Nächster Halt: Schlägerstraße
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Nächster Halt: Schlägerstraße

Es gibt Haltestellen- und Stationsnamen bei der üstra, die einen zum Schmunzeln oder Stirnrunzeln bringen. Wieso bloß nennt man eine U-Bahn Station nach einem Schläger und wer oder was ist eigentlich ein Dragoner? Im Netz der üstra gibt es 875 Haltestellen und Stationen mit individuellen Namen. Damit sie alle klar voneinander zu unterscheiden sind, vergibt die üstra möglichst eindeutige Namen. Diese werden auf Basis von verbindlichen Richtlinien ausgewählt, die im gesamten Großraum-Verkehr Hannover (GVH) gelten. Eines der wichtigsten Kriterien dabei ist die Auffindbarkeit der Haltestellen auf dem Stadtplan. Aus diesem Grund orientiert sich die üstra bei der Namensgebung an Straßen, Plätzen, Gebäuden mit ständiger Öffnung (wie etwa Bahnhöfen oder Krankenhäusern) oder markanten Landmarken, die von Fahrgästen jederzeit auch auf einer Karte gefunden werden können.

Weitere Voraussetzung für eine geeignete Haltestellenbezeichnung ist die Nähe zur nächsten Einmündung bzw. Querstraße. Auf langen Straßen wie z.B. der Vahrenwalder Straße wäre sonst das Auffinden einer Haltestelle „Vahrenwalder Straße“ äußerst schwierig. Berücksichtigt werden muss dabei allerdings, dass in der Straße keine weiteren Haltestellen mit demselben Namen liegen. Außerdem gilt, dass Stadtbahnhaltestellen vorrangig behandelt werden. Ein Beispiel: Die Stadtbahnhaltestelle „Dragonerstraße“ liegt in der Vahrenwalder Straße, ziemlich genau an den Einmündungen in die Dragonerstraße. Dort fährt aber auch die Buslinie 133 in Richtung List. Die nächste Haltestelle der Linie 133 liegt in der Dragonerstraße, an der Einmündung zur Isernhagener Straße. Nun ist der Haltestellenname Dragonerstraße allerdings bereits vergeben und die Haltestelle „Isernhagener Straße“ gibt es ebenfalls schon. Die nächstgelegene Querstraße ist jedoch so weit weg, dass sie zur Namensgebung ebenfalls nicht in Frage kam. Also musste die üstra die Haltestelle „Rosenbergstraße“ taufen, obwohl der Fahrgast zweimal abbiegen muss, um in die namensgebende Straße zu gelangen. Allerdings gibt es für diese Regel auch Ausnahmen. Die Haltestelle Marienstraße z.B. trägt schon seit mehreren Jahrzenten ihren Namen und wurde auch zum Bau der U-Bahn-Station nicht umbenannt.

Haltestellennamen_Erklärung

Eine Ausnahme: Die Haltestelle „Rosenbergstraße“ liegt in der Dragonerstraße, obwohl man die Rosenbergstraße von der Haltestelle aus nicht sehen kann.

Darüber hinaus wird darauf geachtet, dass die ausgewählten Namen so kurz wie möglich sind, damit sie in Fahrplänen sowie auf Digitalanzeigen der Fahrzeuge dargestellt werden können. All diese verschiedenen Kriterien zu berücksichtigen gestaltet die Namensfindung oft kompliziert. Zudem müssen diese Namen manchmal auch geändert werden. Zuletzt wurden 2009 im Rahmen eines Austauschs von Haltestellenmasten rund 200 Haltestellen umbenannt. Grundsätzlich ist die üstra jedoch bestrebt Umbenennungen zu vermeiden, da dies nicht nur einen erheblichen finanziellen und organisatorischen Aufwand erfordert, sondern vor allem für Verwirrungen bei den Fahrgästen sorgt. Dennoch lassen sie sich in einigen Fällen nicht vermeiden: Die ehemalige Haltestelle „Krankenhaus Siloah“ wurde z.B. in „Allerweg“ umbenannt, da der Haupteingang des umgebauten Klinikums Siloah inzwischen an der Stadionbrücke liegt.

