Das Herzstück des Stadtbahnverkehrs
Scroll

Das Herzstück des Stadtbahnverkehrs

Als ich mit 14 Jahren in einem viel zu bunten Sommerkleid am Mühlenberg auf die Bahn wartete, hat es mich reichlich wenig interessiert, auf welcher Strecke ich gleich unterwegs sein würde. Ich war in der Stadt zum Eis essen verabredet und da fuhr mich die grüne ÜSTRA Bahn eben hin. Mein Vater hatte mir zwar irgendwann mal erklärt, warum da Mühlenräder in der Station hängen, aber in erster Linie diente mir die Station als Tor zur großen Stadt. Ich bin an der A-Strecke groß geworden. Als Teenie habe ich jedes Wochenende die Bahn genutzt, während der Fahrt mit Freunden gequatscht, verbotener Weise die Füße auf den Sitz gelegt, geknutscht und heimlich Bier getrunken – ohne zu ahnen, dass ich auf der historisch wohl bedeutsamsten Stadtbahnstrecke Hannovers unterwegs war. Aber der Reihe nach.

Das Stadtbahnnetz der ÜSTRA ist in vier Strecken (A, B, C und D) unterteilt. Die A-Strecke steht dabei nicht nur im Alphabet an erster Stelle. Die Strecke, auf der heute die Linien 3, 7 und 9 unterwegs sind, verbindet Hannover auf ganz besonders vielfältige Weise. Nicht nur für mich spielte sie seit meiner frühen Kindheit auf dem Weg zur Oma eine wichtige Rolle. Die Hannoveraner nutzen sie, um zu den Heimspielen von 96 zu fahren, für einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt oder um sich in der Eilenriede vom Großstadtdschungel zu erholen. Die Strecke kreuzt die Ihme und den Mittellandkanal, passiert den Lindener Hafen, verbindet die Stadt Ronnenberg (Endpunkt Empelde) und die Gemeinde Isernhagen (Endpunkt Altwarmbüchen) mit der niedersächsischen Landeshauptstadt. Aber vor allem verbindet sie: Menschen.

Die neue Stadtbahnära

Für mich ist die A-Strecke deshalb irgendwie das Herzstück des Streckennetzes, wenngleich auch die Geschichte sie zur wohl bedeutsamsten Stadtbahnstrecke gemacht hat.  Es war die A-Strecke, damals noch von Oberricklingen zum Hauptbahnhof, die zur Bühne für die Premiere der hannoverschen Stadtbahn wurde. Nach 10 Jahren Tunnelbau fuhr hier mit der damaligen Linie 12 am 26. September 1975 die erste Stadtbahn Hannovers, von der Station Waterloo über Markthalle und Kröpcke bis zum Hauptbahnhof.

Am Waterloo begann das Stadtbahnzeitalter. Heute sind dort alle drei Linien der A-Strecke im Einsatz. Foto: Florian Arp

Heute teilen sich drei Linien diesen Tunnelabschnitt. Die Linien 3 und 7 starten in Wettbergen und sind lange parallel unterwegs, bis sie sich am Paracelsusweg trennen und die letzten Meter in Richtung Altwarmbüchen bzw. Misburg getrennt voneinander zurücklegen. Die Linie 9, aus Empelde kommend, komplettiert die A-Strecke. Sie teilt sich mit ihren Schwesterlinien die Strecke vom Waterloo bis zur Noltemeyerbrücke und biegt dann zum Fasanenkrug ab.

Zur Tunneleröffnung wurde sogar eine Sonderpostkarte hergestellt. Foto: ÜSTRA Archiv

Zur Eröffnung des Tunnels auf der Strecke kamen damals an zwei Tagen über 70.000 Menschen vorbei – heute sind täglich fast dreimal so viele Fahrgäste (rund 200.000) auf den drei Linien unterwegs sind. Von Südwesten nach Nordosten, am Kröpcke im Drei-Minuten-Takt.

Die A-Strecke ebnete aber nicht nur den Weg für den hannoverschen Stadtbahnverkehr und meine unzähligen ÜSTRA Erlebnisse  – sie hilft bis heute, eben jenen Verkehr pünktlich und zuverlässig aufrechtzuerhalten. Denn: Jeden Sommer, wenn der Fahrplan für das kommende Jahr entwickelt wird, schauen die Mitarbeiter des Fahrplanbüros nach Wettbergen. Von dort ausgehend entsteht der gesamte Stadtbahnfahrplan, an dem sich wiederum der Busfahrplan orientiert. Wettbergen dient deshalb als Ausgangspunkt des Plans, da hier, im Netz einmalig, gleich zwei Stadtbahnlinien enden.

