In der Fahrschule
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In der Fahrschule

Man lernt ja nie aus. Getreu diesem Motto drücke ich seit Anfang Oktober wieder die Schulbank. Die Fahrschulbank. Derzeit mache ich nämlich den „Stadtbahnführerschein light“, also den Führerschein für „Dienst- und Arbeitswagen“. Das bedeutet, ich darf nach bestandener Prüfung Bahnen überführen. Deshalb drücke ich auch „nur“ 21 Tage die Schulbank. Die Kollegen, die tatsächlich im Fahrdienst anfangen, lernen in 60 Tagen viel mehr als nur fahren. Sie kämpfen sich allein drei Tage durch den „Tarifdschungel“ und absolvieren dann noch einige Fahrten mit einem speziell geschulten Kollegen, der ihnen bei einem normalen Dienst über die Schulter schaut. Außerdem müssen sie, im Gegensatz zu uns „Light-Schülern“, eine Zwischenprüfung ablegen.

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Mein Fahrschulalltag:

Jeden Morgen gibt es eine Runde Theorie: Am Anfang stehen natürlich die Technik und die allgemeinen Grundlagen. Wie funktionieren die Bremsen (von denen eine Stadtbahn ganze vier Arten hat!)? Was hat es mit der „Zugsicherung“ im Tunnel auf sich? Und was bedeuten eigentlich die ganzen Schilder und Ampeln (die eigentlich Signalanlagen heißen)?

Danach folgt natürlich die Praxis. Und wie schon beim Auto gilt auch für die Stadtbahn: Fahren lernt man nicht auf dem Betriebshof. Wir verlassen also den Betriebshof Glocksee in Richtung Humboldtstraße und plötzlich bin ich wieder hellwach: Der Goethekreisel. Blinken, Beschleunigen und Bremsen, Weichen stellen. Kurzzeitig wünschte ich mir, ich wäre diese indische Göttin mit den acht Armen. Hinzu kommt das ungewohnte und Ehrfurcht erregende Gefühl, ein 38t-Fahrzeug zu bewegen. Und die Schilder! Nicht nur, dass die Verkehrsschilder für den Stadtbahnverkehr komplett anders aussehen, sind sie viel kleiner und haben keinen festen Platz. Der Fahrer muss also – eigentlich – die Augen überall haben. Und daran muss man sich als Anfänger erstmal gewöhnen. Da ist das Fahren durch den Tunnel fast wie Urlaub, schließlich muss man da „nur“ auf die Lichtsignale (Ampeln) achten. Doch auch hier muss man als Fahrer enorm aufpassen. Hält man die vorgegebene Geschwindigkeit nicht penibel ein oder überfährt ein „Halt zeigendes Signal“ (eine rote Ampel), sorgt die Zugsicherung direkt für eine Zwangsbremsung. Das ganze Tunnelsystem ist durch die Zugsicherung abgesichert, sodass immer die größtmögliche Sicherheit gegeben ist. Fällt ein Signal aus, bleiben die Züge stehen.

An Tag 4 bekam ich das erstmal eine leise Ahnung davon, was es wirklich heißt, Stadtbahnfahrer/in in Hannover zu sein. Unsere Tour führte mich auf der Strecke der Linie 10 zum Aegi. Schon die Kurt-Schumacher-Straße mit den derzeitig Baumaßnahmen und den damit verbundenen Fahrbahnverengungen, Baggern und LKW mahnte mich, besonders vorsichtig zu sein. Doch dann kommt der Ernst-August-Platz: Mit 10 km/h bewegte ich meine grüne Stadtbahn am Bahnhof vorbei. Vor mir zig Menschen, einige davon laufen einfach drauf los – ohne nach rechts oder links zu gucken. Andere haben Kopfhörer in den Ohren und ich bin nicht sicher, ob sie mich gesehen haben. Das hier nicht jeden Tag mindestens ein Unfall passiert, rechne ich den Kollegen da draußen hoch an. Jeden Tag kämpfen sich die Fahrerinnen und Fahrer durch Fußgängerzonen, über den Bahnhofsvorplatz und den allgemeinen Stadtverkehr. Dabei beweisen sie immer wieder aufs neue, was es heißt, vorausschauend zu fahren und blitzschnell zu reagieren, wenn es nötig ist.

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Meine persönliche Lieblingsstrecke habe ich bis jetzt noch nicht ausmachen können. Aber es bleiben ja noch ein paar Tage, an denen wir noch einige Endpunkte kennenlernen werden. Aber jetzt muss ich erstmal weiter büffeln: Die Signale habe ich nämlich noch nicht alle drauf.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke auch für diesen interessanten Bericht. Ich glaube, so lange man nicht so eine Straßenbahn gelenkt hat, kann man sich keine Vorstellung davon machen, was für eine Herausforderung das (vor allem oberirdisch) ist.
    Was mich interessieren würde: Was bedeuten dann diese ganzen Straßenbahnschilder im Bild? Manche davon sind mir ehrlich gesagt noch nie aufgefallen (und ich nehme in den Silperpfeilen gerne den Platz mit dem Fenster zum Fahrerhäuschen ein und fahre praktisch „mit“).

    • Hallo Nils,

      die Zeichen haben die unterschiedlichsten Bedeutungen. Manche sind ähnlich zu den Autoschildern – also ein Stopp-Schild oder ähnliches -, andere sind spezifisch für Schienenfahrzeuge. Und ja, die sind mir erst auch nicht aufgefallen. Als Fahrgast (auch ich sitze im Silberpfeil oft vorn) und auch nicht an den ersten Fahrschultagen. Die Schilder können nämlich neben den Schienen hängen/ stehen oder man findet sie in der Oberleitung. So ein Fahrer muss seine Augen also wirklich überall haben. ;)

      LG, Christine

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