Endhaltestellen in Hannover bilden in diesem System eine Ausnahme. Sie tragen in der Regel Stadtteilnamen (oder im Falle von Messe/Ost bzw. Nord den Namen einer großen Landmarke), damit für Fahrgäste sofort ersichtlich ist, in welche Richtung die Bahnen und Busse fahren. Die Ausnahme der Ausnahme bildet dabei der Endpunkt „Haltenhoffstraße“, der aufgrund seiner Nähe zur Haltestelle „Nordstadt/Bahnhof“ nicht in „Nordstadt“ umbenannt wird. Außerhalb der Stadt Hannover tragen Haltestellen zudem oft Orts- oder Stadtteilnamen, um den Fahrgästen die Orientierung zu erleichtern. Ein Beispiel: Gleidingen ist ein Stadtteil von Laatzen, der aber weit vom Laatzener Stadtzentrum entfernt liegt und quasi einen eigenen Ort bildet. Dort befindet sich die Thorstraße, an der eine Haltestelle liegt. Daher lautet der Haltestellenname hier „Gleidingen/Thorstraße“.

Die Linie 1 fährt zur Endhaltestelle „Langenhagen“.

Der Ursprung der Haltestellennamen liegt demnach darin, dass sie eindeutig ihre Umgebung aufzeigen. Dadurch kommt eine bunte Mischung von Haltestellennamen zustande. So ist die Haltestelle „Am Küchengarten“ auf der Linie 10 nach dem ehemaligen Kräuter- und Küchengarten des Königshauses benannt, die Dragonerstraße (Linie 1, 2 und 133) erinnert an die berittene Infanterie des kurhannoverschen Militärs bis 1803 mit Stallungen in eben dieser Straße. Und der für eine unterirdische Stadtbahnstation vielleicht irritierend klingende Name „Schlägerstraße“ bezieht sich nicht auf einen Kriminellen, sondern auf D. Franz Ferdinand Schläger (1781-1869), der während seiner Schaffenszeit die Einrichtung einer Blindenanstalt in Hannover anregte.

22 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Stadtbahnhaltestelle „Schlägerstr.“ wird doch ganz friedlich kompensiert: „Nieschlagstr.“ für die Linien 9, 100 und 200.
    Recht witzig finden viele die “ Feldbuschwende“ (Linie 6).

  2. Die Haltestelle der Linie 5 an der Grenze zwischen Hannover und Garbsen liegt scheinbar noch in Hannover und heißt daher „Friedhof auf der Horst“. Die angrenzende Bushaltestelle liegt im Garbsener Stadtteil Auf der Horst und heißt daher „Auf der Horst, Friedhof“.

    • Hi Sebastian,

      Ich frag mal die Kollegen aus der entsprechenden Abteilung. Ich fürchte aber, sie sehen das etwas anders als Du und ich ;)

      LG,
      Ramona

    • Hallo Stefan,

      ganz ehrlich: Das wüssten wir auch gerne. Die Haltestelle heißt seit ihrer Eröffnung im Jahre 1965 Papenwinkel. Es ist uns leider bis jetzt nicht gelungen zweifelsfrei herauszufinden, wie es zu diesem Namen kam. Selbst unsere früheren Mitarbeiter, die sonst alles wissen, wollen sich da nicht festlegen. Wir tippen auf die Gartenkolonie, die vielleicht einmal die Funktion einer Siedlung gehabt haben könnte. Aber das ist Spekulation.

      Eine Umbenennung haben wir 2009 nicht vorgenommen, da die einzige Straße in der Nähe die Peter-Strasser-Allee ist. Sie hat keine Hausnummern und ist eine Parallelstraße (zum Teil sogar nur ein Weg) zur Stadtbahnstrecke. Nach sorgfältiger Prüfung haben wir uns dazu entschlossen, den alten Haltestellennamen beizubehalten, da es keine sinnvollen Alternativen gibt.

      Liebe Grüße,
      Ramona

      • Hallo Ramona,
        ich tippe dabei auf ehemalige Flurnamen, also Grundstücksnamen. Viele solcher Bezeichnungen finden sich heute in Straßennamen wieder, so etwa „An der Tiefenriede“ oder „Im Haspelfelde“. Auf alten Stadtkarten 1:1000 oder Deutschen Grundkarten 1:5000 könnte man daher fündig werden, da dort viele Bezeichnungen eingetragen sind.

