Die ÜSTRA Nachtschwärmer: ein Besuch in der Werkstatt
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Die ÜSTRA Nachtschwärmer: ein Besuch in der Werkstatt

Von Bianca Stumpf und Christine Wendel

Wenn Hannover es sich gegen 21 Uhr nach Feierabend bereits auf dem Sofa gemütlich gemacht hat, geht es für die ÜSTRA Kolleginnen und Kollegen in den Betriebswerkstätten im Bus- und Stadtbahnbereich mit der Arbeit erst los. Wir haben die Sicherheitsschuhe geschnürt, um einen nächtlichen Blick hinter die Werkstattkulissen zu werfen.

Draußen ist es klirrend kalt und duster, wenn in den Wintermonaten der Arbeitsbeginn in den Buswerkstätten auf den Betriebshöfen in Vahrenwald und Mittelfeld startet. Ein Heißgetränk gehört demzufolge bei allen Kolleginnen und Kollegen zum Schichtstart dazu, während sie sich in der Werkstatt zunächst einen Überblick verschaffen. E-Mails der vorherigen Schicht wollen gesichtet, Unfall- und Schadensmeldungen müssen aufgenommen und Material bestellt werden. Die ÜSTRA Busflotte war den ganzen Tag auf Hannovers Straßen unterwegs. Zur nächtlichen Betriebspause laufen die „KOM“ – die Kraftomnibusse – auf den Betriebshöfen ein und haben sich ein wenig Buswellness verdient. Um bei über 200 Bussen den Überblick zu behalten, arbeiten die Kolleginnen und Kollegen aus den Werkstätten mit dem sogenannten Betriebshofmanagementsystem – dem „BMS“. Das Programm zeigt digital den Aufbau des Betriebshofs: die Einlaufspuren, die Auslaufspuren, die Stellplätze in der Werkstatt und eben die sich auf dem Hof befindenden Busse. Somit dient das „BMS“ in der Buswerkstatt als Übersichts-und Dispositionstool für die „KOM“.

Dank des Betriebshofmanagementsystems – „BMS“ – wissen die Mitarbeitenden, wo die Busse abgestellt sind. Foto: Florian Arp

Auf den Stadtbahnbetriebshöfen Glocksee, Döhren und Leinhausen sieht der Schichtbeginn für die Frauen und Männer in den Betriebswerkstätten ähnlich aus. Denn das „BMS“ ist auch ihnen ein Begriff. Nachdem die Fahrerinnen und Fahrer die „Einläufer“ – also die Stadtbahnen, die zurück auf den Hof kommen – auf dem vom „BMS“ zugewiesenen Gleis abstellen, können auch die Handwerkerinnen und Handwerker sehen, welcher Wagen „zu Hause“ ist. Je nach Hof sind von Sonntag bis Donnerstag dann bis zu 123 Stadtbahnen eingelaufen. In den Nächten von Freitag auf Sonntag ruht der ÜSTRA Betrieb nicht komplett, da die Bahnen im sogenannten NachtSternverkehr auf Strecke bleiben.

Über das Managementsystem und die Meldungen des Fahrpersonals erfahren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Werkstätten dann, was es in der Nachtschicht konkret zu tun gibt. In der Werkstatt auf dem Betriebshof Döhren ist ein TW 3000 auf Gleis 5 eingefahren. Auf dem Wagenzettel steht, was auch das orangefarbene Schild an der rechten vorderen Tür verrät: Türstörung. Ein Kollege schaut sich vor Ort den Wagen genau an, öffnet die Deckenklappe rechts neben der Tür. Dort befindet sich die Türsteuerung und er kann überprüfen, wo genau das Problem liegt. Er lässt die Tür auf- und zugehen. Einmal. Zweimal. Die Tür läuft geschmeidig auf – und eben auch wieder zu. Von einer Störung ist nichts zu sehen. Was tun? Ist es nur ein Zufall, dass alles reibungslos geht, oder wird die Tür morgen auf Strecke wieder Probleme machen? Zur Sicherheit wird die Tür einer gründlichen Prüfung unterzogen, alle Überwachungseinrichtungen kontrolliert und die Tür mehrmals geöffnet und geschlossen.

In der Regel können kleinere Störungen innerhalb der Nachtschicht behoben werden. Nur in Ausnahmefällen sind die Reparaturen so umfangreich, dass die Fahrzeuge bis zum nächsten Morgen warten müssen. Dabei ist es immer ein Abwägen: Investieren wir noch eine halbe Stunde in die Fehlersuche und -behebung oder geben wir es an die Frühschicht weiter? Fakt ist, am nächsten Morgen werden die Wagen wieder gebraucht, denn Hannover will zur Schule, zur Arbeit oder – nach einer Nachtschicht – endlich nach Hause ins Bett.

Die Kolleginnen und Kollegen in den Werkstätten machen nachts die Fahrzeuge fit für den nächsten Tag. Foto: Florian Arp

Auf dem Betriebshof Glocksee widmet sich das Werkstattpersonal gerade einer silbernen Stadtbahn. Diese hat ein Problem mit der Niveauregulierung. Um den TW 2000 möglichst barrierefrei an die Hochbahnsteige anzupassen, kann der über die Niveauregulierung „hoch- beziehungsweise heruntergepumpt“ werden. Hier scheint jedoch ein Fehler vorzuliegen. Die Kolleginnen und Kollegen nehmen den Wagen genau unter die Lupe und stellen fest: Das bekommen wir heute Nacht nicht repariert. Darum kümmert sich morgen die Frühschicht. Damit ist der Wagen zwar einen Tag „außer Betrieb“, aber so können die Mitarbeitenden in Ruhe die Fehler diagnostizieren und beheben.

