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Vom Warten und von Grabsteinen

Ich bin ein großer Fan von Kleinoden. Sie wissen, was Kleinode sind? Nein? Es ist ein altes deutsches Wort für „Schmuckstück“ oder auch „Kostbarkeit“. Von so einer Kostbarkeit möchte ich hier erzählen. Sicher, auf den ersten Blick ist es nichts Besonderes, doch für mich ist es das. Viele hundert Leute gehen oder fahren heute an einem bestimmten Häuschen im Südwesten Hannovers vorbei, ohne zu wissen, was es früher einmal war. Doch warum ist das Häuschen so interessant? Das kann ich Ihnen sagen.

Seit frühester Kindheit bin ich begeisterter Straßen- und Stadtbahnfan. Zum Fan-Sein zählt natürlich auch, dass ich mich mit der Geschichte der üstra beschäftige. Eines Tages wollte ich einmal wissen, was es noch so gibt von der „alten“ ÜSTRA (ja, früher wurde das noch groß geschrieben). Was man z.B. noch im Stadtbild sehen kann. Da dachte ich mir, guck dir doch mal den Endpunkt Landwehrschänke an. Na, suchen Sie jetzt irritiert auf dem Stadtbahn-Liniennetzplan danach? Ich kann Sie beruhigen, die Straßenbahnstrecke dorthin gibt es heute nicht mehr. Sie führte ab der heutigen Haltestelle Beekestraße der Stadtbahnlinien 3, 7 und 17 über den Kreipeweg, die Straße An den Eichhölzern, den Mühlenholzweg direkt am Ricklinger Holz vorbei und dann weiter auf einem eigens angelegten Damm zur Landwehrschänke. Zwischendurch wurden noch die Haltestellen Ricklinger Turm bzw. Monikaheim und Schwarzer Weg bedient. Aber zurück zum Endpunkt Landwehrschänke.

1948_Straßenbahn Warteraum Landwehrschänke_1_üstra-Archiv

1948 wurde das Wartehäuschen errichtet.

Als der zweite Weltkrieg vorbei war, wurden viele der Kriegstrümmer zum Aufbau von neuen Gebäuden wiederverwendet. Das berühmteste Beispiel dafür in Hannover war das 1954 eröffnete Niedersachsenstadion, aber auch „mein“ Häuschen wurde daraus errichtet, denn 1948 und 1949 baute die ÜSTRA mehrere kleinere, aber auch größere Wartehallen. An der Landwehrschänke durfte es dann die größere Variante sein, schließlich war es ja ein Endpunkt. Außerdem muss man wissen, dass die Strecke auch viele Fahrgäste aus Hemmingen hatte, die bis zu dem Endpunkt gelaufen sind. Heute unvorstellbar, steigt man doch einfach in den Bus in Richtung Hannover, vielleicht noch mit Umstieg an der Wallensteinstraße.

Damals aber war an die Busverbindung (mit Ausnahme der dort selten verkehrenden Postbusse) noch nicht zu denken. Und so waren viele Leute sicherlich froh, wenn sie nach gut einem Kilometer Fußweg ein kleines Häuschen erspähten, an dem in großen Lettern „STRASSENBAHN WARTERAUM“ prangte. Wenn die Linie 7, die damals dort nur alle 12 Minuten in Richtung Fasanenkrug abfuhr, gerade weg war, konnte man im wohlgeheizten Warteraum Platz nehmen bis die nächste 7 in der Wendeschleife vor dem Häuschen hielt, mit der man dann in die Stadt fuhr.

1948_Straßenbahn Warteraum Landwehrschänke_7_üstra-Archiv

In diesem windgeschützten Raum konnten die Fahrgäste damals warten.

Doch die ÜSTRA zeigte beim Bau des Warteraums Geschäftssinn: Wenn man schon ein Häuschen errichtet, warum nicht gleich auch einen Teil davon einem möglichen Mieter zur Verfügung stellen? So geschah es dann auch. Ein Steinmetzbetrieb biss an und schnappte sich die kleinen Geschäftsräume auf der Seite, die der Göttinger Chaussee zugewandt ist. Seit diesem Zeitpunkt hatte man die Wahl: Skulpturen und Grabsteine auf der einen, Warten auf der anderen Seite.

