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„Arbeiten macht mehr Spaß als Schule“ – Eine Ausbildung bei der üstra

Zuschneiden, feilen, verdrahten, drehen, flexen, schweißen…Was für mich nur eine Sammlung von Worten ist, die ich zuletzt im Werkunterricht gehört habe, steht für Loreen und Lucas aktuell jeden Tag auf dem Programm. Denn die beiden 18-jährigen sind Auszubildende im ersten Lehrjahr und werden später bei der üstra als Mechatroniker arbeiten.

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Lucas und Loreen sind im ersten Lehrjahr bei der üstra.

In der üstra Ausbildungswerkstatt auf dem Betriebshof Glocksee lernen sie drei Tage die Woche alles, was sie später einmal im Betrieb der üstra wissen müssen – und mehr. Hier können sie sich in den ersten zwei Lehrjahren ausprobieren und das Handwerkszeug lernen, ehe es im dritten Lehrjahr dann stationsweise durch alle Fachabteilungen geht. Doch wer denkt, unsere Azubis würden zwei Jahre nur stupide Übungsaufgaben abarbeiten, der irrt. Ihre Ausbildung ist projektbezogen, sodass sie an konkreten Exponaten arbeiten. Sie stellen selber Maschinen her, wie z.B. einen Stadtbahnsimulator oder eine Sortiermaschine. Zwar lassen sich diese Geräte so nicht bei der üstra finden, ihre einzelnen Elemente kommen aber überall im Betrieb vor. Und auch die Störungssuche, wie sie später zum Beispiel bei einer Türstörung durchgeführt werden muss, wird an den eigenen Maschinen geübt. Denn nur wer die grundlegende Mechanik und Elektrik von Maschinen versteht, kann später flexibel bei der üstra arbeiten.

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Neben den fachlichen Fähigkeiten lernen die Azubis auch, wie sie gut im Team zusammen arbeiten können. Auch Loreen, als einziges Mädchen unter den Jungs, fühlt sich wohl und als gleichwertiges Mitglied im Azubi-Team. Bei aller Harmonie sind die Auszubildenden aber auch besonders streng miteinander. Oft sind die Aufgaben und Störungen, die sie einander bauen und stellen, viel schwieriger zu lösen, als die ihrer Ausbilder.

Beitrag4Zusätzlich zu den praktischen Tagen in der Werkstatt  verbringen Loreen und Lucas auch zwei Tage die Woche in der Berufsschule. Allerdings sind sie sich einig: „Das Arbeiten hier macht viel mehr Spaß als Schule“. Und tatsächlich darf der Spaß bei der Ausbildung nicht zu kurz kommen. Deshalb nehmen die üstra Auszubildenden regelmäßig an kreativen Messen wie der MakerFaire oder der IdeenExpo teil, um dort ihre eigenen Projekte vorzustellen und ihr Wissen und Können mit den Besuchern zu teilen. „Bei solchen Messen hängen wir uns besonders rein, da soll für die Besucher alles perfekt sein“, erzählt Lucas.

Am Ende ihrer Ausbildung werden Lucas und Loreen sich, wie die anderen Azubis auch, dann entscheiden können, in welchem Bereich der üstra sie arbeiten wollen. Denn nach jeder Ausbildung steht bei der üstra die unbefristete Übernahme. Und so werden die beiden wohl noch lange als üstraner auf ihre spannende und abwechslungsreiche Zeit in der Ausbildungswerkstatt zurück schauen können.

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Auf Kontrollgang im Tunnel

Die Feuerlöscher oder Entwerter austauschen, Mülleimer oder Sitzbänke reparieren oder auch mal eine Notrufsäule aus dem Gleis holen – das sind die Aufgaben, die Dietmar Heintz, Mitarbeiter im Bereich „Haltestellen und bauliche Anlagen“, täglich erledigt. All das und noch viel mehr läuft bei der üstra unter dem Begriff Instandhaltung und sorgt an 7 Tagen die Woche rund um die Uhr dafür, dass Fahrgäste saubere(re) und funktionierende Haltestellen und Stationen nutzen können. Weil ich wissen wollte, was eigentlich genau hinter den Kulissen der Haltestellen und Stationen passiert, habe ich den Kollegen Heintz einen Tag lang begleitet.

