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„Ich liebe es hier“

Ein buntes Stück deutscher Geschichte steht seit letzter Woche auf dem Betriebshof Glocksee. Ein vom britischen Künstler Tim Davies bemaltes Stück der Berliner Mauer ist jetzt bei der üstra zuhause und wird geziert von der bunten Pop-Art Kunst des gebürtigen Walisers. Genau wie dieses Stück Mauer ist auch Tim Davies über Umwege nach Hannover gekommen. Während seines Kunststudiums in London lernte er auf einer Party die Liebe seines Lebens kennen, eine Hannoveranerin. Nach vielen gemeinsamen Jahren in der englischen Metropole zog es die beiden 2008 in die niedersächsische Landeshauptstadt. Und diesen Umzug bereute Tim bis heute noch keinen Tag.

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„Hannover ist ‚more relaxed‘ als London, hier konnte ich endlich wieder klar denken“ erklärt der sympathisch schüchterne Künstler die Vorzüge seiner neuen Heimatstadt. Ihm gefällt vor allem wie grün Hannover ist. „Außerdem gibt es hier alles was auch Weltstädte zu bieten haben, Theater, Shopping, Kultur. Aber gleichzeitig ist auch alles schnell zu erreichen, sogar raus aufs Land kommt man schnell.“ Erst hier in der „small and big city“ habe er wieder Luft gehabt zu atmen und davon profitiert vor allem seine Kunst.

Seit seinem dritten Lebensjahr hat Tim den Zeichenstift nicht mehr zur Seite gelegt, mit 10 gewann er seinen ersten Kunstwettbewerb – zur Gestaltung von Weihnachtskarten. Als Schüler verkaufte er seine ersten Bilder an seine Freunde, gemalte Formel 1 Bilder für ein paar britische Pfund. Dann folgte das Kunststudium in London, an dessen Ende ihn eine Design Agentur entdeckte und unter anderem als Designer für ein Pink Floyd Plattencover engagierte. Doch bis er von seiner Kunst leben konnte, dauerte es noch einige Zeit, in denen Tim mit Bildern für Schulbücher, Kneipen und Bühnen seinen Lohn verdiente.

Ziel seiner Pop-Art Kunst ist es, die Welt ein bisschen bunter zu machen. „Es gibt so viele Probleme auf der Welt, da will ich einfach positiv, optimistische Botschaften verbreiten und mit kräftigen Farben und meinen Figuren die Welt ein bisschen freundlicher gestalten.“ Das hat Tim auch schon bei der üstra geschafft , z.B. mit dem Titelbild für die Broschüre zum Jubiläum der „Roter Punkt“ Aktion im Jahr 2009.

Hannover, so findet Tim, ist der ideale Ort für seine Arbeit. Denn, auch wenn er sich an die „anfangs kühle, aber ehrliche und freundliche Art“ der Hannoveraner erst gewöhnen musste, fühlt er sich inzwischen inspiriert von der norddeutschen Mentalität und sagt: „Ich liebe es hier.“

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Hinter den Kulissen der protec

„Wenn du auf diesen Knopf drückst, spricht sofort ein üstra Mitarbeiter mit dir und du kannst dir Hilfe holen“. Als der protec Mitarbeiter der neunjährigen Tina die Info- und Notrufsäule am Steintor erklärt, hört die Schülerin aus Kleefeld gespannt zu. Sie fährt gerne mit der Bahn, aber wozu diese Säulen in den Stationen da sind, das wusste sie bisher nicht so genau. Um ihr und anderen jungen Mädchen die Sicherheitsmaßnahmen in den Stationen, Bussen und Bahnen zu erklären, lud die üstra im Rahmens des Projekts „Mädchen in der Stadt“  (Ein Kooperationsprojekt von „Mein Hannover 2030“) 80 Mädchen im Alter von 8 bis 12 Jahren ein und ließ sie einen Nachmittag lang sämtliche Fragen rund um die Sicherheit bei der üstra stellen.