  3. Bei den Endhaltestellen gibt es noch weitere Ausnahmen. Beispielsweise heißt die nördliche Endstation der Linie 2 nicht „Sahlkamp“, wie der Stadtteil, sondern „Alte Heide“ – wie eine Straße, die sich etwa auf halbem Wege zwischen dem nach ihr benannten Endpunkt und der nächsten „normalen“ Haltestelle befindet, was insbesondere bei Ortsfremden häufig Verwirrung verursacht.
    Mir ist bekannt, dass der Name „Sahlkamp“ bereits anderweitig vergeben war bzw. ist; ferner weiß ich, dass die in unmittelbarer Nähe der Endstation gelegene „Vogelsbergstraße“ im Jahre 1979 noch nicht existierte, weswegen sie als Namensgeberin ebenfalls nicht in Frage kam.
    Es würde mich jedoch interessieren, ob es noch weitere Gründe dafür gab, dass man vor knapp 37 Jahren für die damals neu eröffnete Endhaltestelle der Linie 19 ausgerechnet den Namen „Alte Heide“ gewählt hat…

    • Hallo Magdalena,

      das sagt unsere Fachabteilung dazu:
      1965 wurde die Straßenbahnlinie 18 eröffnet, die die Neubaustrecke zum früheren Endpunkt Vahrenheide bediente. Hierbei wurde auch die Haltestelle „Sahlkamp“ eingerichtet. Diese wurde mit Eröffnung der Stadtbahnlinie 19, die diesen Ast 1979 übernahm, in „Vahrenheider Markt“ umbenannt. Zunächst sah es so aus, dass man den heutigen Endpunkt Alte Heide tatsächlich Sahlkamp benennen konnte. Es gab hierbei allerdings ein Problem: Eine weitere Bushaltestelle der damaligen Linie 29 an anderer Stelle hieß ebenfalls so, sodass man diesem Umstand Rechnung tragen wollte und nach einem Alternativnamen suchte. Auf Grund der Lage des neuen Endpunktes der Stadtbahn hätten es folgende Möglichkeiten für Namen dieser Haltestelle gegeben:

      – Bothfeld, da der Endpunkt an der direkten Stadtteilgrenze liegt -> schied aus, da es bereits eine Haltestelle der Linie 7 gleichen Namens gab
      – General-Wever-Straße, da an direkter Kreuzung dieser Straße gelegen -> schied ebenfalls aus, da ein derart sperriger Name sich u. a. für die Haltestellenschilder und Zielfilme der Stadtbahnen nicht eignete. Zudem gab es auf dieser Straße bereits weitere Haltestellen.
      – Kugelfangtrift, da der Endpunkt auf dieser Straße liegt -> schied aus, da es eine der längsten Straßen Hannovers ist, die die Lage des Endpunktes herausragend schlecht beschreiben würde
      – Alte Heide, als nächsterreichbare, größere Querstraße -> hierfür wurde dann entschieden. Da es sich bis heute um einen Endpunkt handelt, ist hier Bestandsschutz gegeben, da eine Umbenennung sehr teuer wäre, da alle Systeme auf diesen Namen umgestellt werden müssten.

      Viele Grüße,
      Ramona

  4. Wieder einmal vielen Dank für den interessanten Beitrag. Auch schön zu sehen, dass hier in den Kommentaren mal etwas los ist. :-)

    Ich bin etwas irritiert über den Namen der Haltestelle „Kronsberg“. Denn dies ist nicht die einzige Haltestelle, die am Kronsberg liegt. Denn mit Kronsberg wird ein 6km langer Bereich bezeichnet. Ich würde die Haltestellen Feldbuschwende, Kronsberg, Krügerskamp und Stockholmer Allee (und auch den Endpunkt Messe Ost) alle als am Kronsberg befindlich ansehen und halte die Bezeichnung „Kronsberg“ daher für ziemlich uneindeutig. Vermutlich ist der Hintergrund, dass Kronsberg die Haltestelle ist, die dem höchsten Punkt des Kronsberges am nächsten liegt, ist das so richtig? Wobei ich das mit rund 500m Entfernung (Luftlinie) auch etwas weit hergeholt finde (im wahrsten Sinne des Wortes). Gab es hier auch Überlegungen für alternatie Bezeichnungen. So alt ist die Haltestelle ja nun noch nicht…

    • Hallo Nils,

      vielen Dank für dein Lob :)

      Meine Kollegen sagen zum Thema „Kronsberg“ folgendes:
      Der Haltestellenname „Kronsberg“ ist ein Zwischenendpunkt der Stadtbahn, da dort ein Kehrgleis für Stadtbahnen vorhanden ist. Des Weiteren liegt er in zentraler Lage der Siedlung Kronsberg, auf die sich der Name, wie auch auf den relativ direkten Zugang zur Erhöhung gleichen Namens bezieht. Auf Grund des Faktors Endpunkt genießt der Haltestellenname Bestandsschutz, da eine Umbenennung in einem wirtschaftlich nicht zu vertretenden Rahmen liegen würde. Eine Umbenennung wäre hier grundsätzlich zudem nur schwer möglich, da die Alternativen „Wülferoder Straße“ (Haltestelle gleichen Namens auf der Linie 330 bereits vorhanden), „Kattenbrookstrift“ (weitere Haltestellen auf dieser Straße) und „Oheriedentrift“ (weitere Haltestellen auf dieser Straße) nicht in Frage kommen.

