Es FUNKtioniert: Fahrgastsprechstellen und neue Funktechnik für den TW 6000
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Es FUNKtioniert: Fahrgastsprechstellen und neue Funktechnik für den TW 6000

Das war eine abendliche Punktlandung! Just als ich an der Haltestelle „Nieschlagstraße“ angekommen bin, biegt „meine“ Linie 9 um die Kurve. Ich steige in den hinteren Wagen des grünen TW 6000, reibe meine kalten Hände und lasse meinen Blick durch die hell beleuchtete Stadtbahn schweifen. Da fällt mir ein Gerät an einer der Haltestangen auf, das ich vorher noch nie wahrgenommen habe: ein orangefarbener Kasten. Etwas skeptisch nehme ich den Apparat genauer unter die Lupe: „Kontakt zum Fahrpersonal“ und darunter ein Knopf mit dem Hinweis „Sprechwunsch“ – eine Fahrgastsprechstelle im TW 6000?

„Das passt sich gut“, denke ich mir und drücke auf den Sprechwunsch-Knopf. Während der TW 6000 durch die Lindener Abendstimmung fährt, warte ich ab, was passiert. Und dann, ein kurzes Knacken. Die freundliche Stimme der Fahrerin begrüßt mich und erkundigt sich, wie sie behilflich sein kann. „Entschuldigung, erreiche ich eigentlich am ‚Kröpcke‘ den Anschluss zur B-Strecke in die Südstadt?“, frage ich.

Von mir auf der Linie 9 ausprobiert: die neue Fahrgastsprechstelle im TW 6000. (Foto: Florian Arp)

„Wenn wir weiterhin planmäßig durchkommen und keine Störungen vorliegen, passt das“, bekomme ich als direkte Rückmeldung aus dem Fahrerstand. So einfach und nützlich ist die neue Gegensprechanlage in unseren TW 6000.

Immer in Kontakt: Die Fahrgastsprechstelle im TW 6000

Unsere Fahrerinnen und Fahrer sind durch die neue Fahrgastsprechstelle, auch aus dem hinteren Wagen der „grünen“ Stadtbahnen, ab sofort stets erreichbar. Während Sprechstellen bei den beiden neueren Stadtbahntypen – dem TW 2000 und dem TW 3000 – bereits zur Serienausstattung gehören, ist die Technik beim ältesten ÜSTRA Stadtbahnmodell, dem TW 6000, teilweise noch aus den 1980er Jahren.

Dass die Sprechanlagen jetzt auch in den „Grünen“ installiert werden, beruht auf einer gesetzlichen Vorgabe. Bis 2024 ist es verpflichtend, dass in jedem Stadtbahnzug – auch im hinteren Wagen bei einem Zwei-Wagen-Zug – ein direkter Kontakt zwischen Fahrgast und Fahrpersonal gewährleistet ist. Dadurch kann zum Beispiel in einem medizinischen Notfall der Fahrer unmittelbar kontaktiert werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, wie bei meiner Situation in der Linie 9, sich bei der Fahrerin Infos über die Umsteigemöglichkeiten oder über die Anschlusssicherung am Endpunkt einzuholen. Eine Kontaktmöglichkeit zum Fahrpersonal steigert zudem das subjektive Sicherheitsempfinden der Fahrgäste – mir geht’s zumindest so. Im Ernstfall können die Fahrerin oder der Fahrer nämlich direkt einschreiten, egal ob selbst oder über den (Funk-)Draht zu unserer Betriebsleitstelle.

„Sprechwunsch“ – Wie nehme ich Kontakt zum Fahrpersonal auf?