Lange konnte man jedoch nicht zwischen diesen Alternativen wählen, da die einsetzende Massenmotorisierung ihren Tribut forderte. Während es nach dem Krieg überhaupt keine Frage war, welches Transportmittel man für die Fahrt in die Stadt nutzte (natürlich die Straßenbahn), ging durch die kostengünstigen Kleinwagen wie Käfer, Ente und Co. der Trend weg vom öffentlichen Verkehr und hin zum Individualverkehr. Das blieb für die Strecke zur Landwehrschänke natürlich nicht ohne Folgen, weil die Strecke sehr stark abseits der Verkehrsströme lag und an der Grenze zum Ricklinger Holz immer schon wenig Fahrgäste zustiegen. So musste das Wartehäuschen dann mit ansehen, wie der letzte Straßenbahnzug der Linie 7 am 27. März 1955 zum Abschied leise Servus sagte, denn ab dem Folgetag fuhr die Bahn nur noch bis zur Beekestraße. Die Zeit als Warteraum für Fahrgäste war nun leider endgültig vorbei, auch wenn auf der anderen Seite – an der Göttinger Chaussee – die „Gummireifen-Straßenbahn“ mit der neu eingerichteten Buslinie W vorbeifuhr. Bis heute wird das kleine Häuschen, inklusive der ehemaligen Warteräume, vom Steinmetzbetrieb genutzt.

Warteraum 2

So sieht das Wartehäuschen heute aus.

Jetzt, im Jahr 2015, erfährt die direkte Umgebung des Häuschens eine radikale Kur. Während alle Gebäude, die in direkter Nachbarschaft liegen, für den Ausbau der Bundesstraße 3 abgerissen werden, steht der ehemalige Warteraum immer noch dort – wie ein Fels in der Brandung. Wenn die Arbeiten zur neuen B3-Umgehung abgeschlossen sind, wird auf der Göttinger Chaussee mit dem Bau einer neuen Stadtbahnstrecke begonnen, die dann bis Hemmingen führen wird. Vielleicht kann „mein“ Häuschen so noch einmal von einem schicken, neuen TW 3000 beim Vorbeifahren gegrüßt werden. Zu wünschen wäre es ihm.

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Hannovers größte Waschmaschinen

Feinstaub, Schneematsch, Regen, Laub – unsere Stadtbahnen- und Busse sind das ganze Jahr über sehr vielen Schmutzquellen ausgesetzt. Damit sie trotzdem immer eine gute und vor allem saubere Figur machen, fahren unsere Werkstattmitarbeiter die Fahrzeuge regelmäßig in eine unserer fünf Waschanlagen auf den Betriebshöfen.

In der Waschanlage auf dem Betriebshof Leinhausen geht es dem Schutz an den Kragen.

In der Waschanlage auf dem Betriebshof Leinhausen geht es dem Schutz an den Kragen.

Doch bevor es für die Bahn nass wird, muss der Strom abgestellt werden. Denn erst wenn die Batterie ausgeschaltet ist und keine Elektrizität mehr durch den Stromabnehmer fließt, kann die Waschanlage gestartet werden (Wasser und Strom vertragen sich ja bekanntermaßen nicht allzu gut). Wer schon einmal sein Auto in die Waschanlage gefahren hat, weiß auch, wie wichtig der zweite Schritt ist: Türen und Fenster müssen verschlossen sein, damit am Ende nicht auch der Innenraum unfreiwillig mit gewaschen wird. Welches Programm dann gestartet wird, hängt immer von der Verschmutzung und dem Stadtbahntyp ab. So gibt es – fast wie bei einer Waschmaschine – ein Kurzprogramm, die Normalwäsche und eine Intensivreinigung. Und da es wie bei unserer Kleidung auch einen Unterschied macht, ob man Bettwäsche oder Blusen wäscht, bekommt auch jeder Stadtbahntyp sein ganz eigenes (Verwöhn-)Programm.

Ein Mitarbeiter wählt das Waschprogramm für die Bahn aus.

Ein Mitarbeiter wählt das Waschprogramm für die Bahn aus.