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Ein typischer Arbeitstag beginnt damit, dass er sich in der Betriebsleitstelle zum Dienst meldet, denn die Kollegen müssen immer wissen, wer gerade im Einsatz ist. Parallel dazu schaut er in seinen Mails nach neuen Arbeitsaufträgen. „Natürlich gibt es akute Fälle; für solche Situationen bin ich auf dem Diensthandy erreichbar und kann dann sofort dorthin fahren, wo ich gebraucht werde“, erklärt der gelernte Betriebsschlosser. Nach dem kurzen Stopp am PC geht es an die Arbeit: Wir tauschen Feuerlöscher aus! Wenig spektakulär, aber einmal im Jahr nötig und irgendjemand muss es tun, damit der Feuerlöscher auch funktioniert, wenn er gebraucht wird. Nach den Feuerlöschern macht sich der Kollege Heintz an die Entwerter – die alten blauen Entwerter werden durch neue Grüne ersetzt, da die Farbe Grün für seheingeschränkte Fahrgäste besser erkennbar ist. Während der neue Entwerter noch die Uhr aufdreht, erzählt Herr Heintz mir etwas über die Dinge, die er schon erlebt hat. So wurde zum Beispiel schon mal eine Notrufsäule fahrlässig von Unbekannten aus der Verankerung gerissen und ins Gleis geworfen. Hier galt es dann schnell zu sein, um den Fall von Vandalismus zu beseitigen und den Betriebsablauf nicht zu stören.

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Neben Reparaturarbeiten, Malerarbeiten oder dem Austausch von Feuerlöschern bzw. Entwertern, kümmern sich Dietmar Heintz und seine Kollegen auch um die Wartung der Notausstiege. Diese sind zwischen zwei Tunnelstationen eingerichtet, um in Notfällen Fahrgäste sicher aus dem Tunnel führen zu können. Als ich ihn frage, ob er nicht Angst hätte im dunklen Tunnel unterwegs zu sein, schüttelt er nur den Kopf: „Angst darf man nicht haben und hat man eigentlich auch nicht. Jedes Mal, wenn wir die Tunnel betreten, geben wir der Leitstelle Bescheid und die melden das dann weiter an die Stadtbahnen. Das heißt die Bahnfahrer wissen, dass wir hier sind und fahren dementsprechend langsamer und vorsichtiger als sie es sonst schon tun.“

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Auch die Kontrolle des „Regenwasserpumpensumpfes“ gehört zu den Aufgaben des Instandhaltungsteams. Dort sammelt sich das Wasser, das die Bahnen und Fahrgäste an verregneten Tagen mit in das Tunnelsystem bringen. Als Sumpf wird dieser Bereich übrigens bezeichnet, weil in dem kleinen Raum unter den Stationen ständig ein „Blubbern“ zu hören ist. Leider viel zu oft müssen Dietmar Heintz und seine Kollegen auch Graffitis, Verschmutzungen oder absichtlich verursachte Schäden beheben. „Ich würde es begrüßen, wenn die Leute, die die Stationen und Haltestelle nutzen, sich auch benehmen wie sie es zu Hause tun würden. Wenn etwas repariert werden muss, weil es von irgendjemandem zerstört wurde, dann werden alle Fahrgäste zur Kasse gebeten, und das ist nicht fair“, appelliert Heintz an die Fahrgäste.

Wenn Sie Herrn Heintz auch einmal in Aktion sehen wollen, schauen Sie einfach unser Video dazu bei Youtube an:
[youtube http://www.youtube.com/watch?v=yJ5DXOuVhDU?rel=0&controls=0]

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36 Grad und es wird noch heißer

Der Sommer ist über Hannover hereingebrochen. Und obwohl wir uns seit Wochen über seine Abwesenheit beschwerten, ist es nun natürlich auch nicht recht: Es ist zu heiß. Denn solche Extremtemperaturen  – egal ob -10°C oder +40°C – stellen auch die üstra vor einige Herausforderungen. Denn wer nicht gerade Bademeister oder Verkäufer an der Kühltheke im Supermarkt ist, der muss derzeit im Job ganz schön schwitzen.