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Und so staunten die Mädchen nicht schlecht, als sie die protec Zentrale am Kröpcke betreten durften. Auf zahlreichen Bildschirmen und Monitoren werden dort die Stationen, Zugänge, Verteilerebenen und auch einige oberirdische Haltestellen überwacht, die Mitarbeiter haben rund um die Uhr ein Auge darauf, dass den Fahrgästen nichts passiert oder das sich z.B. alle an das Rauchverbot halten. Wenn Tina oder die anderen Mädchen nun auf den Notrufknopf an den Info- und Notrufsäulen in einer Station drücken würden, könnte ein Mitarbeiter der protec von hier aus sofort mit der Kamera auf sie schalten und hätte sie sicher im Blick. Außerdem kann sowohl die protec Leitstelle als auch die üstra Leitstelle sofort die Polizei oder einen Notarzt rufen, wenn zum Beispiel ein Fahrgast einen Herzinfarkt hat oder sich jemand bedroht fühlt. Die Mitarbeiter der protec sind aber nicht nur in der Leitstelle, sie gehen auch Tag und Nacht Streife und sind so immer präsent und für alle Fahrgäste ansprechbar.

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Sollten sich die Mädchen mal in den Bahnen unsicher fühlen, können sie jeder Zeit die Fahrer ansprechen. In den Silberpfeilen und im neuen TW 3000 gibt es extra Sprechstellen dafür, im grünen TW 6000 kann man den Fahrer direkt ansprechen. Außerdem sind auch einige Busse und Bahnen mit Kameras ausgestattet, um potenzielle Kriminelle davon abzuhalten, etwas anzustellen. Dies hat nicht nur eine abschreckende Wirkung, die Mädchen können sich dadurch auch sicherer fühlen.

Am Ende des Nachmittags kommt dann auch Tina zu dem Fazit, dass sie auch in Zukunft weiter gerne mit der Bahn fahren möchte, denn wenn tatsächlich mal etwas passiert, dann, das weiß sie jetzt, ist schnelle Hilfe nicht weit.

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Die Räder stehen nie still – Wenn Busse die Bahnen ersetzen

Die Räder stehen nie still – Wenn Busse die Bahnen ersetzen

„Busse ersetzen Stadtbahnen in der City“ könnte eine typische Pressemitteilung lauten, wenn ich mal wieder einen SEV ankündige. Dabei handelt es sich nicht um eine Sprachentwicklungsverzögerung (wird kurz auch SEV genannt) sondern um unsere Schienenersatzverkehre. Davon sprechen wir immer dann, wenn die Stadtbahnen nicht weiter fahren können und der Schienenverkehr durch Busse oder Taxen ersetzt werden muss. SEV können dabei von langer Hand geplant sein, zum Beispiel bei Baumaßnahmen wie jetzt an der Station Markthallte. In solchen Fällen weiß die üstra oft schon mehrere Monate vorher, an welchen Tagen die Stadtbahnen nicht ihre gewohnten Strecken zurücklegen können. Es gibt aber auch die plötzlich auftretenden Störungen wie Unfälle oder defekte Bahnen, die nicht vorhersehbar sind und einen spontanen Ersatzverkehr erfordern.

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Etwa 15 bis 20 geplante SEV pro Jahr werden vom üstra Fahrplanbüro in Zusammenarbeit mit den Betriebsbereichen Bus und Bahn organisiert. Es gilt, Dienst- und Einsatzpläne anzupassen und die Fahrgäste frühzeitig und detailliert über die geplanten Maßnahmen zu informieren (z.B. via Facebook und Twitter oder über die Presse). In der Regel haben die Planer dafür mindestens zwei bis drei Monate Zeit. Nach Möglichkeit werden diese Maßnahmen in die Nacht, auf Wochenenden oder in die Ferien gelegt, damit so wenig Fahrgäste wie möglich auf dem Weg zur Arbeit oder in die Schule betroffen sind.

Anders sieht es bei ungeplanten Schienenersatzverkehren aus, die durchaus mehrmals die Woche, manchmal sogar mehrfach an einem Tag benötigt werden. Ursachen können Unfälle sein, aber auch defekte Stadtbahnwagen oder höhere Gewalt, wenn z.B. nach Unwettern Bäume auf den Gleisen liegen. In diesen Fällen arbeiten bis zu acht Mitarbeiter in der Betriebsleitstelle und vor Ort daran, möglichst schnell für Ersatz sorgen. Dazu gehört, je nach Störungsursache, sofort die Polizei und die Feuerwehr sowie alle sich im Einsatz befindlichen Fahrer zu benachrichtigen. Parallel dazu werden eventuell vorhandene Reservisten auf den Betriebshöfen alarmiert, die mit leerstehenden Bussen zum gesperrten Streckenabschnitt aufbrechen. Dieses Reservepersonal, das während seines Dienstes auf den Betriebshöfen Bürotätigkeiten nachgeht, steht in mehreren Schichten den gesamten Tag auf Abruf bereit, um so auch in Notfällen den Verkehr aufrecht erhalten zu können. Sind bereits alle Reservisten im Einsatz, können zudem Busse und Fahrer von kleineren Buslinien abgezogen oder üstra Taxen gerufen werden.