Unsere Busse sind übrigens was die Fahrzeugpflege angeht deutlich weniger anspruchsvoll. Sie können alle mit ein und demselben Programm gewaschen werden, dafür müssen sie aber auch viel häufiger in den Waschanlagen antreten als die Bahnen. Besonders im Herbst und Winter haben die Busse das Nachsehen. Während nämlich die Bahnen in eigenen Gleisbetten fahren und von Rollsplit, Laub und Spritzwasser weitestgehend verschont bleiben, kommen die Busse abends oft ziemlich dreckig nach Hause. Zum Vergleich: Während es unsere rund 290 Stadtbahnwagen zusammen auf ca. 9.000 Wäschen im Jahr bringen, brauchen die knapp 130 Busse etwa 27.000 Waschgänge pro Jahr.

Busse müssen 3 Mal häufiger gewaschen werden als Bahnen.

Da bei so vielen Waschgängen jede Menge Wasser benötigt wird, „recycelt“ die üstra das Waschwasser in sogenannten Wasseraufbereitungsanlagen. Dort wird das benutzte Wasser von  Dreck und Schmutz getrennt und kann in der nächste Wäsche wiederverwendet werden. Außerdem macht sich die üstra den – in unseren Breitengraden leider recht häufig fallenden – Regen zu Nutze, indem für das Waschen der Fahrzeuge überwiegend Regenwasser eingesetzt wird. Gewaschen werden die Fahrzeuge übrigens vor allem nachts oder an den Wochenenden, da sie unter der Woche ja im Einsatz sind.

Wenn Sie unsere Fahrzeuge nun einmal in die Waschanlage begleiten wollen, haben wir hier genau das richtige Video für Sie:

 

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Zur Schule mit Bus und Bahn

Für die Großen hat das neue Schuljahr schon am Donnerstag begonnen, aber ab Montag kommen auch die ganz „Kleinen“ – nämlich die Erstklässler – dazu. Auch sie legen ihren Schulweg schon mit unseren Bussen und Bahnen zurück. Am Anfang wahrscheinlich noch mit den Eltern oder älteren Geschwistern, später dann vielleicht auch schon allein. Deshalb haben wir ein paar Tipps, wie der Schulweg mit Bus und Bahn von Anfang an gut klappt:

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(1) Rechtzeitig von zuhause losgehen, damit ihr am Ende keine Eile habt und dann auch der Bahn nicht hinterher rennen müsst. Am besten hast du den Schulweg mit deinen Eltern oder größeren Geschwistern vorher schon mehrmals geübt: An welcher Haltestelle musst du aussteigen? Wo geht es dann lang konkret zur Schule?

(2) Denkt an euer Ticket! Wenn ihr mehr als 2 km von eurer Schule entfernt wohnt, erhaltet ihr eine SchulCard. (Genaue Infos findet ihr dazu hier.)

(3) Immer gucken, wenn ihr über die Straße geht oder die Schienen überquert, denn manchmal hört man zwar nichts, aber die Bahn kann trotzdem schon ganz nah dran sein. Besondere Vorsicht an BAHNÜBERGÄNGEN.

(4) Vorsicht an der Bahnsteigkante! Am besten bleibt ihr bis die Bahn wirklich gehalten hat, hinter der „weißen“ Linie stehen. Diese hilft nicht nur sehbehinderten Menschen sich zu orientieren, sondern bietet einen sicheren Abstand zur heranfahrenden Bahn.

(5) Nicht drängeln und schubsen – weder auf dem Bahnsteig oder der Haltestelle, noch später im Fahrzeug!

(6) Wenn es einen freien Platz gibt am besten immer hinsetzen! Sollte das nicht gehen, dann aber richtig gut festhalten. Es kann schließlich immer mal dazu kommen, dass die Bahn oder der Bus mal abrupt bremsen muss.

(7) Falls ihr unsicher seid, Fragen habt oder es einen Notfall gibt: Sprecht den Fahrer an!

(8) Denkt an eure Rucksäcke, Turnbeutel und/ oder Jacken. Im Zweifel landet es später zwar im üstra Fundbüro, aber bis ihr es dort abgeholt habt, habt ihr eben keinen Turnbeutel.

(9) Besondere Vorsicht gilt auch beim Aussteigen: Achtet besonders auf Autos und Radfahrer! Nicht alle Autofahrer erinnern sich an die Vorschrift, an haltenden Bussen mit Warnblicklicht nur Schrittgeschwindigkeit zu fahren. Am besten überquert ihr die Straßen erst, wenn der Bus oder die Bahn abgefahren ist.

