„Das ist ja doof“ - Ein Rückblick auf das Jahr 2018
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„Das ist ja doof“ – Ein Rückblick auf das Jahr 2018

Vermutlich gibt es Pressesprecher, die nachmittags um halb vier ihre Büropflanzen gießen, auf ihren vier Seiten dünnen monatlichen Pressespiegel starren und denken: Auch heute hat wieder kein Schwein angerufen. Die sind wahrscheinlich beim Bundesverband Deutscher Dingsbumshersteller oder etwas ähnlich Spannendem angestellt und verbringen den Tag hauptsächlich damit, Journalisten anzubetteln, mal was über sie zu schreiben. Die Probleme hat man als Pressesprecher der ÜSTRA nicht. Saure-Gurken-Zeit ist bei mir nur, wenn ich die Füllung für die Rouladen vorbereite oder ein morgendliches Gegengift nach übermäßigem Alkoholverzehr benötige. Ich habe schon überlegt, ob wir von den Zeitungen nicht Gebühren nehmen könnten, denn ohne uns wären die Blätter ja halbleer.

„Saure-Gurken-Zeit gibt’s bei mir nur in der Küche beim Rouladen kochen.“ (Foto: Mandy Hupe)

Der Streik

Am 15. März berichtete die Presse über einen interessanten verkehrstechnischen Großversuch. Alle Autofahrer, die immer über die Bevorrechtigung des Nahverkehrs an den Ampeln meckern, weil sie ständig Rot bekommen, wenn sich Bus oder Bahn aus der anderen Richtung nähern, konnten einmal erleben, wie es sich ohne dieses Ärgernis fährt. Dank eines Warnstreiks von ver.di fuhren nämlich weder Busse und Bahnen, die ihnen die Vorfahrt hätten nehmen können. Und – ist der Autoverkehr nur so geflutscht? Nö. Kilometerlange Staus auf den Straßen. Ergo: Ohne Nahverkehr droht den Pkw-Nutzern der Verkehrsinfarkt. Je attraktiver der ÖPNV (und dazu gehört auch die Vorfahrt) desto besser für alle – gerade auch für die Autofahrer.

Nichts los hier: Am 15. März 2018 fuhren keine ÜSTRA Busse und Bahnen. (Foto: Florian Arp)

Der Crash

Den Crash des Jahres gab es an der Wallensteinstraße. Statt wie geplant geradeaus, bog eine Stadtbahn über eine falsch liegende Weiche in die Kehranlage ein und prallte auf die dort stehende Bahn der Linie 17. Die Aufräumarbeiten in den darauffolgenden Wochen waren eigentlich Zerlege-Arbeiten, denn die schwer beschädigte Bahn konnte nur noch in handliche Einzelteile zersägt und abtransportiert werden. Oberricklinger, die beim Wochenendeinkauf zufällig vorbei kamen, glaubten in die Dreharbeiten für „Transformers III“ geraten zu sein. Megatron lässt grüßen.

„Megatron lässt grüßen“ – Aufräumarbeiten im Transformers-Style an der Wallensteinstraße. (Foto: Achim Uhlenhut)

Die Ebbe

Für die Stadtbahn braucht man Gleise und Strom. Für die Boote der Maschseeflotte unserer Tochterfirma ÜSTRA Reisen braucht man… Richtig: Wasser. Und damit ging Mutter Natur in diesem Jahrhundertsommer zunehmend sparsam um. Weil in den umliegenden Kiesteichen die Blaualgen regierten, standen die natürlichen Wasserreserven des Maschsee nicht zur Verfügung, und die Mörderhitze ließ den Maschsee allmählich verdunsten. Nur mit viel nautischem Geschick und einem funktionierenden Echolot gelang es den Kapitänen der Maschseeflotte den immer größer werdenden Untiefen des hannoverschen Gewässers auszuweichen und während des Maschseefestes den Bootsverkehr aufrecht zu erhalten. Die Karpfen sollen teilweise Beifall geklatscht haben. Ein Seefest mit zu wenig Wasser – darauf muss man auch erstmal kommen.