Wissen die Ersatzfahrer Bescheid, gilt es, die Fahrgäste über den Schienenersatzverkehr zu informieren. Mittels Durchsagen und der Laufschrift auf den digitalen Anzeigen wird ihnen erklärt, wie sie trotz der unbefahrbaren Strecke mit dem Ersatzverkehr weiterfahren können. Problematisch ist, dass aufgrund der Kürze der Zeit oft nur wenige Mitarbeiter die Fahrgäste vor Ort benachrichtigen können. Deshalb gibt die üstra seit 2014 auch über Twitter sämtliche Verkehrsmeldungen an die Fahrgäste weiter. Denn: je besser die Fahrgäste über die Störung und den SEV informiert sind, desto schneller können sie sich darauf einstellen und ohne großen Ärger an ihr Ziel kommen. Nach dem ungeplanten SEV müssen die Bahnen auf der freigegebenen Strecke wieder eingetaktet werden, also wieder in ihrem regelmäßigen Takt und vor allem pünktlich auf der Strecke sein, um auch Anschlüsse wieder garantieren zu können._MG_4729_web

Damit bei der üstra alle beteiligten Fahrer, die Betriebsleitstelle sowie das Kundenzentrum auch die Routen und Teilstrecken der Ersatzverkehre kennen, verfügt die Betriebsleitstelle über ein 150 Seiten starkes Störungskonzept, dass alle wichtigen Fakten, Routen und Details zu jedem möglichen Streckenabschnitt beschreibt. Nur so wissen alle Mitarbeiter, wie im Störungsfall zu handeln und welche Ersatzhaltestellen anzufahren sind. Denn grundsätzlich hängt die Anzahl der zu ersetzenden Stationen eines Schienenersatzverkehrs nicht davon ab, wie viele Stationen eingeschränkt sind, sondern wo die Bahnen Wendemöglichkeiten, in Form von sogenannten Kehranlagen oder Weichen, haben. Wenn beispielsweise ein Unfall an der Pelikanstraße die Linien 3, 7 und 9 aufhält, muss ein SEV von der Haltestelle Lortzingstraße bis zur Station Klingerstraße eingerichtet werden, da die Bahnen nur an diesen Stationen ihre Richtung wechseln können. Die üstra Mitarbeiter sprechen dann auch davon, die „Linien zu brechen“, also eine Linie in zwei Teile, vor und hinter dem Unfall, aufzuteilen.

Trotz aller Vorkehrungen und Bemühungen gibt es aber auch bei der üstra Situationen, in denen nichts mehr geht. So legte Blitzeis an Heiligabend 2002 den gesamten Verkehr der üstra lahm, da die Oberleitungen vereist und die Straßen für die Busse zu glatt waren. Stundenlang saßen die üstra Fahrer in den Bahnen und auf den Betriebshöfen fest und warteten darauf, wieder weiterfahren und die Hannoveraner zu ihren Familien bringen zu können. Doch erst in den frühen Morgenstunden des 25. Dezember erlaubte das Wetter der üstra, ihren Betrieb wieder aufzunehmen. Abgesehen von solchen Wetterkatastrophen, vor denen selbst die üstra kapitulieren muss, stehen in Hannovers Nahverkehr jedoch nie alle Räder still. Auch wenn das jedes Mal ein logistischer Kraftakt ist: Der Fahrgast wird ans Ziel gebracht – egal ob Baumaßnahmen oder Unfälle im Weg sind. Und das 365 Tage im Jahr.

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Mit pinken Bussen direkt zum Zoo

Vorsichtig löse ich das Klebeband von einem grün-weißen Plakat, das zusammengerollt auf meinem Tisch liegt. Zwei Februar-Tage hing es im Rahmen der Ausstellung „E-Mobilität“ am Eingang des Historischen Museums in Hannover. Als ich das Plakat aufrolle, finde ich unter der Überschrift „Mobilität der Zukunft! Ihre Ideen und Anregungen.“ zahlreiche Vorschläge von treuen Stadtbahn- und Busfans.

