Der ÜSTRA Abfallhüter - Ein Job für die Tonne
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Der ÜSTRA Abfallhüter – Ein Job für die Tonne

Am ÜSTRA Abfallhof, auf dem Stadtbahnbetriebshof Glocksee, müssen unsere Kollegen schon mal Schlange stehen. Nicht nur, weil dort alle vorbildlich Abstand halten, denn diese Schlangen gab es schon lange vor Corona. Sie warten auf ein Zeichen von Sebastian Gott, damit sie endlich ihre Schubkarren voller Schrott auf den Hof bringen dürfen. Dort wirft „der Herr Gott“ wie ihn die Kollegen nennen, einen prüfenden Blick auf die Abfälle.

Aber von vorne – ein Abfallhof bei der ÜSTRA? Ist das nicht nur was für die Müllabfuhr? Ganz und gar nicht! Wer, wie die ÜSTRA, mit viel Metall, Gummi,  Farbe, elektronischen und vielen weiteren  Bauteilen arbeitet, verursacht dabei eben auch mehr Abfall. Da kommen schon mal tausende Tonnen im Jahr zusammen. Damit diese nicht einfach nur verbrannt werden, kümmert sich Sebastian Gott höchstpersönlich darum, dass der Müll richtig getrennt und nachhaltig entsorgt oder weiterverarbeitet wird. Warum es ihm großen Spaß macht, für die ÜSTRA  Müll zu trennen statt Busse oder Bahnen zu fahren, hat Gott mir bei meinem Besuch auf dem Abfallhof erzählt.

Jeder gute „Müllmann“ braucht auch eine Müllpresse. Foto: Florian Arp

Wie bei den Wertstoffhöfen, die jeder von uns schon mal mit seinem Grünschnitt oder dem alten Fernseher angefahren hat, gelten auch beim ÜSTRA Abfallhof feste Öffnungszeiten. Wer außer der Reihe etwas loswerden will, kann Sebastian Gott aber auch anrufen: „Natürlich mache ich bei großen Mengen auch mal außerhalb der Öffnungszeiten für meine Kollegen auf.“ Wie es sich für einen guten Abfallhof gehört, steht bei Sebastian Gott auch eine Müllpresse mit 18m3 Volumen auf dem Hof. Mit nur einem Knopfdruck kriegt Gott damit alles klein, was zu groß für den normalen Mülleimer ist.

Sebastian Gott erklärt seinen Kollegen bei Bedarf, in welchen Container sie ihren Abfall bringen können. Foto: Florian Arp

Ein ausgefallener Sammler

Während andere Sammler sich über Briefmarken oder Modellbahnen freuen, sammelt Sebastian Gott lieber Bleche, Elektroschrott, Öle oder alte Leuchtstoffmittel. Und auch Exoten wie „gefährliche Güter“ die wie z.B. Gas leicht brennbar sind sowie „unbekannte Stoffe“ nimmt er gerne in Empfang. Seine großen Abfalltonnen- und Container, von denen allein vier ausschließlich für die 110 Tonnen Metallschrott bereit stehen, werden dabei in unterschiedlichen Intervallen geleert. Papier wird, wie bei normalen Haushalten, ein- bis zwei Mal die Woche abgeholt, Metallspäne, die nur sehr wenig Platz einnehmen, nur einmal im Jahr.  

Gott passt aber nicht nur auf, dass die Kollegen ihre Kabel, Metalle oder Platinen richtig entsorgen, denn „da achten die Meisten schon ganz hervorragend alleine drauf.“ Er legt auch selbst Hand an. Denn da sind die Stoßdämpfer, die er mit einer Maschine aufbohren muss, damit das alte Öl abfließen kann. Oder die vielen einzelnen Farbdosen, die in der Stadtbahnwerkstatt oder bei Farbausbesserungen an den Haltestellen zum Einsatz kommen, aus denen er händisch den Druck raus lässt. Danach können sie gefahrlos entsorgt werden und gelten nicht mehr als „Gefahrengut“.

