How to SEV? Wie man einen Schienenersatzverkehr plant
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How to SEV? Wie man einen Schienenersatzverkehr plant

An diesem Wochenende findet eine große Baumaßnahme um den Bereich der Clausewitzstraße statt. Die meisten von uns merken das nur an den Bussen des Schienenersatzverkehrs (SEV), in die wir umsteigen müssen. Für unsere Kollegen vom Fahrplanbüro hingegen endet damit eine siebenmonatige Planung.

Im Auftrag der infra Infrastrukturgesellschaft Region Hannover GmbH werden am diesem Wochenende Weichen erneuert. Am Freitag und Samstag (13. und 14. Mai 2016) waren die beiden östlichen Weichen dran und heute und Montag (15. und 16. Mai 2016) folgen die zwei westlichen Weichen.

Doch warum gerade an Pfingsten? Diese Maßnahme ist sehr umfangreich und gleich vier Linien sind von ihr betroffen. Während des normalen Berufsverkehrs wären die Einschränkungen für die Fahrgäste viel zu groß. Aus diesem Grund fallen solche Baustellen in der Regel auf lange Wochenenden. Dann sind weniger Menschen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Außerdem fahren die Bahnen an Feiertagen wie an einem Sonntag, also sind auch weniger Fahrzeuge im Einsatz, was die Planung und die Arbeiten vereinfacht.

Die besondere Lage der Baustelle stellt das Fahrplanbüro diesmal aber vor einige Schwierigkeiten. Die Strecken der Linien 4, 5, 6 und 11 werden getrennt. Alle Bahnen, die von der Baustelle zu den Endpunkten Roderbruch, Anderten und Messe Ost fahren, sind spätestens am Sonntag vom Rest des Netzes getrennt. Sie haben keine Werkstatt und keinen Betriebshof in der Nähe. Das erste, was bei der Planung also bedacht werden muss: Wie viele Bahnen werden gebraucht und müssen daher „auf die andere Seite“? Und welche Fahrzeugtypen können in diesem Teil Hannovers fahren?

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Erst wenn diese wichtigen Punkte geklärt sind, wird überlegt, wie die Bahnen im Detail fahren können. Die Linie 6 kann bis Sonntag ganz normal fahren, denn die Weichen, die sie benötigt, werden erst dann erneuert. Die Linien 4 und 5 aus Garbsen und Stöcken, können an der Freundallee umkehren. Aus Anderten und Roderbruch fahren die Bahnen zum Hannover Congress Center, denn dort ist genügend Platz damit beide Linien umkehren können. Für die Linie 11 bedeutet das aber das vorzeitige Aus in der Schlägerstraße. Sie kann sich nicht durch die umkehrenden Bahnen bis zum Zoo schlängeln und muss deshalb frühestmöglich umdrehen.

Im zweiten Bauabschnitt (am Sonntag und Montag) sieht die Betriebsabwicklung wieder ganz anders aus. Die Bahnen der Linien 4 und 5 aus der Innenstadt kommend enden in der Station Schlägerstraße. Damit ist hier die Kehranlage ausgelastet und die Linien 6 und 11 benötigen eine andere Möglichkeit zu wenden. Da die nächste erst in der Peiner Straße ist, fahren die beiden Linien ausnahmsweise vom Aegi nach Döhren.

Auf der anderen Seite der Baustelle (in Richtung Roderbruch und Anderten) müssen möglichst wenig Bahnen den Betrieb von drei Linien aufrechterhalten. Ein sogenannter Linienwechsel ist in diesem Fall eine optimale Lösung. Eine Linie fährt bis zu einer bestimmten Haltestelle, wechselt dort auf eine andere Strecke und fährt als andere Linie weiter. Am Sonntag und Montag gibt es so einen Linienwechsel an der Haltestelle Freundallee. Die Linie 4 fährt von Roderbruch bis Freundallee und von dort aus weiter als Linie 6 nach Messe/Ost und umgekehrt. Als besonderes Goodie kann man so mit zwei Linien fahren, ohne Umsteigen zu müssen. 😉

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Damit hier und während der gesamten Maßnahme niemand aus Versehen in die falsche Bahn einsteigt, müssen alle Zugzielanzeiger und Sonderdurchsagen aktualisiert werden. Sämtliche Routen, Endpunkte, Wagenlängen und Ausstiegsseiten werden dabei kontrolliert und ggf. geändert. Dabei hat jede Sonderdurchsage einen Zahlencode. Wird hier ein Zahlendreher gemacht, fällt das draußen sofort auf. Statt „Linie 4 Langzug Roderbruch“ heißt es dann zum Beispiel an der Haltestelle „Türen öffnen links“.