Mal exotisch, mal glanzvoll

Die A-Strecke war die Erste, auf der die ÜSTRA den TW 3000 eingesetzt hat. Foto: Martin Bargiel

Damit der Besonderheiten aber nicht genug: Denn ausgerechnet „meine“ damalige Station gehört zu den zwei Stationen im Netz, bei der die Bahnen auch außerhalb der Innenstadt noch mal gänzlich unter die Erde verschwinden – die Rede ist von der Tunnelstation „Mühlenberger Markt“. Zu meiner Kindheit hieß sie noch „Mühlenberg“, ist aber durch ihren Tunnel damals wie heute ein Exot im Stadtbahnnetz. Während ich damals noch im grünen TW 6000 unterwegs war, sind heute auf der gesamten Strecke alle drei Fahrzeugtypen – TW 6000, TW 2000 und TW 3000 – im Einsatz. Die A-Strecke durfte aber als Erste den TW 3000 beheimaten, was den Linien 3 und 7 für mehrere Jahre einen ganz besonderen Glanz bescherte.

Die Streckeneröffnung in Wettbergen war bei bestem Wetter für viele ein Grund zu feiern. Foto: Archiv

Aber nicht nur ich bin mit den Jahren herangewachsen. Auch die A-Strecke ist groß geworden. So kamen zuletzt die Endpunkte Misburg (2014) und Altwarmbüchen (2006) dazu, bereits 1999 wurde der Stadtbahnanschluss bis Wettbergen verlängert, 2023 folgt die Streckenerweiterung bis Hemmingen. Besonders an die Verlängerung nach Wettbergen kann ich mich gut erinnern – unsere ganze Familie kam zu dem Stadtteilfest, um die Bahn das erste Mal aus dem Tunnel kommen zu sehen (vorher endeten die Bahnen in der Station).

Auf der A-Strecke fühle ich mich schon seit meiner Kindheit fast wie zuhause. Foto: Florian Arp

Übrigens, auch heute wohne ich noch an der A-Strecke. Genau genommen am Lister Platz. Und was soll ich sagen – ich liebe meine Heimatstrecke. Für mich gibt es keine besseren Linien als die 3 und 7. Wann immer ich mal wieder meine Eltern auf dem Mühlenberg besuche – jede Fahrt vorbei am Waterloo, am Stadion und durch das entspannte Ricklingen erinnert mich an die vielen Tage, an denen die ÜSTRA schon damals, vor fast 20 Jahren, ein wichtiger Teil meines Lebens war.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich ergänze einmal durch meine Erfahrung mit der A Linie 3/7/9. Seit 1988 pendel ich und später auch die ganze Familie auf dieser Strecke. Allerdings anfangs zwischen Oststkrankenhaus und Siloah,dann Lahe Entpunkt -i die Stadt und im Laufe der Zeit dann die langersehnte Verlängerung erst von der Schierholzstrasse in die Stadt und zum Klinikum Mitte und letztendlich jetzt ab Misburg . Wir haben quasi die ganze Aehra der Linie 7 miterlebt. Von Lahe bis Misburg :)

  2. 200.000 Fahrgäste auf der 3, 7 und 9 finde ich sehr interessant! Vielleicht könnt ihr in einem nächsten Blogbeitrag ja mal eine Art Ranking machen, welche Stadtbahnlinie in Hannover von wie vielen Fahrgäste am Tag genutzt wird. Da liest und hört man auch immer wieder unterschiedliche Infos, grade in Bezug auf die am stärksten nachgefragten Linien; mal ist es die 1, mal die 4.

Schreibe einen Kommentar


* Ich bestätige, dass ich die Datenschutzerklärung der ÜSTRA zur Kenntnis genommen habe und erkläre hiermit meine Einwilligung in die Erhebung, Verarbeitung und Nutzung meiner oben angegebenen Daten durch die ÜSTRA.

Um unsere Webseite optimal gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies, in denen Informationen über Ihren Besuch unserer Webseite gespeichert werden. Weitere Informationen über die von uns verwendeten Cookies finden Sie hier. Hiermit erklären Sie Ihre Einwilligung in die Verwendung von Cookies.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen