Zwei Straßennamen für zwei starke Frauen
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Zwei Straßennamen für zwei starke Frauen

In Vahrenwald wird gebaut. Das ist in Hannover ja eigentlich normal. Diese Baustelle ist aber etwas ganz Besonderes, denn hier entstehen auf einem früheren Teil des ÜSTRA Betriebshofs Vahrenwald Wohnhäuser durch die Versorgungseinrichtung der ÜSTRA e. V. Für die Bebauung ist vorgesehen auch drei kleinere Wohnstraßen anzulegen. Die ÜSTRA durfte für zwei dieser Straßen Vorschläge zur Benennung machen. Also machten sich ÜSTRA Chronik-Autor Achim Uhlenhut und ich auf die Suche nach herausragenden Persönlichkeiten, die einmal bei den hannoverschen Verkehrsbetrieben tätig waren. Im Unternehmensarchiv entdeckten wir einige ausgewählte Personalakten aus früheren Zeiten. Hinzu kam die Recherche bei alten ÜSTRA Kollegen, ob sie sich noch an Namen erinnern. Am Ende kristallisierten sich während unserer Forschungsphase zwei Namen heraus: Die Kolleginnen Anna Klähn und Elsa Kruse.

Aber wer waren die Beiden? Lassen Sie uns einen Ausflug in die Vergangenheit machen:

Anna Klähn…

Trotz einiger Schicksalsschläge blieb Anna Klähn der ÜSTRA treu und arbeitete als Schaffnerin. (Foto: ÜSTRA Archiv)

… wurde als Anna Panitz am 23. Februar 1888 in Altenhagen bei Springe geboren. Sie heiratete am 9. November 1912 den Lackierer Wilhelm Klähn, der bereits bei der ÜSTRA arbeitete. Am 21. April 1913 bekamen die Eheleute Klähn ein Kind, das leider tot zur Welt kam.Als dann 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach und viele Männer an die Front mussten, trat Anna Klähn am 1. Oktober 1914 als Ersatz für im Felde stehende Männer bei der ÜSTRA ein. Sie wurde als Schaffnerin eingesetzt. Nach einem zweiten Schicksalsschlag (ihr Mann fiel am 27. Mai 1915 in Frankreich) blieb sie weiterhin Schaffnerin. Auch nach Ende des Ersten Weltkriegs verließ sie die ÜSTRA nicht, da die Personalnot durch das Fehlen der gefallenen ÜSTRA Mitarbeiter groß war.

Vom 31. Juli bis 15. Oktober 1920 beteiligte sie sich – wie viele andere Mitarbeiter des Fahrdienstes auch – am großen Streik der hannoverschen Straßenbahner. Sie traten für Verbesserungen im Sozialwesen und für bessere Bezahlung ein. Dieser Streik wurde niedergeschlagen. Alle Streikenden wurden entlassen. Den vormals Streikenden wurde jedoch eine Zusatzklausel zu ihrem alten Arbeitsvertrag angeboten. Sie konnten zu den alten Konditionen wieder arbeiten, ihr Diensteintrittsdatum wurde jedoch um die Dauer des Streiks vordatiert. Anna Klähn unterschrieb, wie viele andere auch, den neuen, alten Arbeitsvertrag und nahm ihre Tätigkeit als Schaffnerin wieder auf.
Am 28. Juni 1923 änderte sich jedoch ihre Tätigkeit: Sie wurde Büroschaffnerin bzw. Bürogehilfin. Ihre Aufgaben bestanden fortan darin, Schreibarbeiten und ähnliche Tätigkeiten für den Betriebshofdienst zu übernehmen.

Zum 1. September 1939 gab es – trotz des am selben Tag beginnenden Zweiten Weltkrieges – einen kleinen Lichtblick für sie: Die Übernahme in das Angestelltenverhältnis. Dadurch stieg nach langer Zeit auch ihr Lohn. Am 16. Dezember 1939 feierte Anna Klähn ihr 25-jähriges Dienstjubiläum. Sie starb am 9. Februar 1943 mit nur 54 Jahren an Leberkrebs.

Die erste weibliche Führungskraft bei der ÜSTRA: Elsa Kruse. (Foto: ÜSTRA Archiv)

Elsa Kruse (später verehelichte Gruner-Kruse)…

…wurde am 23. Mai 1898 in Hannover geboren. Am 27.04.1915 wurde sie als Kontoristin bei der Straßenbahn Hannover eingestellt. Im Dezember 1932 wurde sie zur Leiterin der kaufmännischen Abteilung ernannt. Sie erhielt als erste Frau am 20. Februar 1933 Handlungsvollmacht und zum 10. November 1948 Prokura bei der ÜSTRA. Beides war für die damaligen Zeiten ungewöhnlich.

Aus der Personalakte ist weiterhin ersichtlich, dass Fräulein Kruse (sie heiratete erst im Mai 1957) im Zeitraum von 1933 bis 1945 kein Mitglied einer NS-Organisation war, sodass negative Zusammenhänge mit dem national-sozialistischen Regime hergestellt werden können. Elsa Kruse trat am 1. Januar 1962 auf eigenen Wunsch in den Ruhestand. Sie verstarb am 12. Juni 1967.

Wir haben die beiden Damen für die Benennung der Straßen vorgeschlagen, weil beide auf eine besondere Weise Stärke gezeigt haben.

Anna Klähn hat Stärke bewiesen, indem sie in einer schweren Zeit, in der die Emanzipation im Aufkeimen war, keinen Moment zögerte, den schweren Schaffnerdienst auf sich zu nehmen. Ihre Schicksalsschläge zeigen exemplarisch, was vielen Frauen zu Kriegszeiten widerfahren ist.

Elsa Kruse hat sich in einer Zeit, wo leitende weibliche Persönlichkeiten noch längst keine Selbstverständlichkeit waren, gegen männliche Konkurrenten auf Grund ihres Engagements durchgesetzt. Sie zeigte großen Fleiß und unermüdlichen Arbeitseinsatz, was sie oftmals bis an den Rand der Erschöpfung brachte. Frau Gruner-Kruse –das spiegeln Teile der Personalakte und Berichte in der damaligen Betriebszeitung „Nachrichtenblatt“ wider – war bei Vorstand und Belegschaft ausgesprochen beliebt und führte eine Effizienzsteigerung durch technische Mittel in der von ihr betreuten Abteilung ein.

Es war unsere besondere Idee, zu Straßen in der Umgebung, die nach Generälen oder Menschen mit wichtigen militärischen Rängen benannt sind, einen Gegenpol zu setzen. Es soll ein angemessener Hinweis auf das Leid sein, wie es der Zivilbevölkerung in Kriegen widerfährt. All dies sind gute Gründe, um diese zwei starken Frauen durch die Straßenbenennungen zu würdigen. Der Bezirksrat konnte unsere Argumente verstehen und teilen. Wenn Sie also das nächste Mal in Vahrenwald unterwegs sind und zufällig eines der Straßenschilder erblicken, wissen Sie, welche Persönlichkeiten hinter den Namen stecken.

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