„Wir sortieren und trennen die meisten Abfälle hier auf dem Hof aber nur“, erklärt mir Gott bei unserem Rundgang über den Hof. Anschließend werden die Stoffe von Entsorgungsunternehmen abgeholt oder von Sebastian Gott selbst zum Schrotthändlern oder zu Aufarbeitungswerkstätten gebracht. Mancher „Müll“, wie zum Beispiel Metalle oder elektronische Bauteile aus den Bahnen, werden dann andernorts aufgearbeitet und weiterverwendet. Die übrig gebliebenen Materialien werden einem Recycling-Kreislauf zugeführt oder verbrannt, wodurch nutzbare Energie entsteht.

Putzmittel, Wasser und Co. – die ÜSTRA recycelt auch selbst

Aber auch die ÜSTRAner selbst sind Profis im Wiederverwenden. So werden in den Werkstätten Putzlappen gewaschen und Lösemittel aus alten Farben und Lacken destilliert, um sie später als Reinigungsmittel zu nutzen. Apropos Reinigung: Das Wasser, welches zum Saubermachen der Fahrzeuge zum Einsatz kommt, wird ebenfalls aufgearbeitet und wieder verwendet. Bis zu 80% können nochmal genutzt werden. Zusätzlich kommt teilweise auch Regenwasser zum Einsatz. In ganz großem Stil recycelt zudem unsere Stadtbahnwerkstatt, in dem sie Teile der alten TW 6000 nutzt, um 40 Fahrzeuge für die Zukunft aufzuarbeiten.

Aber zurück zu unserem Abfall-Gott: Als er 2013 bei der ÜSTRA anfing, hatte er den Abfallhof noch gar nicht auf dem Zettel. Erst als 2019 ein neuer Leiter des Hofs gesucht wurde, bekam er Lust auf die, für einen gelernten Lageristen eher unübliche, Aufgabe. Obwohl Außenstehende seinen Job oft als dreckig und unsexy wahrnehmen, geht Gott jeden Tag gerne zur Arbeit. „Mal kann ich draußen selber Hand anlegen und mich ungeniert schmutzig machen, mal sitze ich im Büro und erledige Schreibkram. Das ist eine tolle Mischung“, findet der ÜSTRAner. Dass er eine große Verantwortung, nicht nur bei der ÜSTRA, sondern auch für die Nachhaltigkeit in der Region trägt, ist ihm dabei oft gar nicht bewusst: „Ich mache ja einfach nur meinen Job. Wenn meine Arbeit hier auf dem Hof dann auch noch einen guten Zweck hat, freut mich das natürlich.“

Herr Gott auf „seinem“ Abfallhof. Foto: Florian Arp

Nachhaltigkeit wird bei der ÜSTRA gelebt

 „Seinen“ Abfallhof, auf dem der 34-jährige täglich bei Wind und Wetter im Einsatz ist, gibt es bereits seit knapp 10 Jahren. Noch eher, nämlich 1999, hat die ÜSTRA ein sogenanntes Umweltmanagementsystem eingerichtet.  Denn Nachhaltigkeit oder – modern – sustainability, sind für die ÜSTRA nicht nur Modeworte oder Marketingthema. Das Unternehmen will einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Das fängt bei CO2-freiem Strom an und hört beim Recycling noch lange nicht auf. Um zukünftig noch mehr Abfall zu vermeiden, kämpft die ÜSTRA zum Beispiel im Projekt „HoP – Hannover ohne Plasik“ gegen Plastikmüll oder erarbeitet sogenannte „Second Life“ Strategien, damit Dinge nach ihrem ursprünglichen Gebrauch anderswo weiter eingesetzt werden können.

Übrigens muss Sebastian Gott sich von seinen Kollegen viele Sprüche wegen seines außergewöhnlichen Namens anhören. Sein Lieblingssatz: „Gott sei Dank läuft das mit dem Müll bei uns echt super.“

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