA! Da fühlt man sich nicht mehr so allein, auch nicht als Ersthelfer, denn ein Rettungswagen wird bald kommen. Vielen Dank!

  2. Danke für die großartige Erklärung. Ich wusste gar nicht, dass die Bahnen beim Auslösen des Nothaltes in der Station, davor zum Stehen kommen. Ich finde euer Fahrtenbuch echt klasse. Bin erst seit kurzem dabei und freue mich auf neue Posts.
    Liebe Grüße
    Daniel

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