Ebbe am Maschsee: naturbedingte Zwangspause bei der Maschseeflotte. (Foto: Katja Raddatz)

Die Showtime

Mit Helene Fischer und Eminem statteten zwei Superstars unserer Messestadt in dieser Konzertsaison Besuche ab, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Geschmäcker sind ja gerade in musikalischer Hinsicht höchst verschieden – da fühlen wir uns als Mobilitätsdienstleister zur strikten Neutralität verpflichtet. Hauptsache alle kommen pünktlich hin und anschließend auch wieder sicher nach Hause. Dass wir in Sachen An- und Abfahrt zu Großveranstaltungen nichts verlernt haben, konnten wir in diesem Jahr also gleich zweimal beweisen. Unser Verkehrsangebot zum Helene Fischer-Konzert in der HDI Arena war sogar Thema einer ausführlichen Fernsehreportage. Selbst für ältere Hasen wie mich war es wieder beeindruckend zu sehen, wie umsichtig, ruhig, konzentriert und freundlich unsere Kolleginnen und Kollegen im Fahrdienst, in der Leitstelle, als Verkehrsmeister vor Ort und als Sicherheitsdienst der protec solche Ausnahmesituationen meistern. Chapeau!

Bei den Konzerthighlights des Jahres brachte die ÜSTRA die Fans sicher zu ihren Lieblingskünstlern. (Foto: Martin Bargiel)

Der Brüller

Einen echten Brüller gab es aus Pressesprechersicht dann noch zum Jahresende. Ein wöchentliches Anzeigenblatt berichtete Mitte Dezember unter der Überschrift „Zum Fahrplanwechsel kommen neun weitere Züge“ über Neuigkeiten aus dem hannoverschen Nahverkehr. Schon die oberflächliche Lektüre des Artikels machte stutzig. Da war von einem Geschäftsführerwechsel beim Großraum-Verkehr Hannover die Rede, obwohl der schon Jahre zurücklag, es wurde ein Vorstandsvorsitzender der ÜSTRA zitiert, der seit rund einem Jahr nicht mehr im Amt ist, die genannten Fahrgastzahlen stimmten ebenso wenig wie die Sache mit den neun neuen Zügen und eine angebliche geplante Tarifreform steht bereits kurz vor der Umsetzung. Was war hier los? Auf Nachfrage wurden wir an den Autor verwiesen, der den Artikel angeblich kürzlich für die Tageszeitung des Verlages verfasst hatte. Dieser konnte die Sache in kürzester Zeit aufklären: Den Artikel kannte er, er habe ihn verfasst und er sei auch in der Tageszeitung erschienen – allerdings bereits 2013. Die Leiterin des Anzeigenblattes, das versehentlich einen fünf Jahre alten Artikel nachgedruckt hat, entschuldigte sich daraufhin per Mail mit den schönen Worten: „Das ist ja doof…“

In der Tat. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Außer: kommen Sie gut hin – wo immer Sie auch hin wollen in 2019. Sie werden auch im nächsten Jahr von uns lesen. Und zwar reichlich. Da bin ich mir sicher.

Die ÜSTRA wünscht einen guten Rutsch ins Jahr 2019! (Foto: Florian Arp)

 

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Den Kommentar zum Streik und der Ampelvorrangsschaltung finde ich ausgesprochen zynisch. Dass er auch nicht gerade klug ist, zeigt die Lage an der Einmündung Clauswitzstraße und Pferdeturmkreuzung, oder?

    • Hallo Martin,

      was ist denn an dem Hinweis, dass gerade auch Autofahrer von einem attraktiven Nahverkehr mit kurzen Fahrzeiten profitieren, zynisch? Jeder, der in Bus und Bahn steigt, entlastet die Straßen dadurch, dass er nicht mit dem Auto unterwegs ist.
      Der Zusammenhang zwischen Streik und Vorrangschaltung ist hier natürlich bewusst etwas überspitzt dargestellt worden – zeigt aber, wie wichtig der – schnelle und fließende – Nahverkehr für alle Verkehrsteilnehmer ist.

