Die schwebende Fahrtreppe:
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Die schwebende Fahrtreppe:

Meterhoch schwebt die nigelnagelneue Fahrtreppe über dem Stationseingang. Prunkvoll hängt der silberne Koloss ähnlich wie ein gigantischer Kronleuchter über der frisch beschichteten Grube und wird behutsam, unter vollstem Körpereinsatz der anwesenden Arbeiter in die Station rangiert. Es ist ein beeindruckendes Bild, das sich in dieser Nacht an der Stadtbahnstation „Werderstraße“ bietet: echte Maßarbeit, die Teil eines großen Ganzen ist. Denn die brandneue Fahrtreppe an der „Werderstraße“ bildet den Jahresauftakt für ein umfassendes Erneuerungsprogramm der ÜSTRA Fahrtreppen.

Die „schwebende“ Fahrtreppe wurde nachts an der „Werderstraße“ angeliefert. (Video: Florian Arp)

114 Fahrtreppen an 15 Stationen und Haltestellen betreibt der ÜSTRA Fachbereich „Haltestellen und bauliche Anlagen“. Die im Volksmund auch als Rolltreppen bekannten Fahrtreppen leisten eine Menge: Tag für Tag sind sie – je nach Fahrgastaufkommen – bis zu 12 Stunden im Einsatz und befördern beispielsweise am „Kröpcke“ so viele Fahrgäste, dass eine Gesamtmasse von bis zu 600.000 Kilogramm pro Tag zusammenkommt. Dabei sind die silbergrauen Riesen trotz ihrer Größe unscheinbar und leisten zuverlässig ihren Dienst. 25 Jahre, also ein Vierteljahrhundert, ist die durchschnittliche Lebensdauer einer Fahrtreppe bei der ÜSTRA.

Bis zu 600.000 Kilogramm Gesamtmasse befördern die silbergrauen Riesen beispielsweise am „Kröpcke“ täglich. (Foto: Florian Arp)

Auf regelmäßige Wartungsintervalle folgt der Tausch

Der Austausch einer Fahrtreppe wird erst durchgeführt, wenn es unbedingt notwendig ist, schließlich kostet eine Treppe ungefähr 250.000 Euro. Bevor es zu einem Treppenwechsel kommt, verlängern regelmäßige Wartungs- und Pflegeintervalle die Dienstfähigkeit. Die Innentreppen werden alle acht Wochen gewartet, die Außentreppen sogar alle vier Wochen. Dadurch bleiben die Fahrtreppen möglichst lange im Dienst und Störungen wird, so weit es geht, vorgebeugt. Doch trotz der regelmäßigen Wartung kommt es vor, dass die „Rolltreppen“ ab und an nicht rollen.

Manchmal kommt es vor, dass „Rolltreppen“ nicht rollen. (Foto: Florian Arp)

Im Laufe der Zeit entstehen unvermeidbare Verschleißschäden – beispielsweise an den Stufenketten oder dem Handlauf. Zudem machen Schäden durch Fremdkörper oder Vandalismus den Treppen zu schaffen. Naturgemäß fallen den Fahrgästen nur die Treppen auf, die außer Betrieb sind. Dabei sind stehende Fahrtreppen eine Rarität: Durchschnittlich 97 Prozent der Betriebszeit bleiben die Anlagen störungsfrei. Jedoch kann der turnusmäßige Wartungs- und Pflegeaufwand nicht verhindern, dass die silbernen Giganten eines Tages ihr Soll erfüllt haben. Dann hilft nur noch der Komplettaustausch – so wie an der Station „Werderstraße“.

Der Austausch-Ablauf

Der Austausch einer Fahrtreppe dauert insgesamt rund sechs bis acht Wochen. In dieser Zeit gibt es einiges zu tun: Zunächst wird die alte Treppe demontiert und in den Ruhestand verabschiedet. Das heißt: Nachdem die Auflager freigestemmt und die Silikonfugen der „Alt-Treppe“ entfernt wurden, wird diese aus der Station gehievt. Sobald die alte Treppe ihren Platz geräumt hat, wird die Schachtgrube gereinigt und für die neue Fahrtreppe frisch beschichtet.

Danach ist der Arbeitsplatz für die neue Treppe vorbereitet. Es folgt die Anlieferung und Montage der Neuanlagen – dann bietet sich das spektakuläre Bild der schwebende Treppe, welches es unlängst an der „Werderstraße“ zu bestaunen gab. Die neue Fahrtreppe wird dafür mit einem nächtlichen Schwertransport nach Hannover geliefert und mit einem Kran in die Grube gesetzt.

Die „schwebende Treppe“ wird eingesetzt. (Foto: Florian Arp)

In den folgenden Wochen geht es an die Feinmontage: Die Fahrtreppe wird verdrahtet, die Anschlüsse werden eingerichtet und die Silikonfugen werden verarbeitet. Bevor die neue Fahrtreppe in den regulären Betrieb gehen kann, bedarf es abschließend noch einer TÜV-Abnahme.

Das Erneuerungsprogramm für die Fahrtreppen

Der Treppentausch an der Station „Werderstraße“ ist Teil eines großflächigen Erneuerungsprogramms für die ÜSTRA Fahrtreppen. Neben der „Werderstraße“ kommt es im Jahr 2021 noch zu weiteren Austauscharbeiten – jeweils zweimal an den Stationen „Hauptbahnhof“ und am „Kröpcke“.

Die Treppe am „Kröpcke“ ist mit 30 Metern die längste im ÜSTRA Netz. Deshalb wird die neue Fahrtreppe auf ganz besonderem Wege angeliefert: Nach einem Baukastensystem geht es in mehreren Abschnitten per Sonderzug-Stadtbahn direkt in Hannovers Zentrum zur Tunnelstation am Kröpcke. Diese logistische Meisterleistung wird mit Sicherheit ein ähnlich beeindruckendes Bild liefern wie die schwebende Treppe über der Station „Werderstaße“.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Könntet ihr vielleicht verraten wann die Treppe am Kröpcke gewechselt wird oder eher lieber nicht? Der Sonderzug wäre echt schön zu sehen.

  2. Sehr interessant, vielen Dank für den Bericht. Bitte dann vom Tausch am Kröpcke per Sonderzug auch unbedingt mit Bildern berichten. :-)

    • Hi Nils,

      danke für dein positives Feedback. Wir werden von dem Austausch am „Kröpcke“ ebenfalls berichten.

      Viele Grüße

      Timo

  3. Hallo, war mein Kommentar: Hinweis auf die offensichtlich fehlerhafte Zahl von 600.000 kg zu despektierlich ? Warum wurde er nicht freigeschaltet? Gruß Klaus Helke

    • Hi Helke, wir haben deinen Kommentar so interpretiert, dass eine Veröffentlichung keinen Mehrwert hat. Du stellst weder eine Frage noch hat dein Kommentar unmittelbar etwas mit dem Beitrag zu tun.

      Viele Grüße

      Timo

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