Unsere Busse und Bahnen werden von Menschen gefahren, die auch bei 36°C die Hannoveraner an ihr Ziel bringen. Vor allem die Kollegen in unseren grünen Bahnen haben da echt nichts zu lachen. Im TW 6000 besteht die Klimaanlage nämlich aus einem Mini-Ventilator.

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Da kann man in seiner Schicht schon mächtig ins Schwitzen kommen. Aber auch in den anderen Bahnen kann es heiß hergehen: Wer nämlich auf der Linie 1 von Langenhagen nach Laatzen eingesetzt wird, fährt den halben Tag nach Süden – und damit der Sonne entgegen. Deshalb versorgt das Unternehmen, zusammen mit unserem Betriebsrat, die Kollegen auf den Betriebshöfen mit Wasser. Jede Fahrerin und jeder Fahrer bekommen bei Dienstantritt erstmal zwei Flaschen. In ihrer Pause können sie sich dann gekühlten Nachschub holen. Ansonsten bleiben nur die Tunnelstrecken für ein wenig Abkühlung. Die Busfahrer/innen haben es da natürlich noch einen Ticken schwerer, denn durch den Tunnel fahren diese ja nicht. Und weil sich Klimaanlangen nicht rentieren, wenn alle 200m die Tür geöffnet wird, hilft auch hier nur Wasser, Wasser, Wasser.

Üstra stellt Busfahrern Wasser zur verfügung

Aber die Kollegen da draußen halten durch und während die eine Hälfte der Hannoveraner am See oder in der Eisdiele „chillt“, sorgt die andere dafür, dass das gesellschaftliche Leben nicht zusammenbricht. Also danke, an alle Bus- und Stadtbahnfahrer/innen, an Ärzte und Krankenpfleger/ -schwestern, an Polizist/innen und an alle, die trotz 36°C und mehr tapfer durchhalten.

Und welches Lied passt zur derzeitigen Wetterlage besser, als „36 Grad“ von Zweiraumwohnung?

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Die üstra auf der Ideen EXPO

In einem Stadtbahnsimulator einmal selbst der Bahnfahrer sein, selbst ein kleines Stadtbahnmodell schweißen oder sich mal Schienen und Bahnräder (sicher) ganz aus der Nähe anschauen: Auf der diesjährigen IdeenExpo haben unsere Auszubildenden wieder viele coole Exponate und Mitmachaktionen im Gepäck. Vom 4. bis zum 12. Juli können Besucher den Stand der üstra besuchen und alles zu unseren technischen Ausbildungsberufen erfahren.

Thema des diesjährigen üstra Stands ist „Strecke und Schiene“. Denn neben Bussen und Bahnen pflegen wir im Auftrag der infra auch unsere Schienen und Strecken. Dafür ist vor allem das Schweißen eine wichtige Fähigkeit, damit z.B. neue Schienen verlegt werden können. Wer einmal selbst testen will, wie viel Spaß das Schweißen machen kann, darf mit unseren Azubis eine eigene (kleine) Stadtbahn schweißen und später auch mit nach Hause nehmen.

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Doch unsere Azubis können noch mehr: In diesem Jahr haben sie LESSI gebaut. LESSI ist die LernEinheit Stadtbahn, Simulation und Interaktion. Kurz gesagt ein Stadtbahnsimulator. Die angehenden Elektroniker für Betriebstechnik und Mechatroniker arbeiteten seit Wochen mit Hochdruck an dem Projekt. Teile wurden aus alten 6000ern ausgebaut, wieder aufbereitet und an LESSI angepasst. Eine Software, die eigentlich Eisenbahnen simuliert, wurde von den Azubis für unsere Zwecke angepasst. Das Herzstück ist ein kleiner, unscheinbarer Micro-Computer, der die Schaltbefehle des Fahrerstandes für die Software „übersetzt“. Auch eine interne Qualitätskontrolle kam extra vorbei, um LESSI zu begutachten und eine Probefahrt zu machen. Sie stellte fest, dass der simulierte Stadtbahnwagen einen zu großen Rollwiderstand hat. Dies wurde kurzerhand in der Software angepasst und es gab die „Freigabe“ durch den Betriebsleiter. Die Software für LESSI wird nach der Ideenexpo gemeinsam mit der Leibniz-Hochschule weiterentwickelt und die Lerneinheit wird dann später in der Fahrausbildung und für Einstellungsteste eingesetzt.