Wir wünschen euch jedenfalls einen super Start in diesen tollen neuen Lebensabschnitt und freuen uns, ein Teil eures Schulalltags zu sein.

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Kilt wird Kult: Mit der Rockgruppe kommt der Sinneswandel

Natürlich war da zuerst dieser Gedanke: „Was soll denn das nun wieder?“ Fahrer in Röcken. Männer, die für mehr Frauen im Unternehmen werben sollen. Ja, zugegeben, es blitzte sofort manches Vorurteil auf. Soll da ein Sommerloch möglichst apart angefüttert werden? Ist jemandem in der Sommerhitze ein wenig plümerant in seiner Kreativabteilung geworden? Und: Lassen sich ausgerechnet Frauen von Männern in Röcken anlocken? Geht das nicht eher nach hinten los? Wie auch immer, verrückt. Vorsorglich ging eine Mail an den Redakteur eines der Medien, für die ich schreibe. Sollte zum Pressefoto auch der Vorstand im Rock einlaufen, dann wäre dies wohl das Motiv für Seite 1 des wöchentlichen Branchenblattes. Dazu ein Text, der vielleicht Begriffe wie „Einsparungen“ und „schottisch“ beinhalten könnte. Soll die Nahverkehrs-Fachwelt doch mal wieder über die Hannoveraner reden. Die hatten ja auch schon „Heinrichs Badezimmer“ und allerlei anderes – auch ganz buchstäblich schräges – Design ins Stadtbild gebracht. Manches wurde zum Klassiker. Die BusStops. Das Lindgrün. Nicht alles hatte gleich und überall Begeisterung ausgelöst. Nun also Fahrer in Röcken. Ist da jetzt eher Ironie oder doch lieber leichter Sarkasmus angesagt? Auch der innere Historiker meldete sich vehement: Wie mit der Tatsache umgehen, dass Röcke vor ziemlich genau 100 Jahren zum ersten Mal bei der Straßenbahn Hannover Einzug hielten – aus ganz anderen Beweggründen: kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges mussten Frauen die massenhaft rekrutierten Fahrpersonale ersetzen. Not-zeiten damals. Heute ist doch alles völlig überdreht.

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Foto: Florian Arp

Am Tag der Vorstellung – die Üstra-Pressemitteilung titelte noch knochentrocken „üstra Fahrer tragen Röcke“ – sah dann alles ganz schnell ganz anders aus. Neun Mann perlten unter brennender Sonne fröhlich aus dem passend mit ihren lebensgroßen Abbildern dekorierten Linienbus. Wie sie auch alle anderen Teilnehmer der Pressekonferenz bester Laune. Happy Happening am Hauptbahnhof. OK, Vorstandsherren tragen keine Röcke, das muss man akzeptieren. Obwohl… zumindest farblich gepasst hätte es schon… Das Bild aber ist schon mal dahin. Schade eigentlich. Dame im Dienstrock auch keine greifbar. Mal sehen, was sich fotografisch machen lässt, nur mit Männern und Röcken, knapp kniefrei. Man kennt sich, schnell sind die erste Aufstellung, die zweite und dritte Bildidee organisiert. Alle machen mit. Die Fotografen wirbeln. Das Motiv fesselt. Trotz der knalligen Sonne mit allen Folgen für die Aufnahmen. Die Fröhlichkeit steckt an. Das Wort von der „Rockgruppe“ macht die Runde. Mehr Beinfreiheit. Hier wird am Saum gezupft, dort ein Rock gelupft. Nicht immer der eigene. Der fotografisch etwas problematische Ort für den Pressetermin, zwischen Busspur und Kaufhof im Fußgängertrubel, erweist sich als doch richtig gut gewählt. Nebenan ist italienischer Markt. Am Rande stockt der Strom der Reisenden wie erkaltende Lava. Projektleiterin Claudia Kudlinski gibt Interviews, ebenso die Protagonisten, der Vorstand, die Betriebsratsvorsitzende. Passanten bleiben stehen. Hören zu. Sehen zu. Eine größere Gruppe junger Damen aus einem der Länder Asiens ist bei aller Zurückhaltung doch ganz besonders interessiert. Daheim machen sie Marketing. Na prächtig! Da wird sich wohl das eine oder andere Bild binnen Minuten um den Globus verbreitet haben. Blicke folgen so ziemlich jeder unserer Bewegungen. Schotten sind ansonsten nicht zu sehen.