      Ich hoffe, dass hilft dir erst mal weiter.

      Liebe Grüße,
      Ramona

      • Hallo Ramona,

        vielen lieben Dank für diese schnelle und umfassende Antwort! Ja, das hilft mir sehr weiter, da das interessante Informationen sind. Mal sehen, wann ich das erste Mal eine Stadtbahn mit dem Endpunkt „Kronsberg“ sehen werde. Hoffentlich nicht so bald, denn das würde bedeuten, dass hinter diesem Punkt irgendwelche Störungen vorliegen. ;) Oder gibt es weitere Szenarien, in denen Kronsberg als „Zwischenendpunkt“ genutzt werden könnte?

        • Hi Nils,

          als Endpunkt würde man die Haltestelle „Kronsberg“ tatsächlich vor allem im Störungsfall verwenden, da dort eben eine Kehranlage eingerichtet ist, in der die Bahnen wenden können. Aber auch im Falle von Zusatzverkehren wäre dies ggf. denkbar. Wobei sicherlich zuerst immer der unweit liegende Endpunkt der Linie 6 angefahren werden würde. Lass uns also hoffen, dass du den Endpunkt „Kronsberg“ sobald nicht als Ziel einer Bahn angeschlagen siehst.

          Liebe Grüße,
          Ramona

  5. Ich finde den Beitrag sehr interessant. Das mit den Haltestellennamen ist zugegebenermaßen sehr kompliziert. Gerade der wirtschaftliche Aspekt interessiert mich. Müssen nicht eigentlich die Region Hannover oder die Städte die Kosten für eine Haltestellenumbenennung tragen? Wer trägt eigentlich die Kosten, wenn Stadtbahnlinienbezeichnungen hinzukommen, Linienwege sich ändern oder neue Linien hinzukommen, so wie die geplante Linie 13 nach Wettbergen? So finde ich die durchgestrichenen Linien in Hannover sehr verwirrend. Es wäre ja schade und unflexibel, wenn man diese nicht abschaffen könnte, weil es wirtschaftlich nicht vertretbar wäre, die Haltestellenschilder zu ändern. Nach einer gewissen Zeit bleicht die Schrift ohnehin aus oder sie werden leider beschädigt. Klare Haltestellen- und Linienbezeichnungen sind für mich die Visitenkarte eines Verkehrsunternehmens.

    • Hi Jan,

      entschuldige die späte Antwort, ich musste das selbst erst mal recherchieren. Die Umbenennungen werden von der üstra (wenn es sich um reine üstra Haltestellen handelt) oder vom GVH bezahlt, da die jeweiligen Unternehmen ja für die Umbenennungen zuständig sind. Entsprechend wird versucht, Umbenennungen wirklich nur dann durchzuführen, wenn sie absolut notwendig sind. Schließlich zieht das immer einen immensen finanziellen und logistischen Aufwand nach sich. Am besten geht es immer noch zum Fahrplanwechsel, da dann z.B. die Fahrpläne sowieso angefasst werden müssen.

      Durchgestrichene Linien (auf den Zugzielanzeigern) haben übrigens einen anderen Hintergrund: Während halbe Linien früher bedeuteten, dass nur ein Teil der eigentlichen Linie befahren wurde, sollen sie heute Aufmerksamkeit erzeugen. Denn eine durchgestrichene 2 zum Beispiel fällt unter den sogenannten Y-Verkehr, wird also an der Peiner Straße auseinander gekuppelt und fährt als Einzelwagen mit unterschiedlichen Zielen weiter. Damit das auch alle mitbekommen, zeigt die durchgestrichene 2 an, dass es sich nicht um eine reguläre Linie 2, sondern einen anderen Fahrweg handelt.

      Viele Grüße,
      Ramona

  6. Pingback: Haltestellennamen – Teil 2 | Fahrtenbuch

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