üstra, Elektromobilität Ausstellung im Historischen Museum

„Ich wünsche mir, dass die Linie 7 aus Wettbergen direkt zum Zoo fährt (Jan, 4 Jahre alt)“, steht in feinsäuberlicher Schrift auf einem aufgeklebten Zettel geschrieben. Als ich diesen Wunsch lese, lächle ich. Ich stelle mir vor, wie der kleine Jan am Bahnsteig steht, seine kleine Hand klammert sich an die Hand seiner Mutter. Er ist aufgeregt und kann es kaum erwarten endlich zum Zoo zu fahren um dort seine Lieblingstiere zu besuchen. Wie schön wäre es, wenn er einfach in die Bahnlinie 7 steigen könnte und der nächste Halt das Zuhause von Pinguin, Tiger und Co. wäre? Doch leider fährt die Linie 7 nicht direkt zum Zoo. Es ist allerdings tröstlich zu wissen, dass Jan mit seiner Mama nur einmal am Kröpcke umsteigen muss, denn die Linie 11 Richtung Zoo bringt ihn genau dahin wo er hin möchte.

Oder wie wäre es mit Zeichentrickfilmen im Bahn-TV? Es wäre doch eine geniale Idee, wenn man während der Bahnfahrt mit einem witzigen und lehrreichen Zeichentrickfilm unterhalten wird. Zum Beispiel könnte erklärt werden, warum die Trittstufen von Stadtbahnen freigegeben werden müssen, damit die Bahn ihre Reise fortsetzen kann. Das würde bestimmt auch Jan gefallen.

Auch der nächste Vorschlag, zaubert mir ein Lächeln auf die Lippen: Plüschsitze in Bahnen und Bussen. Unwillkürlich frage ich mich, ob dieser Vorschlag aus komfortablen Gründen entstanden ist oder aus Sehnsucht nach den wilden 70ern. Zumindest könnten Plüschsitze der winterlichen Kälte Paroli bieten. Allerdings verziehe ich das Gesicht bei den Gedanken an die sommerliche Hitze in Kombination mit Plüsch auf meiner Haut. Vielleicht sind die bestehenden Sitze doch besser für die tägliche Nutzung geeignet.

Es wurden auch Vorschläge und Wünsche zum Tagesgeschäft abgegeben. Eltern, die mit dem Kinderwagen unterwegs sind, verstehen das nächste Anliegen sicher am besten: Busfahrer sollten Fahrgästen mit Kinderwagen Zeit zum Ein- und Aussteigen geben. Ein verständliche Bitte, denn das Ein- und Aussteigen mit Kinderwagen kann anstrengend und zeitintensiv sein. Dieses Problem wird definitiv weitergegeben, um Busfahrer auf solche Situationen aufmerksam zu machen. Allerdings muss sich auch ein Busfahrer seine Gedanken machen: Er muss einen Fahrplan einhalten, damit die nächsten Fahrgäste sich nicht über Verspätungen beschweren. Darüber hinaus können es überfüllte Busse auch schwierig für den Busfahrer machen, die Situation entsprechend einzuschätzen.

Wenn pinke Busse durch Hannover fahren würden, könnte so mancher Mädchentraum in Erfüllung gehen. Zumindest würden die knalligen Flitzer sofort auffallen, insbesondere an trüben Wintertagen. Allerdings ist die Farbe pink schon für einen großen, deutschen Telekommunikationskonzern reserviert. 😉 Dann bleibt die üstra doch lieber beim dezenten üstra-grün.

„Warum fahren eigentlich keine Doppeldeckerbusse in Hannover? – In anderen Städten wie Berlin fahren sie doch auch.“ Der Grund hierfür ist, dass Doppeldeckerbusse zu hoch sind um in Hannover zum Beispiel am Hauptbahnhof unter den Brücken durchfahren zu können. Deswegen wird bei großem Kapazitätsbedarf ein Gelenkbus eingesetzt.