Die Herrenröcke, ein Begriff, der schwer aus den Fingern will, sind von der Designerin Thekla Ahrens ziemlich perfekt an die Linie ihrer noch jungen Üstra-Dienstkleidung angepasst. Der zweite Blick offenbart: es gibt zweierlei Rock am Üstramann. Da ist der klassische Kilt, ohne Karo zwar, aber vielfältig in Wurf und Schnitt am Schottenrock orientiert. Und da ist der Casual-Look, ein Cargo-Rock mit aufgesetzten Taschen und kleinen Applikationen. Der sitzt wie Bermuda-Shorts, bei denen man die Beine zu trennen vergaß. Wieder muss der Skeptiker anerkennen: Passt! Auch die Professionalität der Models überrascht. Einige der Herren im Kilt standen schon mit der „normalen“ Dienstkleidungs-Kollektion Modell, es ist an ihren Bewegungen zu merken. Alle aber wissen im Rock zu agieren. Es muss wohl eine spezielle Schulung gegeben haben, denkt der noch nicht berockt gewesene Beobachter. Männern wurde ja weder in Wiege noch Fahrerkabine gelegt, sich im Rock richtig zu bewegen. Positiv sei bislang jedes Feedback gewesen, sagen sie. Einige freuen sich schon auf das gewisse Quäntchen mehr Frischluft an heißen Tagen. Schorse scherzt: Fahrersitz ganz hoch, Ventillator auf volle Leistung. Die Fotografenkollegen brauchen noch Fotos am Fahrerplatz. Im Bus. Ohne Gebläse.

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Foto: Florian Arp

Statements. Fragen. Antworten. Wie immer. Und doch ganz anders. Klar ist die Absicht der Aktion, es geht um Werbung, für mehr Frauen, für mehr Mitarbeiterinnen, für mehr Azubi(e)nen – was so selbstverständlich niemand sagt – , also mehr Bewerbungen von Frauen, für eine bessere Quote. Von 17 auf 22 Prozent soll sie steigen, bis 2022. Es gibt Fakten, Zahlen, Zitate, Hintergründe. Der Rock, vielleicht primär als Mittel zum Zweck gedacht, kann aber auch zum Selbstläufer werden. Die Fahrer wollen vielleicht, gelegentlich, auch weiterhin Rock tragen. Im echten Leben, auf dem Bus, auf der Bahn. Nicht nur fürs Werbefoto und für den Pressetermin. Etwas Mut wird freilich dazu gehören, im Sahlkamp und in der „Roderbronx“, aber auch am Pferdeturm und in Isernhagen-Süd. Lassen wir uns überraschen und hoffen wir auf eine überall so fröhlich-freundlich-interessierte Aufnahme wie bei der Premiere am Hauptbahnhof. Kilt und Cargorock gehören fortan zur Kollektion der „Markenbotschafter“, heißt es. An einen gefütterten Winterrock jedoch sei nicht gedacht, aber, nein, das alles ist kein Spaß. Das Tragen sei freiwillig. Es macht munter. Später wird man rückblickend vielleicht von einem einschneidenden Tag für das Unternehmen sprechen. Von einem Kulturwandel. Von einem Anstoß. Von Hannover ausgehend. Denn man(n) los!

Tags drauf hatte übrigens Sean Connery Geburtstag. Einen runden. Der Sir ist bekanntlich überzeugter Schotte. Sollte auch seine Zeitung just an diesem Tage ein Bild aus Good old Germany gedruckt haben, von Männern in Röcken an Bus und Bahn, es könnte ihm gefallen haben. Das Presseecho jedenfalls sollte ein internationales sein. So wie damals beim Gehry-Tower. Der ist ja auch ganz schon schräg. Im Vergleich zur coolen Rockgruppe aber verdammt kühl. Kilt wird Kult. Jetzt. Hier. In Hannover. Üstra rocks.