  2. Vorrangschaltung für den ÖPNV ist klasse. Nur fallen in Hannover dadurch Grünphasen für PKWs regelrecht weg und die Schaltung der gesamten Kreuzung geht offensichtlich wieder von vorne los. Würde die Vorrangschaltung sich „dazwischenmogeln“ und dann die Reihenfolge der Grünphasen weiter abarbeiten, wäre das sinnvoll. Hat zwar eigentlich nichts mit den Staus am Streiktag zu tun, aber das wird man ja wohl noch einmal schreiben dürfen :-)

    • Lieber Gumbi2804,

      Die ÜSTRA ist – wie andere Verkehrsteilnehmer auch – Benutzer der Ampelanlagen. Eingerichtet und betrieben werden die Ampelanlagen von der Landeshauptstadt Hannover, nicht von der ÜSTRA. Wenn wir Hinweise darauf haben, dass die Anlagen nicht richtig eingestellt sind, gehen wir auf die Stadt zu und bitten um Optimierung. Wir wollen ja den Pkws nicht die Grünphase stehlen, sondern nur als Erste drankommen. Daher sind wir Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns dazu Hinweise geben können, an welchen Ampelanlagen der Umlauf der Grünphasen nicht richtig funktioniert, am besten per Mail an kundenservice@uestra.de. Dann geben wir das gern weiter an die richtigen Stellen.

  3. Ein Pressesprecher ist eine Sache.
    Mit Udo Iwannek hat die Üstra zudem auch noch einen Autor, dessen Postings so manchen Schriftsteller vor Neid erblassen lassen. Es ist einfach immer wieder ein Vergnügen, diese Beiträge zu lesen.

    Das Bild des grauenhaft „entsorgten“ TW-6000 hätte man allerdings aus Pietätsgründen nicht unbedingt zeigen müssen. Das tut mir immer noch von Herzen weh :(

    Liebe Udo Iwannek,
    mehr solche Beiträge in 2019 bitte ;)

    Der TW-6000 Liebhaber

    • Lieber TW-6000 Liebhaber,

      Vielen Dank für das große Lob! Von Udo Iwannek sollen wir ausrichten, dass es zu seinen guten Vorsätzen für das neue Jahr gehört, öfter für unser Blog zu schreiben!
      Viele Grüße

  4. Ich habe in Hamburg und Leipzig gewohnt, und dort den öffentlichen Nahverkehr erlitten. Hut ab ÜSTRA, die können euch wirklich nicht das Wasser reichen. Bitte bleibt so.

  5. Schöner Artikel. Leider wird was den Streik angeht, aber leider nicht auf die starken Einschränkungen für eben alle Leute eingegangen, die sich Tag für Tag auf den ÖPNV verlassen. Denen zeigt ihr damit die A*Karte. Macht es doch so wie die Busfahrer in Japan, die anstatt den Verkehr einzustellen, alle Kostenlos mitfahren lassen. Das tut finanziell mehr weh.

  6. Leider fehlte aus meiner Sicht ein wesentlicher Höhepunkt beim Jahresrückblick: Die Inbetriebnahme des neuen Hochbahnsteiges Steintor am Sonntag, 9. Dezember 2019! Es hat mich schon immer und ewig geärgert, beim Umsteigen von der 10 am Steintor in die 4,5,6 oder die 11 einen so umständlichen weiten Weg zurücklegen zu müssen. Und jetzt hat sich dieser Weg ganz enorm verkürzt. Einfach Klasse! Wenigstens gab es am vergangenen Wochenende (16. Februar 2019) bei schönstem Wetter ein kleines Fest. (Am 9. Dezember 2018 hatte es geregnet.) Jetzt fehlt nur noch, dass der TW 601 die neuen Innenstadthochbahnsteige einmal anfährt!

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