Reinigung, Wartung und Pflege für ÜSTRA Busse und Bahnen

Zurück in der Buswerkstatt: Wenn die Fahrzeuge nachts auf dem Betriebshof einlaufen, symbolisieren im Managementsystem unterschiedliche Farben den Fahrzeugstatus: Muss der Bus getankt werden, liegt eine Störung vor oder sind Reparaturarbeiten notwendig? Je nach Farbe der einlaufenden Busse wird die Werkstatt tätig. Was genau in einer Schicht passiert, kann im Vorfeld nicht geplant werden. So was nennt man bei der ÜSTRA: „Leben in der Lage.“ Tanken, Fegen, Mülleimer leeren und kleinere Reparaturen gehören zum Tagesgeschäft der Servicekräfte aus dem Team „Fahr-Fertig-Machen“. Größere Reparaturarbeiten und Störungsbeseitigungen sowie Wartungsarbeiten werden bei Bedarf ebenfalls direkt in der Buswerkstatt durchgeführt. Dazu gehören der turnusgemäße Ölwechsel samt Öl- und Kraftstofffilter, der Austausch der Pollenfilter oder die Überprüfung der Batterie. Nach der Wartung geht es für die Busse in die Waschanlage, sodass das Fahrzeug gewartet und sauber für den morgendlichen Auslauf bereitgestellt werden kann.

Die Werkstatt-Mitarbeitenden sind gut ausgerüstet. Foto: Florian Arp

Auf den Stadtbahnbetriebshöfen herrscht reges Treiben, denn einige Wagen müssen vom Hof erst einmal in die Werkstatt gefahren werden. Dann kann der Bremssand aufgefüllt oder eine Reparatur ausgeführt werden. Auf dem Wagenzettel vermerkt das Fahrpersonal noch kleinere Probleme am Wagen. So kann die Werkstatt nachts bei Bedarf schnell den Scheibenwischer tauschen oder die Tür zum Fahrerstand ölen. Für die Fahrzeuge, die auf dem Betriebshof Buchholz, einer Außenstelle von Glocksee, einlaufen, gibt es einen besonderen Service: Auf Buchholz ist keine richtige Werkstatt vorhanden. Läuft hier eine Bahn mit erhöhtem Pflegebedarf ein, wird sie gegen einen Zug von Glocksee ausgetauscht. Die Kolleginnen und Kollegen der Werkstatt fahren dann als „Dienstwagen“ durchs Netz und bringen die Züge an ihren Auslaufort.

Damit die Stadtbahnen morgens auch wieder glänzen, sind die Reinigungsteams der protec Service GmbH jede Nacht auf den Stadtbahn-Betriebshöfen unterwegs. Sie putzen die Fenster, Haltestangen und Sitze, wischen den Boden und reinigen die Fahrerstände. Für die Außenreinigung fahren die Mitarbeitenden der Werkstätten in die Waschanlagen, die sowohl auf Glocksee, Döhren und Leinhausen vorhanden sind und ganz im Sinne der Nachhaltigkeit mit Regenwasser waschen.

In den Stadtbahnen muss regelmäßig der Bremssand nachgefüllt werden. Foto: Florian Arp

„Fahr schon mal den Wagen vor“

Die Busse werden in der Fahrzeughalle für die Fahrerinnen und Fahrer der Frühschicht bereitgestellt. Dafür muss jedoch einiges beachtet werden: Auf manchen Strecken fahren Solo- auf anderen Gelenkbusse. Auf manchen Linien kommen Hybrid-, auf anderen reine Elektrobusse zum Einsatz. Die Werbebeklebung der Fahrzeuge spielt bei der Disposition ebenfalls eine Rolle. Demzufolge sollten Busse mit sprintH Werbung wenn
möglich auf den sprintH Linien eingesetzt werden. Während der Planung müssen jedoch auch die Durchfahrts- und Auslaufwege auf dem Hof beachtet werden. Die Busse stehen in den Fahrzeughallen dicht an dicht hintereinander, auf mehrere Spuren aufgeteilt. Demzufolge ist es notwendig, dass die Fahrzeuge so gestaffelt werden, dass sie planmäßig nacheinander die Halle verlassen, ohne dass auf engem Raum großartig rangiert werden muss.

Auf den Stadtbahnbetriebshöfen neigt sich der Arbeitstag dem Ende entgegen. Auf der Zielgeraden der Nachtschicht stehen die Wagen auf den Gleisen wieder bereit, um ab circa 4 Uhr morgens auszulaufen. Die Handwerkerinnen und Handwerker auf Glocksee räumen das Werkzeug zusammen und treffen die Kolleginnen und Kollegen der Frühschicht für die Übergabe. Der TW 2000 mit dem Problem der Niveauregulierung steht ja immer noch auf dem Werkstattgleis.

6 Uhr morgens: Während die Region Hannover langsam erwacht, endet für die Kolleginnen und Kollegen aus den ÜSTRA Betriebswerkstätten die Schicht. Für sie war es dann eine erfolgreiche Nacht, wenn die Fahrzeuge den Betriebshof in jederlei Hinsicht in einem top Zustand verlassen, um Hannover am nächsten Morgen wieder in den Tag zu bringen.

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