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Nahverkehr des Grauens

Rom – die ewige Stadt. Jeder Mensch sollte einmal in seinem Leben dort gewesen sein. Dem Rauschen des Trevi-Brunnens zugehört, auf dem Campo de Fiori einen Capucchino getrunken, in den Ruinen des Forum Romanum dem Waffengeklirr der römischen Legionen nachgelauscht und nächtens auf der Spanischen Treppe in den Sternenhimmel geschaut haben. Was für eine faszinierende, wundervolle Stadt! Nur den Nahverkehr in Rom sollte man tunlichst meiden. Gut, es ist schon zehn Jahre her, dass ich diese Erfahrung machen durfte, Bekannte aber, die erst letztes Jahr da waren, haben mir bestätigt, dass sich seitdem nicht viel zum Besseren getan hat.

Ja, die Millionenstadt Rom hat eine U-Bahn. Das Traurige daran: zwei Strecken, zwei Linien. Zusammen 45 Haltestellen. Nur so zum Vergleich: Hannovers Stadtbahn hat vier Strecken, 12 Linien, rund 190 Haltestellen. Rom hat 2,8 Millionen Einwohner, Hannover 500.000. Als ich in Rom war, wollte ich einmal Sonntagabend um 23 Uhr mit der U-Bahn nach Hause fahren. Ging aber nicht – die U-Bahn war schon geschlossen. Was vielleicht auch besser war, dem bestialischen Gestank nach zu urteilen, der mir aus dem Rollgitter am U-Bahn Abgang entgegenwehte. Die Kloaken Roms zu Kaiser Augustus Zeiten können nicht schlimmer gerochen haben. Es gibt auch eine Straßenbahn in Rom, die man aber vernachlässigen kann, weil sie nur kleinere Teile der Stadt im Norden bestreift. Das ist wohl mehr ein Museumsbetrieb, schätze ich, so wie bei uns in Sehnde-Wehmingen.

Bleibt der Bus. In der Tat ist das Netz sehr dicht. Das Problem ist nur, dass die meisten Straßen in und um das Zentrum Einbahnstraßen sind. Hat man also die richtige Haltestelle gefunden – was nicht so einfach ist, da man den Liniennetzplan offenbar nur in einigen ausgewählten Buchhandlungen der italienischen Hauptstadt erwerben kann – führt sie meist in die falsche Richtung. Wegen der Einbahnstraße befindet sich die Haltestelle der Linie in die andere Richtung nicht etwa gegenüber, sondern ganz woanders. Viel Spaß beim Suchen. Manche behaupten, Haltestellen-Lagen und Busverbindungen seien in Rom Familiengeheimnisse, die das Oberhaupt auf seinem Sterbebett dem Erben ins Ohr flüstert.

Haltestellenhäuschen, die beim Warten etwas Schutz vor der gnadenlosen römischen Sonne bieten würden, gibt es so gut wie nirgendwo. Es fehlt der Platz dafür. Haltestelle heißt in Rom: Mast, Fahrplan (zugeschmiert) und Abfalleimer (kaputt). Man darf sich schon glücklich schätzen, wenn es direkt am Haltestellenmast ein wenig Aufstellfläche gibt. Oft fehlt auch hierfür der Platz. Dann muss man sich irgendwo in der Nähe auf die Lauer legen, versuchen den sich nähernden Bus im Verkehrsgewühl ausfindig zu machen, um sich dann – ein Stoßgebet zum Heiligen Vater auf den Lippen – todesmutig in das selbige zu stürzen und die rettende Bustür zu erreichen, bevor sie sich wieder schließt.

Ob die Römer glücklich sind und ihre Stadt lieben? Ich glaube schon. Sie haben aus dem Umgang mit den Widrigkeiten des Lebens (und des Nahverkehrs) eine Kultur entwickelt, um die wir Deutsche mit unserem Hang zur Meckerei sie beneiden können. Wer jemals einen perfekt gekleideten römischen Signore im Maßanzug gesehen hat, mit Krawatte, Manschettenknöpfen und Einstecktuch, mitten in einem völlig überfüllten und überheizten Bus, nicht eine einzige Schweißperle auf der Stirn, während einem selber das alte T-Shirt klitschnass auf dem Rücken klebt, der weiß, was ich damit meine. Es ist bewundernswert.

Und die Römer haben schließlich noch ihre Motorroller, um von A nach B zu kommen. Klein, wendig und dem Automobil in jeder Hinsicht überlegen, mit Elektromotor auch ökologisch über jeden Zweifel erhaben. Darauf kann man eine ebenso gute Figur machen wie seinerzeit Marcello Mastroianni. La dolce vita…

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