Im letzten Planungsschritt kommen die Busse des Schienenersatzverkehrs ins Visier. Die Anzahl, Fahrwege, Umstiegs- und Wendemöglichkeiten müssen dabei so optimiert sein, dass Fußwege und Wartezeiten so gering wie möglich ausfallen. An diesem Wochenende bedeutet das einen Pendelverkehr in die Innenstadt. Alle 3 bis 4 Minuten kommt man so in die City, also ohne Zeitverlust im Vergleich zum Regelbetrieb.

Eine so komplizierte Baustelle gibt es zum Glück nur alle paar Jahre einmal. Und auch wenn die Planung sehr anstrengend ist, betrachten die Kollegen des Fahrplanbüros sie als schöne Herausforderung. Wir wünschen ihnen, dass alles so läuft, beziehungsweise fährt, wie geplant. Das ist schließlich immer die größte Belohnung.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schade, bei all der Mühe, dass die elektronische Fahrplanauskunft den SEV nicht beachtet. Für die Verbindung vom Steintor zum Schaperplatz beispielsweise gibt sie eine aktuelle Fahrtzeit von 14 Minuten an, mit einmal Umsteigen. Gleichzeitig wird angezeigt, dass die Stadtbahn sich um 1 Minute verspätet. Das erweckt den Eindruck, es handele sich um eine „Echtzeitauskunft“.
    Im Übrigen wurde im Vorfeld gut über den bevorstehenden SEV informiert.
    Allerdings konnte der Mitarbeiter am Verkaufs- und Informationsstand der Üstra am Ernst-August-Platz am Donnerstag noch keine Auskunft dazu geben.
    Mit besten Grüßen
    Friedel

    • Christine Wendel

      Hallo Friedel, Sie haben Recht: Die Fahrtauskunft wird nicht in der Zeit und für Umstiege etc. angepasst. Es wird lediglich ein Warnzeichen mit dem Hinweis, dass auf dieser Strecke gebaut wird und man in einen SEV umsteigen muss, angezeigt. Leider ist es technisch nicht möglich, hier komplett geänderte Fahrzeiten einzuspflegen und das System für dieses Bauwochenende auf eine komplett andere Abfahrt zu konfiguieren. Ihre Hinweis, dass Sie auch am Infopoint keine konkreten Informationen bekommen haben, gebe ich gern noch einmal an die Kollegen weiter. LG, Christine Wendel

      • Hallo Frau Wendel
        Wäre es nicht sinnvoller, zu schreiben: “ für diese Zeit ist keine Auskunft möglich, wegen Bauarbeiten“, statt Zeiten anzuzeigen,die von vornherein falsch sind.
        Von einem Navi würde ich auch erwarten, dass es mich vom Steintor zur Berliner Allee zur Zeit nicht über Kurt Schumacher Straße und Posttunnel zu schicken versucht.
        mfG Friedel

        • Christine Wendel

          Konkret kann ich Ihnen nicht sagen, warum das nicht so angepasst werden kann. Ich gebe das aber gern nochmal an die Kollegen weiter. LG, Christine Wendel

  2. Als Interessierter am hannoverschen Nahverkehr , habe ich mir diese Baustelle natürlich nicht entgehen lassen. Ich war also am Samstag und Pfingstmontag mit dabei und bin auch die verschiedenen “ neuen “ Strecken gefahren. Obwohl im “ Inselverkehr“ nur mit einem Wagen gefahren wurde, hatte ich den Eindruck, daß alle Fahrgäste befördert werden konnten.
    Besonders die “ neue“ Linie 4/6 hatte es mir angetan. Auch hier war mein Eindruck positiv. Auch die Anwesenden „Verkehrshelfer“ haben mit Sicherheit dazu beigetragen, daß alles gut geklappt hat. Dafür vielen Dank. Immerhin mußte ja ein langes Wochenende geopfert werden.. Wie wichtig sogenannte
    Verkehrsweichen ( z.B. an der Freundallee, und an der Clausewitz Str. Ri. Kleefeld) sind , wurde gerade an diesem Wochenende sehr deutlich. Sie wären an anderen Stellen in der Stadt bei Betriebsstörungen sicher genauso notwendig, auch wenn Kostengründe immer als Gegenargument angeführt werden.

  3. Pingback: Die Party Planner der üstra – So managen sie Großveranstaltungen | Fahrtenbuch

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