Auf dem Weg von Linden zum „Kröpcke“ teste ich die neue Sprechanlage. (Foto: Florian Arp)

Die Handhabung der Fahrgastsprechstelle ist kinderleicht: Über die Gegensprechanlage wird per Knopfdruck ein Sprechwunsch an das Fahrpersonal gesendet. Die Sprechanlage im Stadtbahnwagen leuchtet dann rot. Im Fahrerstand wird der Fahrer oder die Fahrerin unmittelbar über ein akustisches und visuelles Signal auf der Armatur über die Kontaktaufnahme informiert. Via Knopfdruck kann der Sprechwunsch aus dem Fahrerstand bestätigt werden. Dadurch haben unsere Fahrerinnen und Fahrer die Möglichkeit, zu entscheiden, wann sie mit dem Fahrgast kommunizieren. So können zum Beispiel brenzlige Verkehrssituationen, die höchste Konzentration verlangen, erst überwunden werden, bevor das Gespräch mit dem Fahrgast an der nächsten Haltestelle beginnt. Falls der Fahrgastsprechwunsch situationsbedingt mal nicht angenommen wird, erlischt dieser nach einer Weile und der Kontakt muss erneut angefordert werden. Sobald die Anfrage aus dem Fahrerstand bestätigt wird, springt das Licht des orangenen Kastens im Fahrgastraum auf grün – dann kann’s losgehen.

An dieser Stelle ist der dezente Hinweis angebracht, dass die Sprechstelle lediglich bei ernst gemeinten Anliegen genutzt werden soll. Die Anfrage für eine Pizzabestellung über die Leitstelle dürfte weder bei unseren Kolleginnen und Kollegen am Sollwertgeber in der Bahn noch in der Betriebsleitstelle auf große Gegenliebe stoßen. Und glaubt mir, dieser Appell gegen den „Missbrauch der Sprechanlage“ ist gerechtfertigt. Egal, zurück zum Thema.

Klare Kommunikation dank neuer Funktechnik

Noch längere Zeit im Einsatz: die grünen TW 6000. (Foto: Florian Arp)

Die neue Fahrgastsprechstelle wird zwar aufgrund einer Gesetzesvorgabe verbaut, aber da unsere „Grünen“ noch eine Weile im Einsatz sind, wurde beschlossen, die gesamte Funktechnik im TW 6000 zu erneuern. Das bedeutet konkret: Neben der Gegensprechanlage, gibt es neue Fahrermikrofone und neue Lautsprecher, sodass die Durchsagen im Fahrgastraum (noch) besser zu verstehen sind.

Für den Fahrgast nicht unmittelbar relevant – aber für die Betriebsabwicklung von erheblicher Bedeutung – sind die neuen analogen und digitalen Hybrid-Funkanlagen und das modernisierte Bedienpanel im Fahrerstand. Begründet liegt der Umbau des Bordrechners und des Funkgerätes in der alten analogen Funktechnik der 6000er. Der Hauptfunk der Stadtbahn soll in Zukunft, wie schon bei unseren Bussen, auf Voice Over IP umgestellt werden. Die Rückfallebene wird auf digitalen Funk umgerüstet, sodass unsere 6000er mit der bisherigen Technik dann vom Netz getrennt und nicht mehr erreichbar wären.

53 umgerüstete Fahrzeuge bis Frühjahr 2022

Bis zum Frühling 2022 sollen 53 TW 6000 mit der neuen Technik ausgestattet sein. Und wer jetzt denkt, dass die Umbauarbeiten an den Fahrzeugen ruckzuck erledigt sind, funkt in diesem Fall auf einem vollkommen falschen Kanal! Hinter der Fassade steckt eine Menge Technik, die der Fahrgast gar nicht sehen kann.

Die Umbauarbeiten am TW 6000 laufen auf Hochtouren. (Foto: Florian Arp)

Die Fahrerstände im vorderen und hinteren Teil der Fahrzeuge müssen komplett neu verkabelt werden – und das durch den gesamten Stadtbahnwagen. Aktuell wird unter Hochdruck gearbeitet, sodass pro Woche zwei Wagen umgerüstet werden. Stand jetzt sind die 53 „Grünen“ im April 2022 mit der neuen Technik ausgestattet – also fast zwei Jahre früher, als es die gesetzliche Vorgabe zur Fahrgastsprechstelle verlangt.

Meine Fahrt mit der Linie 9 läuft wie geplant. Pünktlich fahren wir am „Kröpcke“ ein und ich steige entspannt um. Durch die neue Sprechanlage hatte ich nicht nur die Gewissheit, dass ich meinen Anschluss erreiche, sondern auch ein nettes Gespräch mit einer freundlichen Kollegin. Und wer weiß, vielleicht hat sich unsere Fahrerin auch gefreut, mit einem Fahrgast zu plaudern und behilflich sein zu können.

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