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Doch nicht nur die Besucher des üstra Stands profitieren von den vielen spannenden Exponaten. Auch für unseren Auszubildenden ist die Teilnahme an der IdeenExpo ein tolles Highlight. Sie können ihre eigenen Arbeiten zeigen und sich mit vielen anderen jungen Leuten austauschen und kreative Ideen für die eigene Ausbildung sammeln. Außerdem ist es eine tolle Erfahrung, das eigene Wissen auch an andere Interessierte weiter zu geben. Zudem ermöglicht die Messe unseren Azubis ein eigenes Projekt zu realisieren. Sie arbeiten während ihrer Ausbildung nicht stupide für den Mülleimer sondern entwickeln eigene, funktionsfähige Exponate. Und das alles koordiniert und in einem Team, auf das am Ende alle stolz sein können.

Am wichtigsten für unsere Azubis, und das haben sie mit den Besuchern der IdeenExpo gemeinsam, ist jedoch der Spaß. Die technische (Berufs-)Welt ist cool und bietet jede Menge Raum für eigene Kreativität. Man kann sich ausprobieren, Dinge verwirklichen und am Ende sogar Schienen verlegen oder, wie auf der IdeenExpo, eine selbstgeschweißte Stadtbahn mit nach Hause nehmen.

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Ahoi Hannover: Ein Kindheitstraum wird wahr

Uysal Mercanoglu hat seinen Kindheitstraum wahr gemacht und ist Seefahrer geworden. Deshalb traf ich ihn  zu einem Interview und widme ihm zum heutigen Tag des Seefahrers diesen Blogbeitrag.

Uysal arbeitet als Kapitän in der hannoverschen Maschseeflotte. Schon als Kind träumte er davon Seefahrer zu werden. Damals lebte er in der Türkei, in der Küstenstadt Izmir und vielleicht hatte das auch ein wenig damit zu tun, dass er Seefahrer werden wollte. Nach seinem Schulabschluss wollte er zur Marine, aber er trug damals noch eine Brille und wurde nicht zugelassen. Uysal entschied sich für ein Studium in Istanbul – wieder eine Stadt am Wasser.
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Im Jahr 1998 kam er nach Deutschland um Mathematik, Richtung Informatik zu studieren. Doch seine Sprachkenntnisse waren noch nicht sehr gut. Dazu kam, dass er sich das Studium selbst finanzieren musste und so begann er bei der Maschseeflotte von üstra Reisen zu arbeiten. Zunächst arbeitet er dort als Kellner, aber er erhöhte bald seine Stundenanzahl und im Jahr 2000 legte er das Studium komplett auf Eis. Seitdem arbeitet er nur noch für üstra Reisen. Den Traum vom Kapitän hat er dabei nie wirklich vergessen und schließlich konnte Uysal ihn in Hannover wahr werden lassen.

„Ich habe zwei Monate lang eine Ausbildung gemacht“, erzählte er mir im Interview, „da musste ich mit den anderen Kollegen jeden Tag, drei bis vier Stunden mitfahren. Am Anfang durfte ich nur zusehen und danach hab ich das Steuer übernommen.“ Im Jahr 2008 bekam Uysal dann einen Festvertrag bei üstra Reisen. Nun fährt er seit 15 Jahren Touristen und Einwohner über den Maschsee.

Heute fährt Uysal überwiegend das Solarboot Europa-enercity. Denn damals, im August 2000, als der Katamaran in die Flotte aufgenommen wurde, gab es nur den damaligen Chef, der das neue Boot fahren konnte. Als dieser dann aufhörte, hätte keiner mehr das Boot fahren können. „Ich hab dann gesagt, dass ich das kann“, erklärte Uysal mit einem Schmunzeln, „und hab mir das Boot dann immer wieder ausgeliehen, um das An- und Ablegen zu üben.“ Heute ist er damit unser Katamarankapitän und sticht jeden Tag aufs Neue in (Masch)See.

In diesem Sinne: Ahoi!