Der nächste Vorschlag wirft einen Blick in die Zukunft: Wer kennt das nicht? Man möchte mit seinem Fahrrad die Stadtbahn oder den Bus nutzen, aber es mangelt an Platz. Es ist ohnehin schon überfüllt und dann auch noch das Fahrrad irgendwie in den Bus zu bekommen wird schnell zu einer nervenzermürbenden Aufgabe. Da ist der Aufbau eines Fahrrad-Highways doch eine super Idee. Fahrrad-Highways in Glasröhren, die nicht nur vor Platzangst und Stress bewahren, sondern auch Hindernisse wie Straßen und Flüsse überwinden. So entlastet man den Straßenverkehr und vielleicht geschehen auch weniger Unfälle. Und außerdem ist man in jeder Wetterlage gewappnet und muss keine Angst davor haben plötzlich von Regen oder Schnee überrascht zu werden. Wäre es nicht super, wenn die üstra ein Fahrrad-Highway-Netz bauen würde? Wahrscheinlich ist es letztendlich allerdings besser, wenn die üstra bei dem bleibt was sie am besten kann – dem hannoverschen Bus- und Bahnverkehr. Denn, wie sagt man so schön: Schuster bleib bei deinen Leisten oder in diesem Fall üstra bleib bei deinen Schienen.

Haben Sie Ideen und Vorschläge, die Sie uns mitteilen wollen? Dann hauen Sie in die Tasten und lassen uns einen Kommentar da 😉

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„Ich freue mich über Hilfe“

„Ich freue mich über Hilfe“

Brigitte Beschenboßel ist 70 Jahre alt und lebt in Hannovers schönem Stadtteil Bemerode. Sie ist fit mit dem Smartphone, arbeitet noch regelmäßig ehrenamtlich, hat zwei erwachsene Kinder und ist in ihrer Freizeit sehr unternehmungslustig. Doch während all diese Dinge für Sie oder mich ganz selbstverständlich sind, haben sie mich bei ihr sehr beeindruckt, denn Brigitte ist blind.

Wolfgang Angermann und Brigitte Beschenboßel vom Blindenverband Niedersachsen, Regionalverein Hannover (BVN).

Wegen eines Fehlers bei der Geburt gilt Brigitte Beschenboßel als sehbehindert bzw. blind; verbrachte ihr gesamtes Leben im Dunkeln, ohne ihre Liebsten oder ihr Umfeld zu sehen. Genau wie ich ist Brigitte in Hannover zur Schule gegangen, lernte rechnen, schreiben und lesen. Brailleschrift, so heißt die Schrift, die viele von uns nur als Blindenschrift kennen, ist eine Buchstabenschrift die mittels vieler kleiner Punkte blinden Menschen den Weg weist. Zusätzlich zu der Brailleschrift, die bei der üstra z.B. an Aufzügen und Handläufen Orientierung bieten soll, gibt es eine Kurzschrift, „denn stellen Sie sich mal vor, Sie würden Harry Potter mit der normalen Blindenschrift lesen, dann wären die Bücher ja dreimal so dick“, erklärt es Brigitte lachend.

Dass sie nichts sehen kann, hat sie nicht davon abgehalten ein „normales“ Leben zu führen. Als Kind spielte sie verstecken mit ihren Freunden. Als Jugendliche fuhr sie in die Stadt oder ging tanzen. Zog als Erwachsene zwei gesunde und sehende Kinder groß und arbeitete über 15 Jahre für den Blindenverband Niedersachsen, Regionalverein Hannover. „Ich kann zwar nichts sehen, aber trotzdem habe ich Lust aufs Leben“, erklärt sie mir während wir Arm in Arm durch die Stadt gehen.

Klar gibt es Tücken im Alltag: Menschenmassen, unbekannte Orte, Ampeln ohne akustisches Signal, oder auch die verschiedenen Bahntypen der üstra, bei denen sie manchmal nicht sofort weiß, wo sie die Tür finden kann. Deshalb freut sich Brigitte auch immer, wenn ihr Passanten Hilfe anbieten. „Hilfe von sehenden Menschen ist mir immer willkommen. Mir ist es lieber ich werde einmal mehr angesprochen, auch wenn ich vielleicht mal dankend ablehne, weil ich es selber schaffe. Die Leute dürfen dann einfach nicht beleidigt sein, denn dankbar bin ich ihnen trotzdem und freue mich auch nächstes Mal wieder, wenn mir jemand behilflich sein will.“

Als wir von der üstra und ihren Stadtbahnen sprechen, deren ganze Geschichte vom Tunnelbau bis zur Einführung des TW 3000 Brigitte gespannt miterlebt hat, überrascht sie mich wie so oft in unserem charmanten Gespräch. Sie redet von „den grünen“ Bahnen, also dem TW 6000, so als wäre das für einen Blinden das Natürlichste auf der Welt. Denn offenbar „sehen“ Blinde doch mehr, als es mir bisher bewusst war.